Praktikumsprogramm für rumänische Studierende

„Practica Ta“ ermöglicht Einblick in die Jobwelt

Mittwoch, 10. Juli 2013

Studenten können ihre Kenntnisse praktisch anwenden. Foto: privat

Das Projekt für Studenten „Practica Ta“ (Dein Praktikum) ging in diesem Jahr in die letzte Runde. Derzeit verfügen 450 Studenten über ein Praktikum in den verschiedensten Partnerunternehmen. Im Herbst geht das Programm zu Ende. Die Vertreter haben noch drei Ziele. Als nachhaltiges Ergebnis soll eine Plattform entstehen. Diese soll als Mittler zwischen Studenten, Universitäten und Unternehmen fungieren. Ein weiteres Ziel ist die Veröffentlichung eines Lehrbuchs für Betreuer in den Unternehmen und eine Zeitschrift für die vier Trainigsformen, die innerhalb des Programms durchgeführt werden - Teamarbeit, Kommunikation und öffentliche Rede, Management und Leadership sowie Verhandeln.

Theoretische Ausbildung ja – Theorie praktisch anwenden, eher selten. Der Hochschulunterricht verpflichtet zwar Studenten, jedes Jahr ein dreiwöchiges Praktikum durchzuführen, jedoch bleibt diese Last auf den Schultern der Studenten. Sie müssen alleine an die Türen der jeweiligen Institutionen und Firmen klopfen - meist ohne die Unterstützung der Universitäten. Dort werden sie bestenfalls mit Zurückhaltung empfangen – meistens werden sie jedoch abgelehnt. In den letzten Jahren sind aber zahlreiche NGOs und Programme entstanden, die gerade diese Beziehung zwischen Unis und Unternehmen entstehen lassen. „Wir fühlten uns von dieser Lücke im Bereich der Ausbildung frustriert. Etwas musste verändert werden“, sagt Alexandra Petcu, Marketing Manager des Projektes „Practica Ta“. Dies ist ein Projekt, das Studenten hilft, sich persönlich zu entwickeln, Ziele in der Karriere zu entdecken und dabei auch eine Praktikumsstelle zu finden. „Wir helfen den Studenten, einen besseren Einblick in die Arbeitswelt zu bekommen sowie eine erhöhte Chance, während oder nach dem Studium einen Arbeitsplatz zu bekommen“, fährt Alexandra Petcu fort.

Eine Vorschrift des Unterrichtsministeriums sieht vor, dass ein Praktikum drei Wochen lang dauern soll. „Practica Ta“ bietet somit Studenten aus vier Universitäten ein solches Praktikumsprogramm in Zusammenarbeit mit rund 130 Unternehmen in Rumänien an. Das Programm entstand 2011 und geht im Herbst dieses Jahres zu Ende. Das Projekt wurde über POSDRU-Fonds finanziert und wird innerhalb der HR-Firma Adecco durchgeführt. Universitäten aus vier Städten sind Teil des „Practica Ta“-Projektes: Temeswar ist durch die West-Universität (UVT), Klausenburg/Cluj-Napoca durch die Tehnische Universität (UTCN), Hermannstadt/Sibiu durch die Lucian Blaga-Universität und Karlsburg/Alba Iulia durch die „1. Decembrie 1918“-Universität  vertreten.

Die Studenten, die sich in das Programm einschreiben, müssen zuerst ein Interview mit den Vertretern von „Practica Ta“ führen. „Dies ist eigentlich ein Bewerbungsgespräch, in dem wir die Wünsche, Ziele und Bereiche von Interesse des jeweiligen Studenten erkennen und zusammen mit ihnen diskutieren. Viele wissen nicht einmal genau, was ihnen passt, so dass wir auch eine Karriereberatung anbieten“, erzählt Alexandra Petcu. Die Anzahl von Bewerbern ist groß – etwa 800 waren es im ersten Programmjahr (2011), um die 1500 im Vorjahr und fast 3000 in diesem Jahr. Nur die Hälfte davon können aber von einer Karriereberatung profitieren und nur 210 von allen werden letztendlich auch ein Praktikum durchführen. Die Letztauswahl gebührt schließlich den Unternehmern. „Die Anzahl der Praktikanten wurde von Jahr zu Jahr erweitert, so dass in diesem Studienjahr rund 450 Studenten über dieses Programm verfügen“, sagt Marketing Managerin Alexandra Petcu.

