Persönliche Herausforderung zu gutem Zweck

Viele Menschen wählen Spenden statt Geschenke

Samstag, 29. Dezember 2018

Seit fünf Jahren organisiert MagiCamp, teils aus Spenden, Ferienlager für krebskranke Kinder. Foto: MagiCamp

Durch die jährliche Spendenkampagne „Brasov Heroes“ (Kronstädter Helden) werden Projekte aus der Gemeinschaft unterstützt.

1991, als meine Tante aus Österreich starb, erhielten wir einen Trauerbrief mit der Nachricht und mit der Bitte, statt Blumenkränzen eine Spende an notdürftige Kinder zu machen. Details der Geldüberweisung waren angegeben. Da ich als Kind nur an zwei Beerdigungen teilgenommen hatte, beide orthodox und beide in Kronstadt/Brașov, konnte ich mir nicht vorstellen, wie ein derartiges Ereignis ohne Blumenkränze aussehen wird, wo diese doch in vielen Fällen auch gezählt werden und als Beweis für die Beliebtheit des Verstorbenen stehen sollen.
Damals ging ich noch in die Grundschule und kannte Spenden eigentlich nur in Form von Kleidern, Spielsachen und Süßigkeiten, die wir aus Deutschland oder Österreich bekamen.

Spendenplattformen

Mittlerweile wimmelt das Internet von Spendenaktionen und -kampagnen, die im westlichen Teil Europas sehr beliebt sind. Auch in Rumänien entscheiden sich immer mehr Leute, anderen Gutes zu tun, und implizieren sich dafür finanziell, aber nicht nur.
Dabei geht es nicht nur um die Jacken, Schuhe, Bücher oder Fernseher, die man nicht mehr braucht und in Tüten oder Kartonschachteln jenen weitergibt, die einen Nutzen davon haben, sondern um eine richtige Struktur, die das alles organisiert. Spendenplattformen laden online zum Spenden ein. Ihre Devisen sind jedem Ereignis des Jahres angepasst, sodass zur Weihnachtszeit gerade „Verschenk keinen Plunder, spende für Wunder“ auf der größten derartigen Plattform aus Deutschland, betterplace.org, zu lesen ist. Kindern aus Syrien oder Jemen, Obdachlosen, Binnenflüchtlingen, aber auch misshandelten und gequälten Hunden aus dem asiatischen Hundefleischhandel kann man so helfen.

In Rumänen bietet Galantom.ro seit fünf Jahren eine Plattform zur Geldbeschaffung. Jeder kann einen Zweck, den er unterstützen möchte, dort einschreiben, seinen Bekanntenkreis darüber informieren und versuchen, somit das nötige Geld zu sammeln. Über 2,8 Millionen Lei wurden in diesem Jahr durch die Seite gesammelt, im Vergleich zu knapp 113.000 Lei im Anfangsjahr. 2017 konnte durch ein Projekt der „Hope and Homes for Children“ der Trennung von 28 benachteiligten Familien vorgebeugt werden. Die Hospizstiftung „Hospice Casa Speran]ei“ konnte im vergangenen Jahr durch Galantom genügend Geld sammeln, um 163 palliative Patienten mit unheilbaren Krankheiten zu behandeln. Auch konnten fast 2200 Setzlinge gepflanzt werden.

Persönliche Herausforderungen

Die großen sportlichen Ereignisse, wie der Buka-rester Halbmarathon und Marathon, die eine sehr hohe Teilnehmeranzahl haben, bringen über 60 Prozent aller Spenden auf Galantom.ro ein. Sehr beliebt in letzter Zeit ist auch „Spende deinen Geburtstag“, wo die Geburtstagskinder statt einem Geschenk eine Spende für einen bestimmten Zweck erhalten wollen. Ada Solomon, die erfolgreichste rumänische Filmproduzentin, Dragoș Bucurenci, Aktivist, Journalist und Kommunikationstrainer und -berater, oder Schauspielerin Dana Rogoz beispielsweise feiern ihre Geburtstage durch Spendenaktionen. Sogar die Hochzeit kann man spenden oder einen Monat lang das Rauchen, Autofahren oder Süßigkeitenessen einstellen und das ersparte Geld spenden. Es sind persönliche Herausforderungen, die man für einen guten Zweck überwinden will.

