Post Oil City – keine Visionen, sondern Tatsachen

Eine Ausstellung über Städteplanung und Wandlung

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Anhand eines Kleinmodells wird veranschaulicht wie einfach ein kühlender Luftzug unter den Schirmen eines offenen Platzes in Dubai erhalten wurde: der obere freie Durchgang ist geringer als der untere was eine erhöhte Luftgeschwindigkeit, also auch Kühlung bewirkt.

Martin Edelmann gab uns einige Details vor den Schautafeln des „Wasserfront“-Projektes in New York.
Fotos: der Verfasser

Der berühmte französische Architekt Le Corbusier hätte seine helle Freude gehabt: umgesetzte Ideen von Visionären der Städteplanung, umgesetzt in Lateinamerika, den USA, den Arabischen Emiraten oder Indien in einer ansprechenden Zusammenfassung. Le Corbusier stellte sich nämlich die Frage, wie eine Stadt wohl aussehen könnte, wenn (fast) ein jeder Bewohner ein Auto fährt, in einer Zeit als nur jeder zehnte oder zwanzigste eines hatte. Seine Zunftgenossen, die Architekten, entwickelten und entwickeln weiterhin Konzepte und Lösungen für Großstädte und Siedlungsballungen, mit Aussicht auf das näher rückende Ende fossiler Brennstoffe und dem Übergang zu erneuerbaren Energien, Lösungen bei denen mehr und mehr eine Anpassung an die Lokalgegebenheiten zum Ausdruck kommt.

Diplom-Ingenieur Martin Edelmann, ifa-Beauftragter der Abteilung Kunst, der die Ausstellung begleitet und in der Aula der Transilvania-Universität vorstellte, brachte die Dinge für uns auf den Punkt: „Man muss das Rad nicht neu erfinden!“, im Sinne, dass viele der Lösungen eigentlich auf der Hand liegen, sie müssen nur erkannt und angewandt werden.
Solch eine Lösung der offenen Plätze unter der sengenden Hitze in der arabischen Wüste wird in der Ausstellung bildlich aber auch an einem Modell dargestellt: Kühlung der Wohneinheiten durch natürlichen Luftzug in traditionellen Lüftungstürmen und genau nach demselben Prinzip der öffentlichen Plätze durch riesige Schirme, welche zusätzlich, durch Sonnenkollektoren Nachtstrom liefern. Das nicht immer alles „Alte“ abgerissen werden muss, wird anhand eines Beispiels an der Wasserfront von New York verdeutlicht, wo die Schienenauflage einer nicht mehr betriebenen Hochbahn durch Bürgerinitiative begrünt und in eine Fußgängerzone umgewandelt wurde.

Und das sind nur zwei der Beispiele welche den Architekten Nicolae Ţaric, gewesener Vorsitzender des Architektenordens Kronstadt/Covasna/Harghita bewog, bei der Vernissage der Ausstellung trocken zu bemerken: „Und was machen wir in Sachen Stadtplanung, wir aktualisieren, wie der Ausdruck klingt, unsere alten Entwürfe, Entwürfe welche aus einer Zeit stammten, als das Konzept von oben befohlen wurde und nicht den Anforderungen entsprach, sondern einfach aufgezwungen wurde. Die Entwürfe sollten wir allesamt einmotten und die nächste Sitzung der Stadtplaner hier, vor diesen umgesetzten Konzepten halten, nicht nur um zu sehen, sondern auch um zu verstehen was eine sich „offen“ entwickelnde Stadt bedeutet“.

Dr. Ştefan Ungurean, vom Lehrstuhl für Soziologie der Transilvania-Universität, selbst an Studien von Zusammenwirkung des Umfeldes (in diesem Fall Stadt) und Individuum beteiligt, erklärte sich direkt schockiert über die Auswirkungen einer offenen Gesellschaft in welcher der Visionär die Richtung vorgibt und nicht der Beamte: „Wir, ich selbst, sind Erben einer Denkweise der Isolation, der Grenzen, des Sich-in-einem-engen-inneren Kreis-Bewegens. Hier sehe ich, was eine Denkweise ohne Schranken hervorbringen kann, eine Denkweise bei der ein offener Geist vorausgeht und einen Weg zeigt, so wie wir ihn hier, in der Ausstellung umgesetzt sehen.“

Kein Wunder also, dass das Deutsche Kulturzentrum Kronstadt alle Bemühungen unternommen hat, um diese Ausstellung in der Aula einer Hochschule aufzubauen, wo Studenten mehrerer Fächer, direkten Kontakt zu Angewandten Visionen der 60-er und 70-er Jahre haben. Eine dieser Lösungen betrifft sogar direkt ein modernes Hochschulcampus in welchem der Transport durch fahrerlose Transportmittel erfolgt. Wo? In der Ausstellung können Sie es mit eigenen Augen sehen.
Diese ist Mo.-Sa. von 11 bis 18 bis zum 9. Dezember in der S.T. Chiriacescu Aula (Schwimmschulgasse/str. Iuliu Maniu 41A) geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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