Patienten mit schweren Nierenleiden erhalten künstliche Blutwäsche

Deutsches Unternehmen eröffnet neues Dialyse-Zentrum in Lugosch

Mittwoch, 23. November 2016

B.Braun Avitum eröffnet nächste Woche in Lugosch ein neues Dialysezentrum. Im Bild: das Temeswarer Braun-Zentrum
Foto: Zoltán Pázmány

Mit der Dialyse leben – das müssen Millionen von Menschen mit schweren Nierenerkrankungen auf der ganzen Welt, bei denen die Nieren selbst nicht mehr ihre Reinigungsfunktion wahrnehmen. Dabei geht es um die künstliche Blutwäsche, die mehrmals pro Woche notwendig ist. In Rumänien verfügen die Patienten über kostenlose Behandlung in den staatlichen als auch in den privaten Zentren. Die Kosten dieser Art der Behandlung werden vollständig von der rumänischen Krankenkasse getragen.

„Die Dialyse verändert das ganze Leben eines Patienten“, erklärt Sebastian De Lazzero, Marketing Manager beim Dialysezentrum B.Braun Avitum Rumänien. „Somit müssen wir dazu beitragen, dass sie hier eine angenehme und warme, sogar eine familiäre Stimmung wiederfinden“, setzt der Manager fort. Und diese Behandlung verändert tatsächlich das Leben des Patienten, denn viele müssen ihr ganzes Leben lang mit der Maschine zurechtkommen, die dreimal pro Woche die Funktion der Nieren übernimmt und das Blut des Kranken „wäscht“.

B.Braun Avitum ist für Hunderte von rumänischen Patienten, die in den zehn Dialysezentren betreut werden, das zweite Zuhause geworden. Das hat auch Viorel Dumitru zu schätzen gelernt. Der 64-Jährige fährt drei Mal pro Woche in die Klinik in Temeswar, um sich behandeln zu lassen. Dann ist er bis zu vier Stunden mit dem Gerät verbunden, während sein Blut gewaschen wird. „Immer montags, mittwochs und freitags“, erzählt der Mann. „Ich bin Rentner, aber nehme das feste Programm wie einen Arbeitsplatz wahr“, sagt der Mann, der vor mehreren Jahren mit einer Nierenerkrankung diagnostiziert wurde. Seit drei Jahren wird der Temeswarer mit Hämodialyse behandelt.

Die Patienten, die in die Klinik kommen, leiden an Nierenerkrankungen, die oft durch verschiedene andere Krankheiten hervorgerufen wurden. „Die geschädigte Niere birgt ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Oana Schiller, Fachärztin und Leiterin des Temeswarer Dialysezentrums. Deshalb ist Prävention nötig, unterstreicht die Fachärztin. Die Rumänische Gesellschaft für Nephrologie macht darauf aufmerksam, dass die meisten Nierenschädigungen durch andere Erkrankungen verursacht werden, vor allem durch Diabetes, Bluthochdruck und Autoimmunerkrankungen sowie durch einige Medikamente, vor allem Schmerzmittel. In vielen Fällen wird die eingeschränkte Nierenleistung nicht sofort erkannt, denn sie zeigt keine Symptome und die Betroffenen sind meist beschwerdefrei. „Aufgrund all dieser Krankheiten und anderer Begleiterkrankungen der Patienten müssen die Ärzte eng zusammenarbeiten“, setzt Nephrologin Oana Schiller fort. 

Das ist auch der Fall von Viorel Dumitru. Diabetes und Bluthochdruck haben bei ihm die Niereninsuffizienz verursacht. Der Mann hat gerade die Dialyse für diesen Tag hinter sich. Er ist infolge der Behandlung erschöpft und kann es kaum erwarten, sich zu Hause erst einmal auszuruhen. Bei einer Nierenerkrankung, die zu weit fortgeschritten ist, sind Dialyse oder Transplantation die besten Behandlungsverfahren mit den besten Überlebenschancen. Eine Transplantation kommt bei Viorel Dumitru nicht mehr in Frage. Der Mann hat viele andere Begleiterkrankungen, die aus ihm kein passender Kandidat für eine Nierentransplantation machen. Die Dialysebehandlung ist oft, wie im Falle von Viorel Dumitru, eine Dauertherapie. Die Behandlung ist nicht nur eine Übergangsbehandlung für die Zeit bis zur Transplantation, denn auch wenn sich die meisten Patienten eine neue Niere wünschen, so ist das oft vergeblich.  