Die Studenten können die Zeitspanne, in der sie ihr Praktikum durchführen wollen, selbst auswählen und können sich sogar für ein Praktikum in einer anderen Stadt bewerben. Das war auch der Fall von Andrei Petcu, der als Student an der Babe{-Bolyai-Universität (BBU) in Klausenburg ein Praktikum an der Temeswarer Chemiefabrik AZUR gemacht hat. „Ich konnte tatsächlich die Kenntnisse, die ich während des Studiums gesammelt habe, praktisch anwenden und konnte somit festlegen, dass die Theorie trotzdem nicht nutzlos war“, erzähl der Klausenburger Chemie-Student. „Ich habe sogar ein Jobangebot von der Temeswarer Fabrik bekommen. Ich wollte aber vorerst mein Studium zu Ende führen“, fährt er fort. Aber nicht nur im praktischen Bereich zeigte sich Andrei Petcu zufrieden mit dem Programm, sondern auch in das, was das Selbstbewusstsein angeht. „Die Ausbildungen, die wir durchgeführt haben, waren für mich sehr hilfreich, so dass ich mittlerweile auch Leiter einer Studentenorganisation geworden bin“, sagt er.

Das Arbeitsministerium hat im Herbst des vergangenen Jahres ein neues Gesetz herausgebracht. Das Praktikum und die Ausbildung am Arbeitsplatz sollen gefördert werden und als Berufserfahrung anerkannt werden. Somit können die Absolventen leichter einen Arbeitsplatz finden, meinen die Vertreter des rumänischen Arbeitsministeriums.

Die Erfahrung durch „Practica Ta“ erwies sich aber nicht nur für Studenten als erfolgreich, sondern auch für viele Institutionen, die abseits des angebotenen Programms ein eigenes Programm entwickelt haben. Scandia Food in Hermannstadt ist ein solches Beispiel. Das Unternehmen möchte durch das Programm „Management Trainee“ auch anderen Studenten die Möglichkeit geben, ein Praktikum zu absolvieren. „Die Unternehmen sind sich bewusst, dass sie durch die Fortbildung von Studenten auch eine Liste von potenziellen Mitarbeitern zusammenstellen“, sagt Alexandra Petcu. „Viele der Praktikanten wurden nach diesen drei Praktikumswochen fest angestellt“, fügt die Marketing Managerin des Programms hinzu.

Oana Vucea war eine der Studenten, denen gleich nach dem Praktikum auch einen Job in der Firma angeboten wurde. Die Chemiestudentin an der Temeswarer West-Universität machte ihr Praktikum bei Duqueine Composites Temeswar. Der Hersteller von Composite-Werkstoffen im Flugzeugbau stellte die junge Studentin nach dem Praktikum halbzeitig an. „Für mich war dies eine sehr gute Gelegenheit, mein erstes Geld zu verdienen“, erzählt Oana Vucea. Alle Studenten, die über dieses Programm verfügen, werden für die insgesamt 15 Arbeitstage auch bezahlt. „Die Erfahrung erlaubte mir nun, nach eineinhalb Jahren, den Job zu wechseln und dabei einen besseren Posten zu erlangen“, fügt sie hinzu.

„Practica Ta“ geht im Herbst zu Ende. Das Projekt wurde 2012 als Erfolgsgeschichte ausgezeichnet und möchte auch weiterhin den Studenten helfen, sowie die Verbindung zwischen den Universitäten und den Unternehmen erleichtern. Dafür wird ab Herbst eine Plattform entstehen. Diese kann von der Webseite www.practicata.ro abgerufen werden. 

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