Preisspirale von Treibstoff und Fleischexporten bedingt

Produzenten und Spediteure können Kosten nicht übernehmen – Endkunden müssen es

Samstag, 14. Januar 2012

Außerhalb der traditionellen Schlachtzeit gibt es in den Privatwirtschaften des Kreises Temesch etwa 90.000 Schweine. In den 39 Schweinefarmen leben im Jahr etwa 1,6 Millionen Tiere.
Foto: Zoltán Pázmány

Treibstoff ist in Rumänien teurer geworden, die Waren im Regal müssten trotzdem auf gleichem Preisniveau bleiben, glauben Spediteure. Dass sie selbst um eine Preiserhöhung nicht herumkommen, ist für sie alle klar. In der Chefetage einer großen Temeswarer Spedition heißt es: „Wir können nicht immer alle Steigerungen der Treibstoffpreise auf unsere eigenen Kosten ausgleichen“.

In der Spedition ist man sich im Klaren, dass höhere Akzisen „eine ganze Welle an Preissteigerungen mit sich bringen: Bei Ersatzteilen und vielem mehr“. Die seit Jahresanfang um 4,4 Prozent höheren Akzisen bei Diesel werden eine Ein-Prozent-Steigerung der Transportkosten zur Folge haben, vermuten Leiter von Speditionsfirmen. Auf Vereinbarung der rumänischen Regierung mit der EU müssen die Akzisen bei Treibstoff bis 2013 an das untere Limit aus den gestandenen EU-Ländern angeglichen werden.

Durch die Ein-Prozent-Preiserhöhung werden die Endprodukte jedoch bloß um 0,1 Prozent teurer, was also keine Auswirkungen auf die Preise im Regal haben dürfte, glauben die Spediteure. Sie weisen darauf hin, dass die Transportkosten maximal fünf Prozent des Endpreises eines Produktes ausmachen.

 

Exportschlager: Haxe statt Handy 

 

Retailer sind jedoch ihrerseits überzeugt, dass im Regal der Preis erkennbar steigen wird. Vor allem bei Schweinefleisch könnte sich da einiges ändern, da die Exportsperre fünf Jahre nach Ausmerzung der Schweinepest in Rumänien seit dem 1. Januar aufgehoben wurde. Nun soll der Bestand an Schweinen aufgestockt werden und auch ein Teil an Exportverlusten wettgemacht werden, den der Abzug von Nokia aus Rumänien unweigerlich mit sich bringt.

Zwischen 600 Millionen und einer Milliarde Euro pro Jahr soll die Ausfuhr von Schweinefleisch Rumänien bereits 2012 einbringen, so die Schätzungen aus dem rumänischen Wirtschaftsministerium.

Bis zu 100.000 Tonnen sollen es in den kommenden Jahren werden, zunächst muss jedoch der Tierbestand erneut aufgestockt werden, denn nach der Exportsperre war dieser - offiziellen Daten nach - erheblich zurückgegangen. Wahrscheinlich hatten darunter vor allem die Kleinbetriebe und Bauern zu leiden, die plötzlich ihre lokalen Märkte schwinden sahen. Ohnehin haben es diese in Zeiten der Super- und Hypermärkte nicht leicht. Wenn ein Fleisch verarbeitendes Unternehmen nun seine Rohprodukte beim Schweinemastbetrieb kauft, geht es nicht nur um den Preis, sondern auch um die Qualität der Ware. „Die Aufhebung der Sperre bestätigt, dass Rumänien das Potential hat, sich an die EU-Erfordernisse anzugleichen“, sagt Adrian Popa, Direktor des Veterinäramtes in Temeswar/Timişoara.

Als2007 indrei Farmen des US-Schweinemastbetriebes Smithfield die Pest ausgebrochen war, war er als Mitarbeiter des Veterinäramtes für das Krisenmanagement zuständig. Vor allem Übervölkerung der Stallungen wurde damals Smithfield nachgesagt. „Zu hoher Enthusiasmus und fehlende Erfahrung mit hohem Tierbestand“, nennt fünf Jahre danach Adrian Popa die Gründe, die damals zu Massenschlachtungen geführt haben. Beim Versuch, je höhere Produktion zu sichern, habe man auf Tagelöhner zurückgreifen müssen, die vom Lande kamen oder aus Verwaltungskreisen, wo in den Gehöften die Schweinepest längst nicht ausgemerzt war und „diese haben wahrscheinlich den Virus auf die Smithfield-Farmen in Tschene/Cenei bzw. Igrisch/Igris geschleppt“, vermutet der Direktor.

