Projekt Elijah in Ziegental

Menschenwürdiges Leben und Bildung für die Roma-Familien

Donnerstag, 11. September 2014

Eingekauft wird in Ziegental im „Tiger-Laden“.

„Weil der Prophet Elijah dem ungerechten König die Wahrheit sagte, musste er flüchten. Er versteckte sich am Bach Kerit. Die Raben brachten ihm Brot und Fleisch am Morgen und am  Abend und er trank aus dem Bach.“ (Vgl. 1. Könige, 17, 2-6).  Im Alten Testament ist Elijah der Nothelfer, seinem Beispiel folgen Schüler. 

In Ziegental/Ţichindeal, einem kleinen, abgelegenen Dorf im Harbachtal/Valea Hârtibaciului, leisten die Schüler des Vereins „Elijah“ Nothilfe. „Nur mit Almosen ändert sich nichts im Dorf, man muss den Eltern Arbeit geben und den Jugendlichen eine Möglichkeit etwas zu lernen,“ sagt Angela King, die Leiterin des Elijah-Projekts. Daher hat sie gemeinsam mit anderen Helfern „Casa Corb“ („Haus Rabe“) geschaffen, in dem es eine Töpferwerkstatt, eine Backstube, eine Weberei und eine Papierwerkstatt gibt.

In der Töpferei produzieren Roxana, Adi, Ana, Maria, Genica und Mădălina gerade 500 Ton-Raben, die im Oktober auf einem Benefizkonzert in Österreich verkauft werden sollen. Der Rabe ist nicht nur das (biblische) Wappentier des Vereins „Elijah“, sondern auch ein Schimpfwort, das die Mehrheitsbevölkerung für die Roma benutzt, welches in Ziegental aber ins Positive gewendet wurde. Die Bevölkerung Ziegentals besteht mittlerweile zu fast 100 Prozent aus Roma.

Weiter geht es zur Backstube, wo Ana zusammen mit ihrer Kollegin Maria schon seit frühmorgens Brote backt. Zirka 100 Brote am Tag werden hier produziert, die an die vielen Kinder, die zum Frühstück und Mittagessen in die Elijah-Sozialzentren in Ziegental, Holzmengen/Hosman und Neudorf/Nou kommen, verteilt werden. Auch die übrigen Bewohner des Dorfes können im „Casa Corb“ Brot kaufen, allerdings nicht gegen Lei, sondern gegen „Tiger“, eine eigene, interne Währung. Tiger bekommt man, wenn man für „Elijah“ arbeitet und zwar entweder in einer der Werkstätten in der „Casa Corb“ oder als Gärtner, Handwerker oder Köchin im Sozialzentrum. Der Durchschnittslohn liegt bei 5 Tigern in der Stunde. Im „Tiger Laden“ kann man mit seinen Tigern dann auch Kleidung oder Spielsachen kaufen. Einige Männer, die ihr „Haus“ (welches meistens nur eine kleine Hütte ist) renovieren oder sogar neu bauen wollen, bekommen für ihre Tiger auch Baumaterial.

Neben dem „Tiger Magazin“ befindet sich die Weberei, in der Simona und Nicoleta Teppiche herstellen. Beide befinden sich in Ausbildung beim Textilunternehmen „ROMTAP“ aus Heltau/Cisnădie, welches auch die Webstühle und die Wolle zur Verfügung stellt. Bald schon wird die Textilwerkstatt wachsen, denn Simona und Nicoleta werden nach Abschluss ihrer Ausbildung auch andere Frauen anlernen. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Menschen durch Arbeit, wenn sie ein schönes Ergebnis sehen, motiviert werden mehr zu lernen und ihre Talente zu nutzen“, so Angela King.

Etwa 500 Meter von „Casa Corb“ entfernt, am Ortsausgang, liegt das Sozialzentrum „Habakuk“ mit Waschhaus, Küche, Dusche, Gemeinschaftsraum und Spielplatz. Hier sorgen die Sozialarbeiterinnen Lily und Ioana sowie Julian, vor zehn Jahren noch Straßenkind in Bukarest, dafür, dass die rund 90 Schul- und Kindergartenkinder von Ziegental morgens ein Frühstück und mittags ein warmes Essen zu sich nehmen können.

Nachmittags können die Kinder und Jugendlichen, die nicht alle regelmäßig zur Schule gehen, im Sozialzentrum auch lernen, denn „zuhause, wo die Großfamilien oft mit zehn Personen in zwei Räumen wohnen, lernt niemand“, so Projektleiterin Angela King. Außerdem gibt es die Möglichkeit (unter Anleitung) zu musizieren oder Spiele zu spielen, so dass viele Kinder gerne und freiwillig kommen.

Geplant ist in Zukunft mit den Ziegentalern zusammen die Wohnsituation weiter zu verbessern, die Wasserversorgung auszubauen und für Licht sowie für Heizung und Dämmung zu sorgen, so dass im strengen Winter niemand frieren muss. Außerdem sollen viele der Familien ein Gartenstück bekommen, welches sie gemeinsam bebauen können. „Man muss zunächst die Grundlagen schaffen, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen und dann machen wir Zusatzprogramme für Bildung“, sagt die Projektleiterin.

Weitere Informationen und Spendenkonto unter www.elijah.ro .

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