Pioniere des Skisportes in Rumänien

Festschrift des Kronstädter Skivereins aus dem Jahre 1930 in rumänischer Übersetzung

Samstag, 05. März 2016

In der Reihe der Beilagen, die als „Historische Bibliothek Kronstadts“ zusammen mit der Kronstädter Kulturzeitschrift „Astra“ angeboten werden, erschien im Vorjahr, als Nummer fünf, unter dem Titel „Asociaţia Braşoveană de Schi 1905 – 1930“ die rumänische Übersetzung des Jubiläumsbandes „Der Kronstädter Skiverein KSV in den Jahren 1905 bis 1930“. Somit haben die rumänischen Leser die Möglichkeit, sich aus direkter Quelle über die Anfänge des Skisportes in Kronstadt und damit auch im heutigen Rumänien zu informieren.
Der Herausgeber dieser Reihe, der Historiker Nicolae Pepene, verweist in seinem Vorwort auf die Umstände, unter denen am 3. November 1905 in Kronstadt der „Kronstädter Skiverein“ (KSV) von 54 Sachsen aus Kronstadt und Rosenau ins Leben gerufen wurde. Die Anfänge des Skisports in dieser Gegend lagen bereits gute drei Jahrzehnte zurück, denn Skifahren war den meisten Mitgliedern des 1880 in Hermannstadt gegründeten Siebenbürgischen Karpatenvereins (SKV) sowie den Mitgliedern dessen Vorläufers, der „Siebenbürgischen Alpenverein“ (gegründet 1873 in Kronstadt) nicht fremd.

Da das Skilaufen schnell viele Anhänger fand und der ganze Betrieb in einem eigenständigen Verein besser ausgeübt und organisiert werden konnte, kam es zur KSV-Gründung. Die Vereinsgründung selber war eine Premiere in Siebenbürgen, der nun bald andere folgen sollten: die erste eigene Hütte der Skifahrer (1907), die ersten internationalen Skikurse (Zdarsky, 1907), die erste siebenbürgische Ski-Meisterschaft (1909), die erste Sprungschanze und der erste Skisprungwettbewerb (1913). Nach der Vereinigung von 1918 wird Kronstadt und die nähere Umgebung schnell zum Zentrum des jungen rumänischen Wintersportes. Bereits 1921 tritt der KSV der „Comisiunea sporturilor der iarnă“ bei  - ein Vorläufer der nationalen Sportdachverbände. Das wusste das rumänische königliche Haus zu schätzen: Prinz Nicolae – ein großer Förderer des Skis jenseits der Karpaten - schreibt sich in den KSV ein. „Der KSV wirkte in führender Rolle bei allen Premieren des siebenbürgischen und rumänischen Skisports mit“, heißt es im Vorwort.

Der Band enthält in 80 Seiten (die Seitennummerierung entspricht wegen dem geänderten Druckformat nicht der deutschen Originalfestschrift) Berichte der ersten Wintertouren von Eduard Gusbeth und Eduard Copony auf den Schuler (21. November 1857) und von Andreas Berger auf den König-stein und den Butschetsch/Bucegi; Berichte von Julius Teutsch, Walter Dik, Emil von Bömches und Dr. Karl Gust über vom KSV organisierte Ausflüge; Beschreibung des Hüttenlebens, Berichte über Skikurse (mit den ausländischen damals weltbekannten Skilehrern Mathias Zdarsky oder Carl J. Luther) sowie eine Rückschau auf die Erfolge im Skisprung. In einer Zeittafel hat man einen Überblick über Premieren von Winterwanderungen bis zur KSV-Gründung und über die KSV-Tätigkeit in seinen ersten 25 Jahren (bis 1930). Ergänzt wird der von Cristian Sencovici übersetzte Band mit einem umfangreichen Bildanhang mit historischen Schwarzweiß-Fotos zu KSV-Wettbewerben, alten Hütten oder Aufnahmen (hauptsächlich von Karl Lehmann) aus dem Königstein, dem Bucegi oder der Schulerau.

Die Fotos stammen aus den Beständen der Kronstädter Kreisfiliale des Nationalarchivs, der Sammlungen Aristotel Căncescu, Wolfgang Wittstock sowie des Verlags „Suvenir“. Einige von ihnen sind besonders wertvoll, wie z.B. jene, die die Anfang der 1920er Jahre gebaute zweite kleinere KSV-Sprungschanze am Kleinen Hangestein zeigen. Informative Fußnoten des Herausgebers helfen zur Erläuterung von Zusammenhängen oder Personen, die heute, vor allem Nichtkronstädtern, nicht geläufig sein dürften. Der Band versteht sich als eine Würdigung der Verdienste des KSV zur Einführung und Verbreitung des Skifahrens in Siebenbürgen und Rumänien. Gerade heute, wo der Wintersport im Kreis Kronstadt an Bedeutung gewinnt durch die neue Sprungschanze bei Rosenau, den Bau der Eishalle im ehemaligen Tractorul-Park, die Errichtung einer modernen Biathlon-Anlage bei Cheile Grădiştei oder die Erweiterung und Modernisierung der Ski-Infrastruktur in der Schulerau, wird somit an jene erinnert, die am Anfang dieses nun 111 Jahre langen Weges standen – die Siebenbürger Sachsen vom KSV. Der Band kann zum Preis von 10 Lei bei der Kronstädter Kreisbibliothek (Postwiese) gekauft werden.

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