Pappbrille: billig und schick

Designer Cantemir Gheorghiu brachte Modeaccessoire nach Temeswar

Mittwoch, 24. April 2013

Workshop im Zai-Apres-Café: Cantemir Gheorghiu erklärt der Kulturassistentin am Französischen Institut, Ingrid Diac, wie die Pappbrille gemacht wird.

Der Grafik-Designer Cantemir Gheorghiu stellte in Temeswar seine Erfindung, die Pappbrille, vor. Fotos: Zoltán Pázmány

Eine Brille, die niemand braucht, doch alle haben wollen: Diese entwarf der Grafik-Designer Cantemir Gheorghiu (30) vor ungefähr drei Jahren in Berlin. Ohne auch nur einen Augenblick daran zu denken, dass sich aus einem einfachen Gag eine Mode-Erscheinung entwickelt, die ganz Europa erobern wird. Heute ist der in Bukarest geborene und im Alter von acht Jahren nach Deutschland ausgewanderte Cantemir Gheorghiu berühmt. Sein Produkt, die Pappbrille, verkauft sich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern der Welt, wie Kanada oder Japan. Den Erfinder der Pappbrille lernten vergangene Woche auch die Temeswarer kennen, als anlässlich des Cafékultour-Festivals der Designer Cantemir Gheorghiu nach Temeswar/Timişoara reiste und im Zai-Café einen Workshop zur Herstellung der Pappbrille leitete.

„Die Pappbrille hat keine Gläser und das macht sie extrem leicht und preiswert. Sie wird dadurch auch zum besonderen sinnlosen Accessoire. Sinnlosigkeit ist einer der wichtigen Aspekte der Pappbrille und wir versuchen, das auch weiterhin zu promoten“, sagt Cantemir Gheorghiu, der sich den Erfolg der Pappbrille nie erträumt hätte. Im Sommer 2010 ging Cantemir Gheorghiu in einen Berliner Club. Auf der Nase, die von ihm kreierte Pappbrille – als Ironie an die hässliche Hornbrille gedacht, die damals alle trugen, um mit der Mode Schritt zu halten. Mit seiner Pappbrille fiel Cantemir positiv auf. Die Menschen schienen freundlicher zu sein und das Mädchen an der Bar spendete ihm sogar einen Drink – einzig und allein die Pappbrille wollte sie dafür haben. Alle wünschten sich die unnötigen Brillen ohne Gläser, so dass sich Cantemir Gheorghiu an die Arbeit machte. Er bastelte lustige Brillen aus Pappe, bemalte und beklebte sie mit bunten Stoffen und verkaufte sie zuerst auf einem Flohmarkt in Berlin. Das Geschäft lief so gut, dass sich Cantemir einen Onlineshop einrichten ließ. „Die Brille wird als Werbeträger genutzt. Ich wurde von Werbeagenturen, Stadions, Messeveranstaltern und anderen Firmen gebeten, große Auflagen zu produzieren. So entwickelte sich das Geschäft“, sagt Cantemir Gheorghiu. Zur Zeit gibt es drei Kategorien von Kunden, die sich für die Pappbrille interessieren.

Die einfachen Kunden bestellen die Pappbrille online für verschiedene Events und Partys. Die Pappbrille wird aber auch im Einzelhandel verkauft. In diese Kategorie fallen Optiker, Modeboutiquen und Geschenkartikelläden. Zur dritten Kundenkategorie gehören die Werbeagenturen und großen Konzerne, die die Pappbrillen in Großauflagen für bestimmte Festivals und Ereignisse produzieren lassen. „Die Brille ist für Jung und Alt. Man kann sie sogar über die normalen Sehbrillen oder über richtige Sonnenbrillen rüberziehen. Dann hat man diesen knalligen Rand, der mit Logos und Slogans bedruckt ist, und man fällt damit total auf“, sagt Cantemir Gheorghiu. Die Preise der Pappbrillen beginnen bei 1,90 Euro und reichen bis zu 8,95 Euro. „Die Pappbrille ist ein Krisenprodukt“, sagt Cantemir Gheorghiu. Zu den neuen Produkten aus Pappe zählen Fliegen, Taschen und Sonnenbrillen.

Ob Cantemirs Geschäftsidee in Rumänien Erfolg gehabt hätte, das weiß der junge Designer nicht. Allerdings gingen nach einem Auftritt im rumänischen Fernsehen auch einige Bestellungen aus Rumänien bei ihm ein, verrät Cantemir Gheorghiu. In Temeswar lud der Erfinder der Pappbrille zu einer Werkstatt ein, die von den Café-Gästen positiv aufgenommen wurde. Nach Hause gingen die Teilnehmer nicht nur mit der selbstgebastelten Pappbrille auf der Nase, sondern auch mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

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