Passionszeit – die Zeit der Buße und des Fastens

Katholiken essen fleischlos an den Freitagen in der Fastenzeit

Mittwoch, 20. Februar 2013

Den gewöhnlichen Kartoffelsalat kann man mit Schnittlauch bestreuen.

Die Zubereitung von Schupfnudeln kann etwa 45 Minuten dauern.

Kartoffelpuffer ist ein beliebiges Dessert in der Fastenzeit.

Pfannkuchen werden gewöhnlich mit Marmelade bestrichen und zusammengerollt. Ab und zu gehören sie aber – in dünne Streifen geschnitten - in die Gemüsesuppe oder auch in Fleischbrühe. Fotos: flickr.com

Knapp eine Woche ist es her, seitdem bei den römisch-katholischen Gläubigen die vorösterliche Fastenzeit begonnen hat. Die 40-tägige Passionzeit ist eine Zeit der Buße und des Fastens, die mit dem Aschermittwoch startet und am Karfreitag endet. Dieser Fastenzeit, die heutzutage nicht mehr so streng eingehalten wird, wurde früher große Bedeutung beigemessen.

„In der Urkirche und auch im Mittelalter waren die Vorschriften noch sehr streng. In dieser Zeit aß man kein Fleisch. Seit dem Konzil von Trento – das ist mehr als 400 Jahre her – sind nur die Freitage verpflichtend und werden als fleischlos gehalten“, sagt Johann Dirschl, Generalvikar der römisch-katholischen Kirche in Temeswar/Timişoara. Sollte man unterwegs sein, habe man schwere Arbeit zu verrichten oder sei man krank und müsse deswegen unbedingt Fleisch essen, so könne man die Fastenzeit auch anders – individuell - gestalten. „Man kann ein gutes Werk tun oder Almosen verteilen“, erklärt Generalvikar Dirschl. Den Gläubigen wurde also mehr Freiheit, aber somit auch mehr Verantwortung gegeben, weiß Generalvikar Dirschl. Die meisten Gläubigen entscheiden sich trotzdem, mindestens an den Freitagen in der Fastenzeit fleischlos zu essen.

„In der Fastenzeit, die bekanntlich im Vorfrühling beginnt, hat die Hausfrau nicht so viele Zutaten zur Verfügung. Man muss das benützen, was man eben im Haus hat, wie zum Beispiel trockene Bohnen, Kraut oder Kartoffeln“, sagt Alexandrina Paul, Leiterin der Temeswarer Volkshochschule und langjährige Fernsehköchin. Sie bereitet gern Gerichte aus Kartoffeln zu, denn diese seien gesund und würden auch gut schmecken. Kartoffelsalat mit oder ohne Joghurt, aber auch Kartoffelpuffer gehören laut Alexandrina Paul in der Fastenzeit dazu. Die 25jährige Temeswarerin Ingrid Predan, derzeit Fernsehköchin des Bukarester deutschen Fernsehens, kocht auch zu Hause gern. Sie kennt jede Menge fleischlose Rezepte, am liebsten aber kocht sie Schupfnudeln – sowie eine Spezialität, die bei vielen die verdutzt gehoben Augenbraue hervorlocken könnte: Gemüsesuppe mit Pfannkuchen.

„Um 1950, als ich Kind war, gab es in der Fastenzeit erstmals im Lebensmittelladen Speiseöl zu kaufen. Ansonsten wurde mit Schmalz gekocht. Vor Aschermittwoch wurden alle Töpfe und Pfannen mit Asche ausgerieben, damit dieser Schmalzansatz von den Töpfen verschwindet“, erinnert sich die Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Temeswar, Helen Alba. Gefastet wurde früher definitiv anders als heute. „Es gab viel Pellkartoffeln, also Kartoffeln im Ofen, oder in der Schale gekochte Kartoffeln. In dem Speiseöl wurde Knoblauch geröstet und über diese Kartoffeln getan. Dazu wurde Sauerkraut aus dem Keller gegessen“, sagt Helen Alba. Auch viele Mehlgerichte wurden zubereitet. Unter anderen gab es Mohn- oder Nussnudeln auf den Tischen der Banater Schwaben – allerdings wurden diese in der Fastenzeit nicht abgeschmelzt.

Die katholische Kirche schreibt während der Fastenzeit lediglich den Verzicht auf Fleisch vor. Auf einen Aspekt möchte der römisch-katholische Generalvikar Dirschl noch hinweisen. „Grundsätzlich gilt, dass man an den Fastentagen nicht schlemmen und eher zurückhaltend essen soll“, erklärt der Geistliche. Denn sich mit vegetarischen Gerichten satt essen, bedeutet noch lange nicht, dass man fleischlos gegessen und somit auch gefastet hat.

