Postboten im Kreis Temesch nötig

40 Temescher Dörfer ohne Postboten

Freitag, 18. März 2016

Temeswar - Anstatt eine Modernisierung und eine Verbesserung der Dienstleistungen für ihre Kundschaft anzustreben, hat die rumänische Post ihre Nutznießer vor Kurzem gehörig in die Pfanne gehauen. Gemäß eines Eilerlasses der Regierung hat die Post, die in unserem Land leider noch immer ein Monopol genießt, eine kuriose Abspeckung ihres Personals, eine Massenentlassung durchgeführt: Landesweit verließen insgesamt 6000 Postangestellte das System. Sie zogen die vorgeschriebenen 12 Ausgleichsgehälter und einen sicheren Job in einem anderen Bereich vor. Die Temescher Post blieb so ohne 107 Arbeitnehmer, zirka 40 Ortschaften auf dem Lande müssen derzeit ohne Postboten auskommen. Nun kündigte die Temescher Post an, einen Wettbewerb für die Einstellung von Postagenten zu veranstalten. Bisher haben sich 23 Personen gemeldet, um diese Rolle des Postagenten zu spielen: Diese neuartigen Postboten haben sich, auf eigene Kosten, einen Raum im eigenen Haus schlecht und recht als Postamt einzurichten und werden die bisherige Arbeit, jedoch für einen kleineren Monatslohn, zu verrichten versuchen.

Immerhin besser als nichts, sagen die Leute vom Lande dazu, wo es in vielen Dörfern zwischendurch zu unhaltbaren Zuständen gekommen ist. Von normaler Korrespondenz - also von den Rechnungen bis zu den Briefen der Verwandten, die in Spanien oder Italien arbeiten, von den wichtigen Telegrammen bis zu den schönen Liebesbriefen, von den verschiedenen Publikationen, wie der abonnierten Tageszeitung oder auch anderen Drucksachen – kann unter diesen Bedingungen kaum mehr die Rede sein.
Am meisten leiden darunter in den Temescher Dörfern die Rentner, denen die Postboten bisher ihre Renten nach Hause gebracht haben. Sie stehen nun ärgerlich in einer langen Schlange vor dem Postamt – selbst in den finsteren Zeiten des kommunistischen Regimes gab es so etwas nicht, klagen sie mit Recht – um ihre Rente zu kassieren. Die meisten davon sind alt, leidend oder gar behindert, etliche können gar nicht mehr das Bett oder das Haus verlassen.Und, wenn sie an dem angegebenen Tag der Rentenauszahlung nicht da sind, müssen sie gar bis in die Kreishauptstadt fahren, um diese zu kassieren.

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