Politisches Handeln ist nicht Zweck, sondern Mittel

Abgeordneter Ovidiu Ganţ hielt Vortrag bei Kulturtagen in Deutschland

Samstag, 13. Oktober 2012

Ovidiu Ganţ bei der Unterzeichnung ins Goldene Buch der Benediktinerabtei Ottobeuren. Foto: privat

„Eine besondere Ehre und Freude“ war für den Abgeordneten des Demokratischen Forums der Deutschen (DFDR), Ovidiu Ganţ, die Teilnahme an den Europäischen Kulturtagen 2012 in Ottobeuren in Deutschland. Vor geladenen Gästen und Offiziellen hielt Ganţ einen Vortrag mit Schwerpunkt auf den deutsch-rumänischen Beziehungen.

Eingeladen wurde der Parlamentarier aus Rumänien vom Vorsitzenden der Stiftung Europäische Kulturtage Ottobeuren, Europaabgeordneter Markus Ferber. „Es ist sozusagen auch ein Gegenbesuch, nachdem Herr Ferber mich bei mir zu Hause in Temeswar, wie auch in Hermannstadt und Bukarest besucht hat“. Dabei gehe es auch um „eine Geste des Respekts und der Anerkennung gegenüber meinem ehemaligen Kollegen im Europäischen Parlament, den ich während meiner Zeit in Brüssel und Straßburg sehr geschätzt habe“. Ferber habe Deutschland, Bayern und seine Wählerschaft immer vorbildlich vertreten und sich dabei stets für die europäische Idee eingesetzt, sagte Ganţ. „Wir waren nicht immer einer Meinung, und haben beispielsweise auch den EU-Integrationsprozess Rumäniens unterschiedlich bewertet. Dabei habe ich die Position von Herrn Ferber, die er stets offen präsentiert hat, und seine auf Argumenten aufgebaute Kritik immer respektiert“.

Für ihn, als Vertreter der deutschen Minderheit in Rumänien, sei es auch eine besondere Aufgabe, die Brückenfunktion zwischen Deutschland und Rumänien wahrzunehmen, die das Demokratische Forum der Deutschen (die politische Vertretung der Rumäniendeutschen) seit seiner Gründung im Dezember 1989 als Hauptziel seiner Beteiligung an der Außenpolitik definiert hat, so Ganţ. „Wir, die Deutschen in Rumänien, sind davon überzeugt, dass wir seit der Revolution, die in meiner Heimatstadt Temeswar angefangen hat, eine stets positive Wirkung auf die bilaterale Beziehung zwischen Deutschland und Rumänien hatten“.

Ovidiu Ganţ setzte fort: „Es erfüllt mich mit Stolz, als Politiker und Vertreter der deutschen Minderheit mein Land – Rumänien – hier zu vertreten. Es ist meine Überzeugung, dass, bedingt durch meine Herkunft aus einer ethnisch gemischten Familie (meine Mutter eine Deutsche, die heutzutage in München lebt, und mein Vater ein Rumäne) ich in der bevorzugten Lage bin, beide Völker – Deutsche und Rumänen – bestens zu verstehen, sowohl bezüglich Unterschiede wie auch, vor allem, der zwischen ihnen bestehenden Gemeinsamkeiten“.

Die deutsche Minderheit in Rumänien sei eine aktive Gemeinschaft, die sich weiterhin für das Wohl aller Mitbürger einsetzt. Es gehe dabei nicht nur um die freundschaftliche Beziehung zwischen Rumänien und Deutschland oder darum, dass Deutschland der wichtigste Handelspartner Rumäniens ist, sondern vor allem um die Verständigung zwischen den Bürgern, um Partnerschaften, Schüleraustausch, um den gemeinsamen christlichen Glauben der Deutschen und Rumänen, wie auch um gemeinsame europäische kulturelle Werte. „Das politische Handeln ist nicht unser Zweck, sondern das Mittel, um die gemeinsame europäische Konstruktion mitzugestalten, natürlich im Rahmen unserer Möglichkeiten“.

