„Prin Banat“ erzählt in Bildern

Historische Bauten, Bräuche, Handwerke, Landschaften

Mittwoch, 27. Mai 2015

„Mos“ Jurchescu beim Schafehüten in Lindenfeld.

Die römisch-katholische Kirche in Bobda, ursprünglich das Mausoleum der Baronenfamilie Csávossy, ein kleinerer Nachentwurf der Basilika in Ezstergom (Ungarn).
Fotos: Flavius Neamciuc

Um Reisen, Geschichten und die Liebe zur Banater Landschaft handelt es sich beim Projekt „Prin Banat“ („Durch das Banat“) der fünf jungen Temeswarer Alexandra Palconi, Cristian Sitov, Flavius Neamciuc, Lia Rădoi und Doinița Spuză. Über 5000 km durch die Banater Heide und das Banater Bergland haben die fünf Projektmitarbeiter in weniger als einem Jahr bereits zurückgelegt und über 7000 Fotos sind dabei entstanden. Eine Kostprobe ihrer Arbeit ist derzeit im Museum des Banats in Temeswar/Timisoara, in der Fotoausstellung „Orte und Menschen aus dem Banat“, der jüngsten der bisher vier veranstalteten Fotoausstellungen, bis am 7. Juni zu sehen.

Das Projekt „Prin Banat“ wurde 2014 aus dem Wunsch heraus eingeleitet, „das Gebiet des historischen Banats, das sich derzeit in einem latenten Zustand befindet, zu fördern, da wir oftmals Stätten mit Potential passieren“, so die 26-jährige Journalistin Alexandra Palconi, zugleich auch Leiterin des Projektes. Auch geht es dabei darum, ein realitätgetreues Bild der Fakten zu präsentieren. „Wir möchten die Orte mit Gutem und Schlechtem, mit Sonnen- und Schattenseiten vorstellen“, fügt Palconi hinzu. Eine Motivation des Unterfangens war auch das Verfallsstadium so mancher historischer Gebäude. Außer Alexandra Palconi gehören noch der Programmierer Cristian Sitov, der Fotograf Flavius Neamciuc, die Graphikdesignerin Lia Radoi und die Übersetzerin Doinita Spuza, Studentin der Abteilung für Fremdsprachen der Fakultät für Philologie, Geschichte und Theologie an der West-Universität Temeswar, zum Projektteam „Prin Banat“.

Ehemalige Adelssitze, wie beispielsweise das Palais in Banloc, ehemaliger Sitz der Familie Karátsonyi, oder das Kulturhaus in Feni/Foeni, eines der Besitztümer der Familie Mocioni; die älteste Holzkirche in Crivina in der Gegend von Faschet/Faget; die kaiserlichen Bäder und der Bahnhof in Herkulesbad/Baile Herculane; das älteste Theater und die älteste Berg-Apotheke (der Apothekerdynastie Knoblauch) in Orawitza/Oravita und die Eisenbahnstrecke Orawitza-Steierdorf/Anina sind nur die bekanntesten der in den 21 Bildern dargestellten Gebäude und Stätten.

Eines der Bilder zeigt das frühere Mausoleum der Familie des Barons Gyula Csávossy in der Temescher Ortschaft Bobda, das die letzten Nachkommen der Csávossys der Ortsgemeinde übergaben. Anschließend funktionierte der Bau als römisch-katholische Kirche. Der letzte Gottesdienst wurde hier in den 1980er Jahre zelebriert. Derzeit befindet sich das Gebäude in einem fortgeschrittenen Verfallsstadium: einer der zwei Kirchentürme ist eingestürzt und die Kuppel schwer beschädigt. Nur die zwei Glocken hängen noch immer in den Kirchtürmen und auch die lateinische Inschrift auf dem Frontispiz ist noch deutlich zu sehen: „Divinum auxilium maneat semper nobiscum“ („Gottes Hilfe sei immer mit uns“). Im Laufe der Zeit wurde die Kirche verwüstet: die Glasfenster gestohlen, der Altar geplündert, die Orgel zerstört und die Krypta der Baronenfamilie unter dem Altar geschändet. Die menschlichen Überreste der Csávossys sollen nun im Ortsfriedhof bestattet sein.

In den Fotos werden nicht nur historische Bauten, sondern auch alte Bräuche, Handwerke und Landschaften illustriert. So kann der Betrachter in einem Bild einen Teil der Kirchweihtracht aus Deutsch Saska/Sasca Montana im Banater Bergland erkennen: der rote Kirchweihrock mit schwarzer Schürze und ein Paar Lederhosen. „Die Trachten werden von zwei Enkeln eines ehemaligen Bewohners aus Deutsch Saska getragen“, erzählt Alexandra Palconi.

Andere zwei Bilder zeigen eine „rândas²“, eine Frau, die bei einer Wassermühle im Rudarica-Tal „in der Reih“ arbeitet, und „Mos“ Jurchescu bei der Schafhaltung in Lindenfeld. Beide Orte liegen im Banater Bergland. Lindenfeld ist derzeit eher ein „Geisterdorf“, war aber früher von Deutschböhmen, die nach Deutschland ausgewandert sind, bewohnt. Nur in den wärmeren Jahreszeiten kehrt wieder Leben ins Dorf ein, da das alte Ehepaar Jurchescu aus dem benachbarten Dorf Poiana alljährlich von April bis September hier wohnt. Was das Ehepaar veranlasst, jedes Jahr nach Lindenfeld, das viel höher als ihr Dorf liegt, zu steigen, sei die gesunde Luft, berichtet Alexandra Palconi. Auch soll hier ein Vorhaben bestehen, eine Pension aufzubauen, sagt die Journalistin. 

Zwei weitere Projekte des Teams „Prin Banat“ sind eine Ausstellung im Rahmen des Street Delivery Festivals in Temeswar zwischen dem 12.-14. Juni und die Teilnahme am 10. Projekt des Plai-Festivals, das ebenda stattfindet. Beim Letzteren veranstalten das Team nicht nur eine Fotoausstellung, sondern auch eine abendliche Versammlung, eine „sezatoare“ oder „Reih“, wo Frauen zusammen sitzen, erzählen, nähen, häkeln, stricken und sticken, erläutert Palconi. Auch haben sich die Projekmitarbeiter vorgenommen, zu diesem Anlass einige Handwerker aus dem Banat vorzustellen.

Mehrere Fotos und die dazugehörenden Geschichten können auf der Homepage des Projektes prinbanat.ro gesehen und gelesen werden.

 

Kommentare zu diesem Artikel

Keine Kommentare

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*