Podiumsdiskussion zur Entwicklung der rumänischen Wirtschaft

Samstag, 06. April 2013

(v. l. n. r.) James Hyslop (EBWE), Lucian Croitoru (BNR), Tonny Lybeck (IWF) und Radu Merica (AHK)
Foto: Christian Binder

Bukarest (ADZ) - Beim monatlichen Treffen der Mitglieder der Deutsch-Rumänischen Industrie- und Handelskammer (AHK) diskutierten am Dienstag, dem 2. April, Tonny Lybeck vom Internationalen Währungsfonds (IWF), James Hyslop von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und Lucian Croitoru von der Nationalbank (BNR) über die derzeitige Lage und zukünftige Entwicklungsaussichten der rumänischen Wirtschaft.
In einem Einführungsvortrag erwähnte Tonny Lybeck, dass die IWF-Programme der letzten Jahre soweit als Erfolg zu werten sind, als dass sie die Wirtschaft sowie die Staatsfinanzen stabilisiert haben, was eine wichtige Basis für zukünftiges Wachstum darstellt. Um zukünftig für Wachstum und mehr Arbeitsplätze zu sorgen – hier unterstricht Lybeck, dass trotz relativ wenig erfassten Arbeitslosen tatsächlich wenig Leute eine Arbeitsstelle haben –, seien vor allem die Heranziehung von nach wie vor zu wenig verwendeten EU-Geldern sowie die Umsetzung von Strukturreformen nötig. Das Wachstumspotenzial der rumänischen Wirtschaft sieht der IWF-Vertreter in den kommenden Jahren bei jährlich 3,5–5 Prozent. Betreffend die Sanierung von Staatsbetrieben erwähnte Lybeck, dass der IWF in erster Linie daran Interessiert sei, diese effizienter zu machen, wobei Privatisierung nur eines von mehreren möglichen Werkzeugen sei; der Verkauf von Aktienmehrheiten gepaart mit schlechten Regulierungsmaßnahmen könnte sogar schlechtere Resultate erbringen.

In der Diskussion wurde vor allem das Problem der Rückstände (Altschulden deren Zahlungsfrist 90 Tage überschritten haben), welche der Staat (Zentral- und Lokalverwaltung sowie Staatsbetriebe) beim Privatsektor hat und eine Bremse für die Gesamtwirtschaft darstellen, unterstrichen. James Hyslop erwähnte, dass ausländische Direktinvestitionen von jährlich 1,5 Milliarden Euro (nach rund 9 Milliarden im Jahr 2008) ein inakzeptabel tiefes Niveau für Rumänien seien; die EBWE würde, um dies zu ändern, fremde Investoren unterstützen. EU-Gelder würden, besonders von Lokalverwaltungen, auch deswegen schwer absorbiert, weil langfristige Co-Finanzierung fehle; die EBWE könnte hier auch unterstützend eingreifen.
Betreffend Vertrauensbildung sagte Lucian Croitoru, dass Vertrauen in die rumänische Wirtschaft zuerst im Privatunternehmenssektor zurückkehren müsse. Es sei auf keine besonders positiven Einflüsse aus dem Ausland zu hoffen und zunächst müssten die Banken in Rumänien ihre Bilanzen in Ordnung bringen. Hyslop fügte dem hinzu, dass auch Haushalte in Rumänien stark verschuldet seien und daher der Konsum auch nicht in absehbarer Zeit anspringen werde.
Moderiert wurde die Diskussion von AHK-Präsident Radu Merica.

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