Das jahrhundertelange friedliche und tolerante Zusammenleben zwischen Rumänen und Deutschen auf dem Gebiet des heutigen Rumänien wird immer wieder auch in der Gegenwart unter Beweis gestellt. Dies habe mitunter dazu geführt, „dass zum vierten Mal in Folge der Landesvorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Klaus Johannis, mit etwa 80 Prozent der Stimmen zum Oberbürgermeister der Stadt Hermannstadt gewählt wurde. Dabei gehören 15 der 23 Stadträte der deutschen Minderheit an.“ Dazu muss gesagt werden, dass die Siebenbürger Sachsen in Hermannstadt unter ein Prozent der Bevölkerung darstellen. Diese Art und Weise, wie sich die rumänische Mehrheit gegenüber der deutschen Minderheit verhält, stelle auch eine der wichtigsten Erfolgsgeschichten des demokratischen Rumäniens dar. „Wir sind der Ansicht, dass Rumänien nach der Wende eine vorbildliche Minderheitenpolitik geführt hat.“ Als Paradebeispiel für diese interethnische Zusammenarbeit nennt Ganţ die europäische Kulturhauptstadt 2007 in Hermannstadt, die von der Stadtverwaltung, unter der Regie von Klaus Johannis, „hervorragend veranstaltet wurde, zugunsten aller Kulturliebhaber Europas und aller Bürger von Hermannstadt und Rumänien.“

Die äußerst positive Situation der deutschen Gemeinschaft in Rumänien sei, bis auf den demografischen Aspekt, kein Wunder, sondern das Ergebnis objektiver Gegebenheiten.  Der Bereich, der schon immer zu Europa gehörte, war die rumänische Kultur, sagte Ganţ, „egal ob wir über Literatur, bildende Kunst oder Musik sprechen.“ Der Gastredner erinnerte dabei an die deutsche Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller, eine Banater Schwäbin, die in Temeswar gelernt und studiert hat. „Da die Europäischen Kulturtage 2012 von der Musik geprägt sind und wir die besondere Chance haben, dem besten Orchester Rumäniens, dem Bukarester Philharmonieorchester unter der Leitung des Maestro Horia Andreescu zuzuhören, muss ich unbedingt hier in Bayern an eine andere äußerst erfolgreiche deutsch-rumänische musikalische Zusammenarbeit erinnern, nämlich die zwischen den Münchner Philharmonikern und dem vor 100 Jahren geborenen, 1996 leider verstorbenen großen rumänischen Dirigenten Sergiu Celibidache. Der legendäre Maestro leitete die Münchner Philharmoniker 17 Jahre lang und formte sie zu einem der Spitzenorchester der Welt“.

Ganţ erinnerte auch an den nun schon 20. Jahrestag der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien, „welcher eine äußerst positive Bilanz vorweisen kann. Meines Erachtens war Deutschland der wichtigste Unterstützer Rumäniens auf dem Weg der europäischen Integration, schon im Winter 1989 – 1990, also noch bevor dieses Abkommen unterzeichnet wurde“.

Der deutsch-rumänische Grundlagenvertrag sieht vor, dass sich beide Regierungen, die rumänische wie die deutsche, verpflichten, die deutsche Minderheit in Rumänien zu unterstützen. „Dies ist auch erfolgt, sodass wir heute weiterhin über deutschen muttersprachlichen Unterricht, deutschsprachige Medien, deutsche Literatur und Theater, deutsche Musik und deutsches Kulturerbe und Bewahrung deutscher Identität in Rumänien sprechen können. Als deutscher Abgeordneter im rumänischen Parlament möchte ich dafür beiden Regierungen meinen Dank aussprechen“, sagte Ganţ.

Nach dem EU-Beitritt Rumäniens habe sich Rumänien in den großen Fragen der Europapolitik immer an der Seite Deutschlands positioniert. So wurde im rumänischen Parlament das Verfassungsprojekt einstimmig angenommen, der Lissabon-Vertrag mit 99 Prozent der Stimmen ratifiziert ohne irgendwelche Sonderregelungen zu beanspruchen, „wobei andere Mitgliedsstaaten es getan haben, wie auch neuerdings bei der Unterzeichnung und Ratifizierung des Finanzabkommens“. Nicht zuletzt deshalb zeigte sich Ganţ fest davon überzeugt, dass Rumänien auch weiterhin „ein zuverlässiger Partner Deutschlands und der anderen Mitgliedsstaaten auf dem europäischen Weg sein wird.“

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