Philharmoniker schweigen auf der Bühne

Protest der Musiker gegen Direktor hält an

Freitag, 14. November 2014

Arad - Das Zerwürfnis zwischen dem Arader Philharmoniedirektor Alin Văcean und einem Großteil seines Ensembles wird immer größer, und der Begriff „Graben“ erhält in der westrumänischen Großstadt eine ganz neue Dimension: Längst ist es nämlich nicht nur der Orchestergraben, der sich in der Arader Philharmonie auftut, sondern zwischen Leitung und Ensemble gibt es eine regelrechte Kluft. Zu einem kuriosen Vorfall ist es in dieser Woche während eines Konzertes in Arad gekommen, nachdem die Musiker aus Protest gleich mehrere Minuten keinen Laut von sich gaben. Das Publikum war verblüfft und viele hatten keine  Erklärung für das Vorgehen der Ensemblemitglieder.

Manch einer der Zuschauer glaubte, die Musiker wollen mit ihrem eingesetzten Schweigen darauf hinweisen, dass absolute Ruhe im Zuschauerraum gefordert ist. Einige wollten auch gewusst haben, dass seit längerem interne Konflikte in der Arader Philharmonie ausgetragen werden und dass die Musiker auf diese Art protestieren. Genau gesagt, war es ein Schweigen, um sich Gehör zu verschaffen. Die Gewerkschaftsmitglieder der Philharmonie wollten mehr Geld aber weniger arbeiten, so erklärt seinerseits Alin Văcean den Konfliktherd zwischen den beiden Parteien, der in der Arader Philharmonie seit geraumer Zeit für Schlagzeilen sorgt.
Wie die ADZ bereits berichtete, hatte der Direktor der Einrichtung verfügt, dass die Musiker ihr individuelles Studium der Partituren in Gruppen und an ihrem Arbeitsplatz absolvieren müssen.

Die Gewerkschaft der Philharmonie findet solche Erwartungen fehl am Platz, ging vor Gericht, die Ensemblemitglieder warteten mit Protestschreiben auf. Bloß vier Räumlichkeiten stehen den 70 Instrumentalisten und Chormitgliedern für ihr Einzelstudium der Musikstücke zur Verfügung. Dabei stören sich die Künstler gegenseitig. Früher konnten sie nach ihren gemeinsamen Proben zu Hause üben – so eine interne Regelung der Philharmonie. Dies wurde ihnen vor einiger Zeit durch eine Anordnung des Leiters der Kultureinrichtung untersagt und die Erklärung des Direktors ist mehr als kurios: Er wolle der Lärmverschmutzung vorbeugen, die gegeben sei, wenn die Musiker zu Hause üben und dabei ihre Nachbarn stören.

Durch die neuen Vorgaben wurden die Arader Philharmoniker gezwungen, notgedrungen auch auf Korridoren und in Umkleideräumen der Philharmonie ihre Partituren abzuspielen, zitierte vor einigen Wochen Mediafax den Gewerkschaftsführer Mihai Dogaru. Sein Stellvertreter, Tiberiu Variaşi, zeigte sich seinerseits entrüstet und behauptete, in 35 Jahren bei der Philharmonie habe er solche Entscheidungen nicht erlebt. Mihai Dogaru sagte, schon aus Zeitgründen könne man für die vielen Musiker keine faire Raumaufteilung vornehmen. Dies sei nicht einmal dann möglich, wenn sich die Musiker entschließen würden, im Turnus ihr individuelles Repertoire durchzuproben.

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