Kinder, Tiere und Natur

In Rumänien wird bei Spendenaktionen für Kranke zweifelsohne das meiste Geld gesammelt. Humanitäre Hilfe, Erziehung und Bildung, Menschenrechte, Gemeinschaftsentwicklung, sowie Umwelt- und Tierschutz finden auch immer wieder Unterstützung, so auch die benachteiligten Kinder aus dem Ferentari-Viertel in Bukarest, die durch Spendenaktionen des Policy Center für Roma und Minderheiten oder dessen Mitarbeiter und Freiwillige dieses Jahr von rund 100 Spendern fast 12.500 Lei für deren alternative Erziehung erhalten haben, knapp 15 Prozent mehr als beantragt.

Wichtige Regeln

Für den Erfolg der Sammlung von Spenden gilt es, wie bei einem Produkt, einige Regeln zu beachten, die das Projekt nicht unter anderen Hunderten untergehen lassen. Das Bild und die Geschichte, die man unterstützt, müssen überzeugend und sichtbar sein und werden dann online und offline verbreitet, mit dem Ziel, so viele Menschen wie möglich über die Aktion zu informieren. Sobald man die Leute gewinnt, ist es wichtig, dass das Spenden einfach geht, am besten per Mouse-Click. Unterstrichen wird immer wieder, dass jede Summe, egal wie klein, zählt.

So auch die Lei, die der 12-jährige David aus Großau/Cristian bei Hermannstadt/Sibiu von seinen Großeltern zum Geburtstag erhalten hat und Behinderten von einem Hilfswerk aus Hermannstadt gespendet hat. Er lernte sie persönlich kennen, bastelte Kerzen mit ihnen, freute sich, dass er zum Wohlbefinden dieser Menschen beitragen konnte. „Wir haben ihn anders erzogen, als die meisten Kinder es sind. Er will kein iPhone, keine Markenkleider, für ihn ist es wichtig zu schenken, zu teilen“ sagt Miruna Gritu, Davids Mutter. Seit Jahren schon spendet David monatlich sein Kindergeld dem Verein seiner Eltern, „Freunde der Störche“, der auf Spenden angewiesen ist.
„Die Zufriedenheit, geholfen zu haben, ist so groß, dass keine Dankbarkeit nötig ist!“ sagt Frau Gritu, die sich seit Jahren für verletzte Störche einsetzt.

Blut – ein Geschenk, das Leben rettet

Viele kleinere Plattformen für Fundraising oder nur Eigeninitiativen, die offline und online, beispiels-weise auf Facebook, verbreitet werden, informieren und sensibilisieren Menschen für andere Leute, für Tiere, Gewässer, Wälder, Gebäude, etc., die Hilfe in diversen Formen, meist Finanzen, benötigen. Auch Blut kann helfen. Deswegen machte der Dokumentarfilmemacher Andrei Dăscălescu Unbekannten aus Piatra Neamț „das vielleicht coolste kostenlose Weihnachtsgeschenk, das sogar Leben retten könnte“: eine Blutspende. Seine Geste ist umso willkommener, wenn man bedenkt, dass in Rumänien akute Not an Blutkonserven herrscht.

Das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, behilflich gewesen zu sein, ist unbeschreiblich, meinen viele Spender, und es ist wahrscheinlich der Hauptgrund für weitere Spenden. Wer es nicht ausprobiert hat, ist eingeladen, bei nächster Gelegenheit statt Wollsocken, Tassen, Topflappen oder Rasiersets, von denen man sowieso genug hat, doch mal was Nützliches zu schenken und ein echtes Lächeln zu bewirken. Eine selbstgebastelte Glückwunschkarte mit der Benachrichtigung über die Unterstützung eines Projekts lässt sicher die Herzen höher schlagen.

 

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