Ordnung, Fleiß und Ehrlichkeit haben sich auf alle Gemeindebewohner übertragen

ADZ-Gespräch mit Mihai Dişor, Bürgermeister der Gemeinde Honigberg

Mittwoch, 26. August 2015

Mihai Dişor steht seit dem Jahr 2000 der Gemeinde Honigberg als Bürgermeister vor.
Foto: Dieter Drotleff

Mihai Dişor (58) nimmt sein viertes Mandat als Bürgermeister von Honigberg/Hărman, dieser stattlichen Burzenländer Gemeinde, wahr. Er ist immer wieder in der Mitte der noch da verbliebenen sächsischen Gemeinschaft anzutreffen, aber nicht nur dann, wenn es um Festlichkeiten geht, sondern er unterstützt diese Gemeinschaft auch in ihren laufenden Anliegen. Heuer fand das vierte Begegnungsfest der Honigberger von hier und aus dem Ausland statt, zu dem er wie auch bei den vorangegangenen Treffen eingeladen wurde und woran er sich auch mit Freude beteiligte. Jedes Mal spricht er in seinem Grußwort seine Anerkennung für die sächsischen Landsleute und ihre Leistungen aus. Dieter Drotleff, Redakteur der ADZ/KR, nahm dieses Begegnungsfest auch zum Anlass, um mit Mihai Dişor folgendes Gespräch zu führen.

Seit 2009 werden in Honigberg Begegnungsfeste veranstaltet, an denen sich hiesige und ausgesiedelte sächsische Gemeindebewohner beteiligen. Heuer wurde nun das vierte Begegnungsfest am 9. August veranstaltet. Jedes Mal wurden Sie dazu eingeladen und haben der Einladung auch Folge geleistet. Gegenwärtig zählt die hiesige evangelische Kirchengemeinde A.B. noch rund 120 Mitglieder. Wie schätzen Sie das Zusammenleben von Rumänen und Sachsen in der Gemeinde ein?

An dem diesjährigen Begegnungsfest beteiligten sich zahlreiche Sachsen aus dem Ausland. Es waren so viele wie noch nie bei diesem nun schon zur Tradition gewordenen Fest. Das zeigt, dass die Sehnsucht nach der Heimat, den hiesigen Verwandten und Freunden, den zurückgelassenen Häusern allgegenwärtig ist. Und nicht zu vergessen auch deren Vorfahren, die hier ruhen. Schließlich ist es auch die Bindung zu den hiesigen Traditionen, die dazu führt, dass die in der Fremde lebenden Gemeindebewohner immer wieder und zahlreicher zu Besuch kommen. Es sind auch die besten Anzeichen der Öffnung zu Europa. Wir sind überzeugt, dass auf diese Weise auch unsere Gemeinde siebenbürgisch-sächsischen Ursprungs in Europa und der Welt besser bekannt wird.

Denn auch die nun im Ausland lebenden Honigberger können sich bei jedem ihrer Besuche von den Veränderungen, die in der Heimat und in der Gemeinde stattgefunden haben, überzeugen und ihre Eindrücke verbreiten. Anderseits ist die nun mehrheitlich da lebende rumänische Bevölkerung bestrebt, diese Traditionen aus der 775-jährigen Geschichte von Honigberg, die sie auch teilweise von den Sachsen übernommen hat, fortzuführen. Sicher hat es auch vorher da eine einheimische Bevölkerung gegeben, doch die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft ist ausschlaggebend. Dieses Jubiläum bedeutet Stabilität, Ernsthaftigkeit in dem, was da im Laufe der Jahrhunderte geschaffen worden ist. Die hier lebenden Rumänen und die noch da verbliebenen Sachsen setzen alles daran, dass sich die Gemeinde von allen Standpunkten her weiterentwickelt.

Das diesjährige Begegnungsfest wurde der ersten urkundlichen Erwähnung von Honigberg vor 775 Jahren gewidmet. Sind auch weitere Festlichkeiten aus diesem Anlass in diesem Jahr vorgesehen?

Dieser Anlass stand auch im Programm der Honigberger Tage, die jedes Jahr im August organisiert werden. Es sind Festlichkeiten, an denen alle Gemeindebewohner teilnehmen. Dafür wird jedes Mal rechtzeitig ein Sonderprogramm ausgearbeitet, in dem sowohl Honigberger als auch Gäste von auswärts mitwirken. Außer Folklore- und Brauchtumsveranstaltungen mit Tanz und Gesang sind auch bekannte Popmusik-Bands dabei, Vorträge zu unterschiedlicher Thematik werden geboten. Es ist immer wieder ein Anlass, um sich besser kennenzulernen, sich näher zu kommen.

Was ist heute für Honigberg kennzeichnend?