Die Sache mit der Übervölkerung habe nicht gestimmt. In Stallungen für eine gewisse Anzahl von Mastschweinen habe man etwa ein Drittel mehr Ferkel untergebracht, was ja nicht falsch ist, weil die zugedachte Fläche pro Tier nicht zurückgegangen ist, erklärt Popa.

 

Nur der Großproduzent liefert ins Ausland

 

Obwohl die Anzahl der Mastschweine im Kreis Temesch/Timiş recht hoch ist, hat als einziges Unternehmen bloß Smithfield Gesuch hinterlegt und die Zulassung erhalten, Schweinefleisch zu exportieren. „Wohlgemerkt: Derzeit geht es allein um Fleisch und nicht um lebende Schweine“, weist Adrian Popa hin. Die anderen Schweinefarmen wollen zumindest derzeit vom Fleischexport absehen, auch wenn die Sicherheitsvorkehrungen in den Stallungen eingehalten werden.

Nur wer in Rumänien in das sogenannte „kanalisierte System zur Erzeugung von Schweinefleisch“ integriert ist, kann auch Schweinefleisch exportieren. Das komplexeste Problem scheint derzeit, ein geeignetes Schlachthaus zu finden, das den Ansprüchen gerecht wird. 49 Schweinemastbetriebe haben derzeitigen Informationen nach die Genehmigung zum Export von Schweinefleisch. Diese werden in diesem Jahr etwa 20.000 Tonnen Schweinefleisch auf die ausländischen Märkte liefern.

Daten des rumänischen Landwirtschaftsministeriums nach wurden auf rumänischen Farmen im Jahr 2010 über 550.000 Tonnen lebende Mastschweine gezüchtet, in den ersten zehn Monaten 2011 waren es 365.000 Tonnen. Eingeführt wurden in den beiden vergangenen Jahren 200.000 Tonnen (2010) und in den ersten acht Monaten vergangenen Jahres 106.000 Tonnen. Es sei nun „der notwendige Rahmen gesichert worden, dass die rumänischen Produzenten von Schweinefleisch in einen direkten Wettbewerb mit anderen europäischen Erzeugern von Fleisch- und Fleischwaren gehen können, die in hoher Quantität und Qualität liefern“, schreibt Smithfield Romania auf Nachfrage der Banater Zeitung.

„Die Möglichkeit, am Handel innerhalb der Europäischen Union teilzunehmen, wird langfristig zur Anerkennung des rumänischen Exportmarktes führen, was auch gleichzeitig den Rahmen sichert, die rumänische Tierzucht und die Lebensmittelindustrie weiter zu entwickeln“, heißt es weiter in der Presseaussendung von Smithfield.

 

Jeder muss schauen, wo er bleibt

 

Vor allem große Lebensmittelketten werden dem Preisdruck ausgesetzt sein, wenn nun die exportberechtigten großen Fleischproduzenten ihre Ware bevorzugt nach Westeuropa verschicken. Der Preisdruck wird sich auch auf die Läden auswirken. Agil ist der größte Wurstwarenproduzent im Verwaltungskreis Temesch/Timiş - auch deshalb, „weil die Konkurrenz fehlt“, bleibt Agil-Handelsdirektor Gabriel Bordea bescheiden. Fehlen tut es seiner Meinung nach auch an Anbietern von Schlachtvieh und Fleisch.

Als einzigen nennbaren Schweinefleisch-Zulieferer betrachtet Bordea die Rumänienniederlassung des US-Großkonzerns Smithfield. Kleinproduzenten als Alternative, das kann sich Bordea nicht vorstellen: „Du brauchst auf dem Markt ein konstantes Produkt, sowohl was Qualität, als auch was den Preis angeht“, und das könne sein Unternehmen, das täglich zehn Tonnen Fleisch verarbeitet, nur über einen Großzulieferer beziehen. Auch das, mit ein Grund, warum Rumänien und auch speziell der Verwaltungskreis Temesch auf Lebensmittelimporte angewiesen sind.

Wenn nun einer wie Smithfield die Chance wahrnimmt, mehr zu exportieren, ist es wahrscheinlich, dass auch die Preise über die Treibstofffrage hinaus steigen werden. „Die Treibstoffpreise bleiben bestimmt nicht auf derzeitigem Niveau – auch wenn man glaubt, dass alle Schmerzgrenzen längst erreicht sind. Superbenzin z.B. ist zwischen Jahresanfang 2009 und 2012 von 3.00 auf 5.60 Lei gestiegen“, sagt ein privater Transportunternehmer.

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