Somit müssen die Patienten dreimal pro Woche an die künstliche Niere. Dabei wird vier bis fünf Stunden lang Blut aus der Arterie im Unterarm in den Dialysator gepumpt: Hauptbestandteil ist ein Zylinder mit Hunderten von Kapillaren, porösen Kunststoffröhrchen, die von einer Reinigungsflüssigkeit umspült werden, um alle schädlichen Stoffe herauszufiltern. Das „gewaschene“ Blut wird durch die Armvene zurück in den Körper geleitet.

In Rumänien entwickelt sich bereits seit eingen Jahren ein Netz an Dialysezentren, wo chronisch Nierenkranke medizinisch, aber auch psychologisch und sozial betreut werden. „Dies ist eines der besten umgesetzten medizinischen Programme in Rumänien“, lässt Avitum-Marketing Manager Sebastian De Lazzero wissen. B.Braun Avitum ist eines der Zentren für Dialyse, die bereits seit zehn Jahren in Rumänien für Dialysepatienten im Einsatz sind. Innerhalb dieses Programms waren die Patienten auch die ersten Bürger Rumäniens, bei denen die Gesundheitskarte angewandt wurde. Zu den Behandlungsarten, die in den Zentren angeboten werden, zählen Hämodialyse, Hämodiafiltration, Peritonealdialyse und ambulante nephrologische Pflege.

Insgesamt zehn solche Zentren hat das deutsche Unternehmen B.Braun in Rumänien. In Lugosch wird nun ein weiteres Zentrum eröffnet. „Die Anfrage war hoch – hier hatte es auch keine Alternative zur Behandlung im Krankenhaus gegeben. Viele der Patienten wurden nach Temeswar oder sogar nach Reschitza ins Avitum-Zentrum gebracht. Am 1. Dezember wird das Zentrum mit 50 Patienten in Betrieb genommen. Die Gesamtkapazität beträgt 100 Patienten“, sagt Sebastian De Lazzero.

In Westrumänien betreibt B.Braun weitere Nephrologiezentren in Temewar, Arad und Reschitza. Der Nierenkranke darf sich das Zentrum für seine Behandlung auswählen – dies hängt meistens von der Nähe zum Wohnort und dessen alltäglichen Aktivitäten ab. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass der Patient eine Dialyse-Behandlung auch unterwegs, wenn er auf Reisen oder im Urlaub ist, zu bekommen, denn die Zentren arbeiten weltweit zusammen. Auch wenn die Behandlung überall dieselbe ist, können manche Dienstleistungen, wie z.B. der Transport hin und zurück oder der kleine Imbiss während der Behandlung, von einem Land zum anderen verschieden sein. In Rumänien werden die Dialyse-Patienten kostenlos von zu Hause abgeholt und ins Zentrum bzw. anschließend wieder nach Hause gefahren. Auch eine warme Mahlzeit wird ihnen angeboten.

B. Braun Avitum ist seit über 40 Jahren der führende Anbieter für Produkte auf dem Gebiet der Niereninsuffizienz. Darüber hinaus weist das deutsche Unternehmen eine mehr als 25-jährige Erfahrung als Betreiber von Nieren- und Dialysezentren weltweit auf. B.Braun bietet in mehr als 350 dieser weltweiten Zentren Betreuung für Patienten mit chronischen Nierenleiden an. In Westrumänien betreibt B. Braun Medical Melsungen AG auch eine  Produktionsstelle für Infusionslösungen in Temeswar und eine Vertriebshalle in Remetea Mare.

 

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