Im Zeichen einer unsicheren politischen Lage

74 Jahre seit der Russlanddeportation/ Vertreterversammlung des DFDB in Temeswar

Mittwoch, 27. März 2019

Gedenkfeier zum Anlass der 74 Jahre seit der Russlanddeportation: Kranzniederlegung am Denkmal für die Banater Russlanddeportierten vor dem am AMG-Haus in Temeswar.

Die aktuelle politische Rundschau mit dem DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganț.

DFDB-Vorsitzender Johann Fernbach kündigt mehrere Jubiläumsfeiern für 2019 an. Fotos: Zoltán Pázmány

Gestartet wurde die 74. Gedenkfeier zum Anlass der Russlanddeportation am vergangenen Wochenende  mit einer feierlichen Kranzniederlegung im Vorhof des Temeswarer AMG-Hauses am Denkmal der Banater Russlanddeportierten."Der Herr sei mit euch!" Mit diesen biblischen Worten empfing Ignaz Bernhard Fischer, der noch rüstige Vorsitzende des Landesvereins der ehemaligen Russland-deportierten, darauf im Karl-Singer-Festsaal seine noch lebenden Leidensgenossen, zahlreiche Forumsmitglieder aus dem ganzen Banat, Gäste und Ehrengäste zur gemeinsamen Gedenkfeier und zum traditionellen Gottesdienst im Temeswarer Adam-Müller-Guttenbrunn- Haus. Zu den Ehrengästen zählten u.a. Ralf Krautkrämer, der deutsche Konsul in Temeswar, Ovidiu Ganț, Vertreter des DFDR im rumänischen Parlament, Johann Fernbach, Vorsitzender des DFDB, Erwin Josef Țigla und Michael Szellner, stellvertretende Vorsitzende des Banater Regionalforums, Elke Sabiel, die Ehrenvorsitzende des Vereins der ehemaligen Russlanddeportierten. Die 74. Wiederkehr dieser menschenverachtenden Aktion, deren Opfer im Januar 1945 70.000 Männer und Frauen aus den Reihen der deutschen Minderheit in Rumänien war, war erstens Anlass zum Gebet für die wenigen Überlebenden der Aushebungen, der Verschleppungen und der unmenschlichen Zwangsarbeit 1945-1950 in der Ukraine und im Ural. Gerade jetzt, da die Mitgliederzahl des vorgenannten Landesvereins unter 300 gefallen ist - davon leben noch 100 ehemalige Russlanddeportierte im Kreis Temesch, in Temeswar sind es gerade nur mehr 39, davon zehn im Arbeitslager in Russland geboren - laute die Aufforderung von Vereinsvorsitzenden Fischer, hätten alle Faktoren aus Deutschland und Rumänien alles noch Mögliche für die Opfer der Russlandverschleppung zu unternehmen.

"Unsere Banater Ahnen mussten im Laufe der 300 Jahre viel Unheil erleben", betonte I.B. Fischer. "Es ist erwiesen, dass nicht die vielen Naturkatastrophen und Seuchen, die Hungersnot oder die vielen Kriege, vor allem die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert, den Banater Deutschen das meiste Leid gebracht haben. Die grüßten Schrecken und Leiden kamen für die Banater Deutschen nach Kriegsende durch die grausame Verschleppung und die unmenschliche Schwerarbeit bei Hunger und Kälte hinter dem Stacheldraht der sowjetischen Arbeitslager."

