Ovid-Preis für Herta Müller

Herta Müller: "Auszeichnungen sind etwas Außerliterarisches..."

Mittwoch, 09. Mai 2018

Herta Müller präsentierte 2005 in Temeswar ihren Band "Der König verneigt sich und mordet" in rumänischer Fassung. Foto: Zoltán Pázmány

Herta Müller, die aus der ehemaligen Banater deutschen Gemeinde Nitzkydorf gebürtige Schriftstellerin, Trägerin des Nobelpreises für Literatur, erhielt den vom PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland verliehenen OVID-Preis für ihr Lebenswerk. Die Preisverleihung erfolgte kürzlich mit einem Festakt in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt. Der Preis besteht jeweils aus einem nicht angegebenen Geldbeitrag, einer Urkunde und einem individuellen Geschenk. Namensgeber dieses Preises ist der bekannte römische Dichter Ovid, der wegen seines freien und kritischen Geistes ins Exil nach Tomis (heute Konstanza) an der Schwarzmeerküste verbannt wurde. Der von Kaiser Augustus  im Jahre 8 n. Chr. verbannte Publius Ovidius Naso, bekanntlich auch im Exil am Schwarzen Meer gestorben, gilt als erster exilierter Schriftsteller. Zu einer derartigen berühmten Identifikationsfigur als Exil-Autor wurden aus der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts z.B. auch Ernst Toller, Bertolt Brecht und Lion Feuchtwanger. Der Preis wurde 2017 vom PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland ( 1934 als Deutscher PEN-Klub im Exil gegründet /1948 in Deutscher Exil-Pen umbenannt) für herausragende literarische Veröffentlichungen gestiftet und soll alle zwei Jahre verliehen werden. Erstmals wurde der OVID-Preis 2017 an Guy Stern, Autor, Herausgeber, Hochschullehrer, Direktor eines Instituts des Holocaust-Museums in Detroit,  verliehen. Der zweite, im Dezember 2017 ausgeschriebene OVID-Preis ging nun an die aus dem Banat stammende Nobelpreisträgerin Herta Müller. Der fünfköpfigen Jury gehörten an: die Autoren Gabrielle Alioth, Hans Christian Oeser, Utz Rachowski, der Verleger Burkhard Bierschenck und Frederick A. Lubich, Professor für deutsche Sprache und Literatur.

Die Autorin Herta Müller, 1953 geboren, gehört derzeit zu den meist geehrten und mit allen wichtigen deutschen und internationalen Literaturpreisen bedachten deutschen Gegenwartsautoren. Ihre letzten großen Preis stammen aus dem Jahr 2015, als sie den renommierten Heinrich-Böll-Preis, den Literaturpreis der Stadt Köln, und den Friedrich-Hölderlin-Preis der Universität und der Universitätsstadt Tübingen erhielt. "Auszeichnungen sind etwas Außerliterarisches. Ich habe noch nie auf einen Preis gewartet" bekannte die Autorin in einem Interview  im "Tagesspiegel", am 8.10.2009, also zwei Tage vor der Bekanntmachung, dass sie den Nobel-Preis für Literatur 2009 erhalten wird. Nach der Bekanntmachung erklärte die Autorin dann vor Berliner Jounalisten , dass sie es nicht fassen könnte und damit auch nicht gerechnet hätte. Bekanntlich erhielt die Autorin ihre ersten Literaturpreise noch in der alten Heimat für ihre erstaunliche Kurzprosa und ihren fulminanten Debütband "Niederungen" (1982): 1981 den Adam-Müller-Guttenbrunn-Förderpreis des Temeswarer Literaturkreises, 1982 den Literaturpreis des VKJ und Debütpreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes. Es folgten dann  bis zu ihrer Aussiedlung 1987 zwei weitere deutsche Literaturpreise für diesen Debütband wie der Aspekte- und der Rauriser Literaturpreis (1984 bzw. 1985) und zudem der Richarda-Huch-Preis (1987). In den folgenden Jahren wurde sie fast jährlich mit einem oder mehreren Preisen ausgezeichnet. Hier außer dem Nobelpreis für Literatur (2009) einige bedeutende deutsche und internationale Preise: International IMPAC Dublin Literary Award (1998), Franz Kafka-Preis (1999), Joseph Breitbach-Preis (2003), Berliner Literaturpreis, Würth-Preis für Europäische Literatur und Walter-Hasenclever Literaturpreis (2006), Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (2012). Schon seit 1995 ist Herta Müller Mitglied der Deutschen Akademie.

Kommentare zu diesem Artikel

FranzB, 14.05 2018, 14:12
betr.: Schreiben an DNB (Deutsche Nationalbibliothek) und PEN-Ausland

Sehr geehrte Damen und Herren,
Organisatoren des Ovid-Preises,

muss Ihnen gestehen, dass ich sehr erstaunt darüber bin, dass der Ovid-Preis in diesem Jahr an Herta Müller vergeben wird. Was mich daran stört? Warum heißt das „Ovid-Preis“, hieß der gute Mann nicht „Ovidius“? Wurde er eigentlich gefragt, ob sein Name eingedeutscht werden darf? (Die Ungarn und Rumänen haben die Namen der Banater Schwaben – und Herta Müller gehört auch zu diesem deutschen Volksstamm – auch magyarisiert und rumänisiert, ohne die Menschen zu fragen, ob sie das wollen oder wünschen. So ist auch der Vorname Herta aus dem Rumänischen geblieben, obwohl man bei der Einreise nach Deutschland diesen orthographisch richtig – Hertha – hätte abändern lassen können.)

