Pause am Honterushof

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Gemeint ist diesmal nicht eine Pause während des Schulunterrichts am Honteruslyzeum, sondern die Aufschiebung des Projektes zur Gestaltung des Honterushofes um die Schwarze Kirche. Dieser geschichtsträchtige Platz sollte auf Grund eines 2011 preisgekrönten Entwurfs des Architekten Johannes Bertleff und seiner Mitarbeiter renoviert werden. Vor allem dafür wurde der Verein „SOS – Rettet das historische Stadtzentrum“ gegründet mit der evangelischen Honterusgemeinde und dem Bürgermeisteramt Kronstadt als Gründungsmitgliedern. Nach den erforderlichen archäologischen Grabungen (2012 – 2013) sollte dieses Prestige-Projekt starten. Leider musste darauf verzichtet werden, weil das Bürgermeisteramt nicht die Geldmittel für die vorgesehene Investition (rund 9 Millionen Lei) hat. Der Antrag auf eine Finanzierung über die sogenannten „norwegischen Fonds“ wurde vom rumänischen Kulturministerium zurückgewiesen und nun wartet man, ob Bürgermeister George Scripcaru in der Lage ist, eine andere Finanzierungsquelle ausfindig zu machen.

Vom Kirchhof wurden die großen Pflastersteine entfernt und im Hof der Obervorstädter Kirche schön gelagert. Ein dünner schwarzer Belag soll das Einsickern von Regenwasser und Schnee verhindern; dicke, orange Kunststoffröhren in Verlängerung der Regentraufen der Schwarzen Kirche und des Pfarrhauses leiten das Wasser ab. Es sieht nach Improvisation aus – nicht schön, wohl aber nützlich.

An der Mauer gegenüber dem „Blauen Haus“ neben Graffiti-Verunzierungen sind Infos und Abbildungen angebracht über den Kirchhof, denn das soll er bleiben, wie er nach der Umgestaltung da stehen wird. Das Projekt ist zu einer recht schwierigen Herausforderung geworden, die eine öffentlich-private Partnerschaft zu lösen hat. Die Honterusgemeinde hat die ihr zukommende Pflicht getan (manche meinen, das sei bereits zu viel) und den Honterushof zeitweilig zur Verfügung gestellt.

Der Honterushof als zur Schwarzen Kirche gehörend, müsste eigentlich zum Musterbeispiel einer erfolgreichen Zusammenarbeit zur Rettung des historischen Stadtzentrums werden – eine Visitenkarte fürs touristische und multikulturelle Kronstadt, aber auch ein Ort mit dem sich die Honterusgemeinde und die Kronstädter Sachsen stets identifizieren können.

Kommentare zu diesem Artikel

dan, 18.12 2014, 17:25
Die Verschieberitis der Verantwortung auf andere, bzw. das sich nichtverantwortlich fühlen, sind in den letzten fast 80 Jahren in Rumänien Bestandteil der Landeskultur geworden.. Die ev. Kirche Kronstadt macht da keine Ausnahme...
Diese Leute werden die zum Anpacken anregenden Ideen von Herrn Jens nicht verstehen... und weiterhin nichts tun, so wie sie es gelernt haben.... warten, daß andere was tun.
Doch auch wenn andere was tun wollen, ist es fraglich, ob die Leute, die nichts tun wollen, sie was tun lassen...
denn das wäre gegen ihre Denkweise, die tatkräftiges Anpacken nicht zulässt.
Jens, 18.12 2014, 15:26
Tja, schade eigentlich. Ich bin öfter mit Besuch aus D. dort und leider vermittelt der Hof tatsächlich kein gutes Bild.
Aber warum versucht man das Geld nicht über Firmenbeteiligungen einzuholen. Ich als Chef wäre schon interessiert, z.B. eine Gravur auf einem Pflasterstein, die dann ewig dort präsent ist, zu bekommen. Wenn es schon einen Verein gibt kann man das ganze ja auch über tausch realisieren. Also z.B. eine Firma Geiger führt arbeiten aus und bekommt dafür Geiger auf einigen großen Ecksteinen eingraviert. Die Kabel für die Lampen kommen von Top Electro, die Dachrinnen oder Rohre für das Wasser vom Dach von Teraplast, Continetal stellt seine evtl. in der Firma beschäftigten Instandhalter für einige Tage um Steine zu verlegen, usw. Warum sowas nicht auf Privatleuten anbieten, das Paket kostet dann halt z.B. 1000 Euro aber dafür steht der Name dann bis zur nächsten Restauration dort.
Das wäre auch noch etwas zusätzlich was die Reiseführer zu erzählen hätten.
Es ist immer bequem es auf den Bürgermeister zu schieben, dann kann man die Hände in den Schoß legen und hat einen Schuldigen. Aber in so einem Fall kann man eben diesem auch eins auswischen wenn man sich darum kümmert.

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