Wie auch die aus Deutschland speziell zu dieser Gedenkfeier angereiste Ehrenvorsitzende Elke Sabiel unterstrich, wurde von deutscher und rumänischer Seite, u.a. auch durch die Friedrich-Ebert-Stiftung in unserem Land, nach der Wende Etliches, leider nicht genug, zur Linderung der Leiden der ehemaligen Russlanddeportierten getan. Das, was heute noch für die Überlebenden der Russlanddeportation getan werden könnte, wäre eher symbolisch. Das Gedenken daran, die feste Überzeugung daran, dass nichts vorbei wäre, ergebe jedoch ein wertvolles Fazit, für uns, die Nachkommen eine unvergessliche Mahnung für die Zukunft. "Wir die Nachkommen der Russlanddeportierten", schloss sich auch Erwin Josef Tigla dieser Aufforderung an, "haben heute die Pflicht, das Geschehene nie zu vergessen!"Der DFDB-Vorsitzende Johann Fernbach betonte desgleichen: "Bleiben wir mit der Hoffnung, dass solche grausame, menschenverachtende Ereignisse nie mehr stattfinden können!"Musikalisch untermalt wurde diese Gedenkfeier mit religiösen und bekannten Russlandliedern wie das bei den  ehemaligen Russlanddeportierten beliebte Lied "Tief in Russland bei Stalino", die vom Seniorenchor des DFDT , dem von Arthur Funk geleiteten "Temeswarer Liederkranz" dargeboten wurden.

Das Demokratische Forum der Deutschen im Banat (DFDB) hielt anschließend im Karl-Singer-Festsaal seine jährliche Vertreterversammlung ab. Mit dabei Vorstand und Leitung des Regionalforums aber auch die jeweiligen Vorsitzenden der Banater Lokalforen mit mindestens je einem Vertreter für 50 Forumsmitglieder.  Die Tagesordnung umfasste einen Bericht des DFFDB-Vorsitzenden Johann Fernbach, eine aktuelle politische Rundschau, die Berichte der verschiedener Ressorts, Diskussionen und Verschiedenes. Nach der Eröffnung der Vertreterversammlung mit der Hymne der Banater Schwaben stellte DFDB-Vorsitzender Johann Fernbach die Tätigkeit des Regionalforums im Jahr 2018 vor und führte kurz auch die wichtigsten forumsnahen Ereignisse des Jahres 2019 an. Es sind dies u.a. die traditionellen Heimattage der Banater Deutschen am 15.-16. Juni 2019 in Temeswar, 25 Jahre seit der Eröffnung des AMG-Hauses, 50 Jahre deutsche Volksuni und 50 Jahre seit der ersten Pipatsch-Beilage in der NBZ. Das Banater Regionalforum würde laut Vorsitzenden Fernbach derzeit 1800 zahlende Mitglieder zählen, davon wären allein 1200 Mitglieder aus Temeswar. Johann Fernbach betonte in seiner Rede die derzeit schwierige Situation des Banater und Landesforums, die vor allem der unsicheren politischen Lage im Land zuzuschreiben wäre. Dies war auch das Hauptthema der folgenden von dem DFDR-Abgeordneten vor den DFDB-Mitgliedern dargebotenen politischen Rundschau. Der vor allem von der derzeitigen Regierungskoalition PSD-ALDE verursachte Dauerkonflikt in der rumänischen Gesellschaft, gepaart mit der gezielten Verleumdungskampagne gegen das Forum und die gesamte deutsche Gemeinschaft würden laut Ovidiu Ganț nicht nur die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit verletzen, sondern auch der gesamten deutschen Gemeinschaft und den Beziehungen zu Deutschland und dem zivilisierten Europa starke Schäden zufügen. Der DFDR-Abgeordnete riet den Forumsmitgliedern bei den folgenden Wahlen für die PNL-Kandidaten und für ein neues Präsidialmandat für Klaus Johannis zu stimmen. Es folgten jeweils Kurzberichte von Norbert Hansmann, und Helmut Weinschrott, Geschäftsführer der BVIK Banatia bzw. der AMG-Stiftung, von Dana Bărbulescu. Geschäftsführerin des DFDB, der neuen Leitung des DFBJ und der Zensorenbericht. Im Rahmen der abschließenden Diskussionsrunde unterstrich Annemarie Podlipny-Hehn, Ehrenvorsitzende des deutschen Literaturkreises "Stafette" den aktiven Beitrag und die Tätigkeit der "Stafette" und stellte die letzte Ausgabe des Stafette-Sammelbandes vor.

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