Auch die Aussage „verleiht das PEN-Zentrum deutschsprachigen Autoren im Ausland“ stört mich ein wenig. Ich finde Herta Müller ist keine Autorin aus dem Ausland. Sie ist zwar in Rumänien geboren, deswegen aber keine Rumänin, denn in ihrer gesamten Vorfahrensriege befindet sich kein einziger Rumäne oder Individuum einer anderen Nation. Der römische Dichter Ovidius (Publius Ovidius Naso) wurde tatsächlich nach Tomis (heute Constanţa / Rumänien) verbannt. Aber ob es wegen seines literarischen Schaffens war oder nicht, das ist eigentlich „ein wenig umstritten“.

Und was hat Herta Müller damit zu tun? Sie wird für ihr Lebenswerk ausgezeichnet, weil sie wegen ihres literarischen Schaffens ins Exil verbannt wurde? Wenn man schon Herta Müller mit irgendwelchen literarischen Preisen beehren will, dann müsste man sich etwas anderes einfallen lassen. Aber was? Dissidentin, Bürgerrechtlerin und Oppositionelle im kommunistischen Regime Ceauşescus oder gar eine Sprachmagierin – was in „meiner Sprache“ eigentlich Lügnerin bedeutet. Herta Müller belügt die deutsche Öffentlichkeit seit mehr als 30 Jahren, bzw. in den deutschen Medien werden Lügen über Herta Müller „am laufenden Band“ produziert, sei es aus Unwissenheit, oder ist es volle Absicht (bezahlte Doktoren, bezahlte Journalisten oder bestellte Wikipedia-Einträge, die man nicht korrigieren kann/darf, auch wenn sie falsch sind, sind ja heute keine Seltenheit mehr). [...] Es folgt eine Aufzählung von fiktionalen Behauptungen (im Volksmund: Lügen) aus deutschen Medien (ab 2009, dem Nobelpreisjahr) über den (selbsterfundenen) Lebenslauf von Herta Müller.

Alle literarischen Werke, die eine Kritik an rumänischen Kommunisten enthalten, entstanden nach März 1987. Das war der Zeitpunkt als Herta Müller und ihr zweiter Ex in Deutschland als Spätaussiedler (für sie wurde auch ein Freikaufpreis gezahlt) ankamen. Und da sehe ich auch nichts mehr von einem „erzwungenen“ Exil! Und erst recht NICHT für IHRE LITERARISCHEN Werke. Also finde ich den OVID-PREIS für Herta Müller NICHT gerechtfertigt! [...]

Gehört die „Atemschaukel“, das Nobelpreiswerk, auch zu ihren Werken? NEIN!
Die „Atemschaukel“ ist das Werk von Oskar Pastior – er erzählte und sie schrieb mehre Hefte voll (siehe Seite 299). Obwohl das JEDER LESEN kann, gab es TROTZDEM einen Nobelpreis?...
FranzB, 14.05 2018, 13:46
ZUR ALLGEMEINEN INFO betr. HAV: Meine nichtveröffentlichten Kommentare auf der (HAV) Hamburger Autorenvereinigungsseite (Warum „DARF“ man das nicht veröffentlichen? Ist etwas falsch daran? Dann bitte was?)
MEIN KOMMENTAR: 02.11.2014
Herta Müller hatte eine "mutige Stimme gegen die kommunistische Diktatur in Rumänien". Ich (Banater Schwabe aus Triebswetter) weiß, dass sie 1983 für ihren Schmutzroman "Niederungen" über Banater Schwaben einen PREIS von DIESER Diktatur erhalten hat. Und das Zitat: "ihre Stimme für Freiheit und Grundrechte erheben", klingt wie Hohn und Spott in meinen Ohren, wenn NIE ein Kritiker IHRER WERKE gehört oder gedruckt wird. Und nicht zuletzt: "wenn sich vor unserer Haustür Zustände auftürmen, welche die sicher geglaubten Errungenschaften unserer Zivilisation bedrohen" dann sehe ich DIESE PREISVERGABE als einen TEIL einer solchen BEDROHUNG!!! Kritiker müssen schweigen! Hoch lebe Lug, Betrug und Heuchelei! Was unterscheidet uns noch von Ceausescu und Honecker?
Zitat von Einstein: "Die Welt wird nicht vom Bösen bedroht, sondern von jenen, die das Böse zulassen". Und wie recht er hat, betrachtet man die Preisverleiher in ihrer Gesamtzahl, die ihr Tun und Handeln mit allen Mitteln vertuschen wollen, mit voller Unterstützung unserer angeblich FREIEN MEDIEN. Wer kommt das nächste Mal dran? Catalin Dorian Florescu, der die Banater Schwaben noch ein Stück weiter in den Dreck zieht, nicht davor zurückschreckt, REELLE Namen zu verwenden und auch noch das Antlitz von Toten beschmutzt? Und so passt dann der Satz ganz genau: "wenn sich vor unserer Haustür Zustände auftürmen, welche die sicher geglaubten Errungenschaften unserer Zivilisation bedrohen". MfG.
Peter, 13.05 2018, 14:05
@Peter – um Missverständnissen vorzubeugen, sollten Sie ihre Kommentare unter einem anderen Namen veröffentlichen.
Peter, 10.05 2018, 11:24
2014 erhielt sie im Festsaal des Hamburger Rathauses den Hannelore-Greve-Literaturpreis der Hamburger Autorenvereinigung. Gastgeber der Erste Bürgermeister Olaf Scholz. Dieser Preis war der Beginn einer dann raschen Abfolge weiterer Preise.

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