Rezepte für die Fastenzeit

Kartoffeln gehörten bei den Banater Schwaben zu den Hauptnahrungsmitteln und können auch an den fleischlosen Fastentagen in unterschiedlicher Zubereitung verzehrt werden. Alexandrina Paul und Ingrid Predan haben für die BZ einige Gerichte mit und ohne Kartoffeln ausgesucht, die in der Fastenzeit bedenkenlos gegessen werden können.

Gewöhnlicher Kartoffelsalat

Zutaten: 1 kg Kartoffeln, 4 Esslöffel Öl, eine halbe Zwiebel, Essig, grüne Paprikaschoten, Radieschen und Tomaten.

Für Kartoffelsalate benützt man am besten Rosenkartoffeln.

Die Kartoffeln werden in Salzwasser weich gekocht, geschält und noch warm in dünne Scheiben geschnitten, etwas gesalzen, mit Öl beträufelt, geriebene Zwiebel und milder, leicht gesüßter Essig dazugetan. Der Salat soll nur so viel Flüssigkeit haben, dass er knapp davon bedeckt wird. Er wird mit grünen oder roten Paprikaschoten, Radieschen und Tomaten gemischt. Er kann auch mit fein geschnittenem Schnittlauch oder mit grüner Petersilie bestreut werden.

Kartoffelpuffer

Zutaten: 500 g Kartoffeln, 2 Eier, 50 g Mehl, 200 ml Öl, 3 Esslöffel Semmelbrösel

Die festgekochten Kartoffeln schälen, waschen und passieren, mit den Eiern, Salz und dem Mehl mischen. 200 ml Öl in einer großen Pfanne erhitzen. Aus der Masse kleine, runde Puffer formen, in Mehl wenden und nach Belieben auch in gesprudeltem Ei und Selmmelbröseln. Bei mittlerer Hitze auf jeder Seite 5-7 Minuten goldbraun backen. Eventuell etwas Öl nachgießen. Auf Küchenpapier abtropfen lassen. Mit Kompott, Zucker und Zimt sowie mit Marmelade servieren.

Kräuterschupfnudeln

Zutaten für zwei Portionen: 750 g Kartoffeln, 50 g Mehl, 30 g Speisestärke, ein kleines Ei, Salz, Pfeffer und Muskat, 50 g Öl, ein Esslöffel gehackte Petersilie, 1 Teelöffel gerebelter Majoran.

Die Kartoffeln waschen und 20 Minuten garen, abkühlen lassen, pellen und durch die Presse drücken. Dann mit Mehl, Speisestärke und Ei zu einem Teig kneten, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Als nächstes muss man den Teig auf einer Fläche zu einer Rolle formen, in gleichmäßige Scheiben schneiden und zu kleinfingerdicken, an den Enden spitz zulaufenden Nudeln drehen. Diese muss man 15 Minuten trocknen lassen, in siedendem Wasser garen, bis sie aufsteigen, kalt spülen, abtropfen lassen und zuletzt in heißem Öl goldbraun braten und mit Petersilie und Majoran bestreuen.  

Gemüsesuppe mit Pfannkuchen

Zutaten: 2 Eier, 100 g Mehl, 125 ml Milch, 2 Möhren, 1 Lauch, 1 rote Paprikaschote, 1 Esslöffel Öl, 1,20 Liter Gemüsebrühe, etwas Salz, Pfeffer und Öl zum Braten.

Eier mit Mehl glatt rühren, dann die Milch einrühren. Teig salzen und 15 Minuten quellen lassen. Inzwischen Möhren putzen und schälen. Lauch abbrausen, putzen. Beides in Scheiben teilen. Paprikaschote längs halbieren, putzen, entkernen, abbrausen und in schmale Streifen schneiden. Öl in einem Topf erhitzen und Lauch und Möhren darin kurz andünsten. Brühe angießen und alles 10 Minuten köcheln lassen. Salzen und pfeffern. In der Zwischenzeit in einer beschichteten Pfanne etwas Öl erhitzen und darin aus dem Teig nacheinander dünne Pfannkuchen backen, etwas abkühlen lassen. Pfannkuchen in dünne Streifen teilen (in Österreich nennt man sie „Frittaten“), in die Suppe geben, kurz darin anwärmen. 

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