Partnerschaft für ein erstes Kunstkino

Absichtserklärung in Temeswar unterschrieben

Dienstag, 19. Juni 2018

Das Kunstkino soll im ehemaligen Studio-Kino (im Bild) oder im Timiș-Kino eingerichtet werden.
Foto: Zoltán Pázmány

Das Temeswarer Bürgermeisteramt, die französische Versicherungsgesellschaft Groupama, das Französische Institut in Rumänien sowie die Temeswarer Fördervereine Pelicula Culturală, Marele Ecran, Documentor und der rumänische Verein des unabhängigen Filmes unterschrieben Anfang Juni eine Absichtserklärung zur Einrichtung eines ersten Kunstkinos in Temeswar. Dieses soll demnächst unter der Schirmherrschaft des Europa-Cinemas-Netzwerks als Art-House eingerichtet werden und dabei den europäischen, rumänischen oder Autorenfilm fördern sowie ein Umschlagplatz für Bildung im Bereich des Filmes und u. a. auch ein Begegnungsort für Filmproduzenten, Kameraleute, Tontechniker, Fotografen, Szenografen und Filmbegeisterte sein.

Noch steht nicht genau fest, welches Gebäude das künftige Kunstkino beherbergen wird. Die Entscheidung soll zwischen dem Studio- und dem Timiș-Kino (beide in der Temeswarer Innenstadt) fallen. „Wir warten schon seit Jahren darauf, dass diese sanierungsbedürftigen Kinos wiederbelebt werden. Obwohl beide Kinos dafür geeignet sind, befindet sich das Timiș-Kino in einem besseren Zustand als das Studio-Kino und ist auch viel größer“, sagt Nicoleta Ciocov, stellvertretende Vorsitzende des Pelicula-Culturală-Vereins und Mitveranstalterin des „Ceau, Cinema!“-Filmfestivals.

Das Timiș-Kino am Opernplatz wurde Anfang des Jahres komplett geschlossen. Bis vor Kurzem wurden hier noch gelegentlich Filme gezeigt und einige Filmfestivals hatten in den vergangenen Jahren in diesen Räumen auch ihren Austragungsort – unter anderen das Kurzfilmfestival „Timishort“ und „Ceau, Cinema!“ Das Studio-Kino in der Lenau-Straße ist jedoch seit mehreren Jahren sanierungsbedürftig. Die Entscheidung für den Raum soll demnächst in einer Kommunalratssitzung gefällt werden, ließ auch der Bürgermeister von Temeswar, Nicolae Robu, wissen.
Anwesend bei der Unterschreibung der Absichtserklärung waren auch der Temeswarer Vizebürgermeister Dan Diaconu, der Generaldirektor von Groupama in Rumänien, François Coste, Christophe Gigaudaut, Leiter des Französischen Instituts in Rumänien und Kooperationsberater für Kulturtätigkeiten der französischen Botschaft in Bukarest, Cyrille Fierobe, Leiter des Französischen Instituts in Temeswar, sowie die Vertreter der Temeswarer Vereine, Nicoleta Ciocov (Pelicula Culturală), Richard Marius Ilie (Marele Ecran), Florin Iepan (Documentor), Cristina Docea als Vertreterin des rumänischen Vereins des unabhängigen Films und des TimiShort-Festivals.

Der erste Schritt hinsichtlich der Einrichtung eines modernen Kinohauses in der Bega-Stadt war die Unterschreibung der Absichtserklärung; demnächst soll noch ein detailliertes Partnerschaftsprotokoll unterzeichnet werden. Die Machbarkeits- und Architekturstudie wird von Groupama finanziert, dann wird die technische Dokumentation des Projekts der Stadt gespendet. „Auch wenn die Machbarkeitsstudie von Groupama getragen wird, ist die Gesellschaft bloß ein Partner in diesem Projekt. Die Lokalbehörden müssen sich also engagieren, das Projekt zu unterstützen. Durch ein künftiges Partnerschaftsprotokoll wird festgelegt, welche Befugnisse jeder Partner haben wird“, sagte Christophe Gigaudaut der Presse gegenüber.

Das vorläufige Projekt sieht vor, dass das Filmhaus auch einen Ausstellungsraum, ein Kinocafé und einen Kinoladen haben wird. „Ich stelle mir vor, hier auch einen Werkstattraum für Laien im Bereich des Filmemachens einzurichten, wo man Apparatur und Ausstattung leihen, aber auch Bildungskurse im Bereich Kinematografie für Kinder und Jugendliche organisieren kann. Kurz zusammengefasst, wird dieser Ort mehr als nur ein Kinosaal sein, hier soll im wahren Sinne des Wortes ein Filmhaus entstehen“, sagt der Temeswarer Filmregisseur und Vorsitzende des Documentor-Vereins, Florin Iepan.

Wenn das Kinohaus fertig eingerichtet ist, wird auch ein Kulturzentrum gegründet, das dem Temeswarer Bürgermeisteramt unterstellt wird. Dieses wird sich um die Verwaltung des Hauses kümmern. „Nicht nur die Vereine, die heute anwesend sind, werden hier Events veranstalten und den Raum benutzen können. Jeder, der einen Antrag stellt und eine Veranstaltung mit Filmen in die Wege leiten will, kann dies aufgrund einer Planung machen“, erklärt Florin Iepan.

Das Temeswarer Kunstkino wird bestimmt Austragungsort vieler Filmfestivals sein, unter anderen auch derjenigen, die vom Französischen Institut in Rumänien organsiert werden, darunter das Französische Filmfestival, das Ultrakurzfilm-Festival „Trés courts“ und das Festival der Filmkomödie. Bisher hatten diese Festivals unterschiedliche Veranstaltungsorte in Temeswar: das Kulturzentrum „Ambasada“, die Aula-Magna der West-Universität, die Aula der Zentralbibliothek „Eugen Todoran“ der West-Universität, der Capitol-Sommergarten u. a. „Die Tätigkeit des Französischen Instituts in Rumänien ist sehr komplex und besteht aus vielen Bereichen, jedoch widmen wir eine besondere Aufmerksamkeit dem Film. Nach der Auslastung des Elvira-Popesco-Kinos in Bukarest engagieren wir uns nun für die Einrichtung eines ersten Kunstkinos in Temeswar – dies ist eine Premiere für uns in Rumänien“, unterstrich Christophe Gigaudaut in Temeswar.

Der tatsächliche Bau des Kunstkinos soll aber erst im kommenden Jahr starten. Noch steht die notwendige Summe für die Einrichtung des Kinohauses in Temeswar nicht fest. „Eine symbolische Grundsteinlegung für den Bau des Kinohauses wird innerhalb der Konsultationen Frankreich-Rumänien, 22. April – 14. Juli 2019, organisiert. Die Einweihung des Kinos soll noch vor dem Kulturhauptstadtjahr 2021 geschehen“, betonte der Temeswarer Bürgermeister Nicolae Robu.

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