Ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte ist gemeinsame Geschichte

Das 1958 in Regensburg gegründete Institut richtet sich neu aus

Samstag, 24. Oktober 2015

Der seit Ende Juli 2015 neue Vorsitzende des jetzigen Instituts für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ost-, Mittel- und Südosteuropa e.V., Prof. Dr. Rainer Bendel (rechts) dankte bei der jüngsten Arbeitstagung seinem Vorgänger Monsignore Dr. Paul Mai, der seit Dezember 1983 dem Institut vorstand.

Veröffentlichungen wie hier der Band 43 der Reihe „Forschungen und Quellen zur Kirchen- und Kulturgeschichte Ostdeutschlands“ gehören zu den Arbeitsbereichen des Instituts.
Fotos: der Verfasser

Neu aufgestellt hat sich das Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte. Seit Ende Juli heißt die am 10. Dezember 1958 gegründete Einrichtung „Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ost-, Mittel- und Südosteuropa e.V.“. Neben inhaltlichen Neuorientierungen sind damit auch personelle und organisatorische Veränderungen verbunden. An der Spitze steht nun Prof. Dr. Rainer Bendel (51), außerplanmäßiger Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard Karls-Universität Tübingen. Er tritt die Nachfolge des seit 10. Dezember 1983 als 1. Vorsitzender amtierenden Monsignore Dr. Paul Mai an. Mit dem Personalwechsel ist auch der Umzug der Geschäftsstelle von Regensburg nach Rottenburg-Bad Niedernau verbunden sowie eine neue Struktur der Geschäftsstelle.

Die Geschichte des Instituts reicht bis 1951 zurück. Damals gründete der Breslauer Diözesanarchivdirektor Prälat Dr. Kurt Engelbert (1886 – 1967) in Hildesheim mit seinem Bruder, dem Geistlichen Rat Msgr. Josef Engelbert (1891 – 1969) den „Arbeitskreis für ostdeutsche Kultur- und Kirchengeschichte“ mit dem Ziel, das Wirken und die historischen Leistungen des Christentums und der Kirche in den früheren deutschen Siedlungsgebieten zu würdigen, zu dokumentieren und zu erforschen. Nach mehreren Umbenennungen und Wechseln der Geschäftsstellen und auch vor dem Hintergrund, dass die kirchlichen und staatlichen Zuwendungen zu wünschen übrig ließen, entschied man sich 1958 zur Gründung eines selbstständigen Instituts: Am 10. Dezember 1958 wurde in Königstein/Taunus das „Institut für ostdeutsche Kirchen- und Kulturgeschichte e.V.“ gegründet mit Prälat Dr. Kurt Engelbert als 1. Vorsitzenden. Neben dem Vorstand gibt es einen Wissenschaftlichen Beirat mit beratender Funktion. Die Hauptaufgabe des Instituts ist, so fixiert in der Satzung, „die wissenschaftliche Erforschung und Darstellung der Kirchen- und Kulturgeschichte Mittel- und Ostdeutschlands sowie jener Gebiete Ostmitteleuropas, in denen deutsche kirchliche und kulturelle Einflüsse nachweisbar sind“. Hierzu dienen Fachkräfte, eine Fachbibliothek und wissenschaftliche Forschung. Darüber hinaus gibt das Institut mehrere Periodika heraus und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs durch die Vergabe des „Kardinal-Bertram-Stipendiums“.

Diese Aufgaben bleiben auch in Zukunft. Aber es sei nun, so der neue 1. Vorsitzende Prof. Bendel, eine „zeitgemäße und zukunftsorientierte Neuausrichtung“ nötig, d. h. neue Akzente in der inhaltlichen und organisatorischen Arbeit. So favorisiert er interdisziplinäre Kooperationen – etwa mit den Bereichen Musik, Volkskunde und Kunstgeschichte – sowie insgesamt mittelfristige Planungen der Arbeitstagungen und Themen. Konkret stellen sich künftig für das Institut folgende Aufgaben: Dokumentation der religiösen Kultur in den Vertreibungsgebieten; Erforschung öffentlichkeitsrelevanter Themen aus der Integrationsphase; „Bürgergesellschaft“ bzw. „Stärkung der Zivilgesellschaft“: Wichtige Bausteine für die Bürgergesellschaft und deren Entwicklung seitens der Heimatvertriebenen; Schaffung einer europäischen Öffentlichkeit. Zur Umsetzung dieser Aufgaben schlägt das Institut folgende zwei Pfeiler vor: „Innere Koordination“ bereits bestehender kirchlicher Forschungseinrichtungen im Vertriebenenbereich und „Äußere Kooperation“ mit wissenschaftlichen Institutionen im In- und Ausland.

Dem „Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ost-, Mittel- und Südosteuropa e.V.“ liegt daran, den Wissens- und Erfahrungsschatz der Erlebnisgeneration der Vertriebenen nicht einzufrieren, sondern vielmehr Grundlagen bereitzustellen, damit auch künftige Generationen sich mit ihren Fragen und Horizonten diesem Aspekt der europäischen Geschichte zuwenden können. „Die Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in den östlichen und südöstlichen Regionen Europas ist Erfahrungs- und Traditionsschatz für die gesamte Kirche in Deutschland – ostdeutsche Kirchengeschichte ist gemeinsame Kirchengeschichte – und bleibt eine Aufgabe für diese“, fasst Bendel zusammen. Im Jahr 2016 wird sich die dann 53. Arbeitstagung mit dem Thema „Christen und Totalitarismus 1945 bis 1960“ beschäftigen.

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