PDL zieht Konsequenzen aus Wahlfiasko: Parteiführung geschlossen zurückgetreten

Ex-Parteichef Emil Boc steht für ein weiteres Mandat nicht zur Verfügung

Samstag, 16. Juni 2012

Der scheidende Parteichef Emil Boc verkündet seinen Rücktritt. Seine Nachfolge ist derzeit noch offen.
Foto: Agerpres

Bukarest (ADZ) - Die Parteispitze der oppositionellen Liberaldemokraten hat am Donnerstag die Konsequenzen aus ihrem Wahlfiasko gezogen: Nach einer mehrstündigen Sitzung des Ständigen Nationalbüros der PDL habe die gesamte Führungsriege beschlossen, mit sofortiger Wirkung zurückzutreten, teilte der bisherige Parteichef Emil Boc mit.

Als Parteivorsitzender habe er gemeinsam mit dem Leitungskollegium das Wahlergebnis zu verantworten, das eindeutig auf die unpopuläre Sparschiene zurückzuführen sei. Die PDL habe Rumänien aus der Krise geführt, die ergriffenen Sparmaßnahmen seien die richtigen gewesen, selbst wenn man nun den politischen Preis dafür zahlt, so der ehemalige Ministerpräsident.

Da die verschiedenen Parteiflügel sich offensichtlich auf keinen geschäftsführenden Nachfolger für den scheidenden Parteichef einigen konnten, wird Emil Boc die Parteigeschäfte fürs Erste interimistisch weiterführen. Am Sonntag tritt sodann das Leitungskollegium der Partei zusammen, das sich der Frage der neuen Führungsriege widmen soll. Er selbst stehe für ein weiteres Mandat als Parteichef nicht zur Verfügung, erklärte Boc.

Wer im Rennen um den Parteivorsitz antreten könnte, ist zurzeit völlig offen – die liberaldemokratischen Spitzenpolitiker geizten am Donnerstagabend alle mit Erklärungen. Medienspekulationen zufolge stehen Senatschef Vasile Blaga und der vor fünf Wochen über ein Misstrauensvotum gestürzte ehemalige Ministerpräsident Mihai Răzvan Ungureanu in den Karten, letzterer ist allerdings kein Parteimitglied. Auch die frühere Justizministerin und aktuelle Europaabgeordnete Monica Macovei soll als potenzielle Nachfolgerin Emil Bocs ins Gespräch gebracht worden sein.

Die Sitzung des Leitungsgremiums war offenbar von schweren Spannungen geprägt. Aus etlichen der Presse zugespielten Sitzungsprotokollen geht hervor, dass die Fetzen flogen, als die Parteigranden untereinander abrechneten. Unter Beschuss standen dabei neben Emil Boc insbesondere Ex-Entwicklungsministerin Elena Udrea und die Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Roberta Anastase.

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