Honigberg hat sich zu einem starken Wirtschafts-, aber auch Kultur- und gesellschaftlichen Zentrum innerhalb des Kronstädter Kreises entwickelt. Diesbezüglich belegt die Gemeinde den fünften Platz auf Kreisebene. Sie hat eine Gesamtfläche von 5242 Hektar, davon sind 648 Hektar  innerörtliches Gelände. Die Bevölkerung ist offiziell auch auf über 5600 Personen angestiegen, vor allem durch den Zuzug von Städtern, die sich hier Häuser errichtet haben, um dem Stadtlärm und Stress zu entfliehen. Im Jahre 2000 waren es 4000 Gemeindebewohner. In Wirklichkeit liegt die Zahl der Gemeindebevölkerung bei 9000. Ich hoffe aber, dass dieses Problem bald auch gesetzlich geregelt wird. Schließlich sind es nun alle Honigberger geworden und sollten auch im Personalausweis als solche gelten. Doch es sind sehr viele Personen, die aus verschiedenen Gründen ihren Wohnsitz nicht hier angemeldet haben. Da die Gemeinde nur 10 Kilometer von Kronstadt entfernt liegt, pendeln viele täglich in die Stadt. So haben die Ortsbewohner auch ein reiches Angebot an Arbeitsplätzen sowohl in der Gemeinde als auch in der nahe gelegenen Großstadt.

Wie steht die Gemeinde heute bezüglich der Infrastruktur?

Ich glaube, auch in dieser Hinsicht steht Honigberg gut. Wir haben das Trinkwasser- und Kanalisationsnetz, das Gas im Gemeindegebiet eingeführt und verfügen über eine gute Straßenbeleuchtung. In einer Ortschaft wie Honigberg, die eine starke Entwicklung erfährt, haben wir gegenwärtig acht Baustellen, eben um die Infrastruktur weiter auszubauen. Man kann nie behaupten, alles sei vollkommen. Dadurch dass sich die Ortschaft weiter entwickelt, muss auch diese Infrastruktur ständig weiter ausgebaut, müssen die verschiedenen Wasser- Kanalisations-, Gas- und Stromnetze dementsprechend auch ausgeweitet werden. Diesbezüglich müssen die Bewohner auch viele bürokratische Hürden nehmen, um sich an diese Netze anschließen zu können, da die Gesetzgebung immer wieder verändert wird und es neuer Genehmigungen bedarft. In dem zur Gemeinde gehörenden Dorf Podul Olt wird ebenfalls das Wasser- und Kanalisationsnetz eingeführt. In Honigberg wollen wir außerdem in einen Sportsaal investieren. 

Wie viele Klein- und mittelständische Betriebe gibt es in Honigberg?

Es waren über 400. Doch durch die gesetzlichen Veränderungen bestehen gegenwärtig noch über 200 derartige Einheiten im Gemeindegebiet. Entwickelt haben sich Bereiche der Leichtindustrie, der Möbelherstellung, der Baumaterialien, Textilien, Schuhwerk, Fleischverarbeitung, Landwirtschaft u. a. Es gibt auch einige größere Unternehmen in der Ortschaft, die ausschließlich für den Export arbeiten. Auch der Tourismus hat sich stark entwickelt. Mehrere Pensionen stehen den Besuchern der Ortschaft zur Verfügung. Hauptanziehungspunkt ist die evangelische Kirche mit der Kirchenburg, eine der bestens erhaltenen Wehranlagen in Siebenbürgen. Dann sind der Lempesch-Hügel mit seiner vielseitigen Flora und das Honigberger Moor, die unter Naturschutz stehen, weitere Anziehungspunkte für Touristen.

Die sächsische Gemeinschaft in der Gemeinde ist zahlenmäßig stark zurückgegangen. Ist deren Präsenz trotzdem spürbar?

Ohne Zweifel. Das, was im Laufe der Geschichte von der sächsischen Gemeinschaft in Honigberg in allen Bereichen geleistet worden ist, wird die Zeit überdauern. Allein schon die Tatsache, dass wir in diesem Geist des Fleißes, der Ehrlichkeit gelebt haben, den wir von unseren sächsischen Mitbürgern mitbekommen haben, prägt das gesamte Gemeindeleben und hat sich dauerhaft eingebürgert.

Rückblickend auf ihre Amtszeit: wie würden Sie diese einschätzen?

Ich bin seit 2000 Bürgermeister von Honigberg, der Gemeinde, in der ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Auch meine Mutter ist gebürtige Honigbergerin. Als Sohn dieser Ortschaft war ich bemüht, das Bild zum Positiven zu verändern. Mit meiner Familie, meiner  Gattin und meiner zwei Töchtern – inzwischen bin ich auch stolzer Großvater – leben wir da inmitten unserer Mitbürger. Ich bin von Anfang  der National-Liberalen Partei (PNL), deren Mitglied ich bin, treu geblieben. Nach vier Mandaten beabsichtige ich, mich auch bei den Kommunalwahlen 2016 für ein neues Mandat zu bewerben. Wenn meine Mitbürger die in Honigberg stattgefundenen Entwicklungen und Veränderung positiv einschätzen,  kann ich mit einem Wahlsieg rechnen.

Vielen Dank für Ihre Ausführungen!

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