Proteste gegen Neubau in der Altstadt

Bartholomäer Bürgerinitiative richtet sich an mehrere staatliche Institutionen

Dienstag, 15. November 2016

Ein in Bau befindliches Gebäude im Kronstädter Stadtviertel Bartholomä erregt die Gemüter der Anrainer und der Initiativgruppe „Rettet das historische Gebiet Altstadt“, die sich empört über die erteilte Baugenehmigung seitens des Bürgermeisteramtes zeigen. In ihrer Absicht, diese rückgängig zu machen, haben sie sich bisher an zahlreiche staatliche Institutionen gewendet. Voraussichtlich mit wenig Erfolg, da der Bau fast abgeschlossen ist und kaum noch eine Maßnahme getroffen wird, die an dessen Höhe etwas verändern kann. Es handelt sich um das Gebäude in der Frächter-Gasse/Ioan Bogdan Str. Nr. 6, in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Freibades, in dem vor Jahren ein Basar eingerichtet wurde, der im Volksmund als „Kleines Deutschland“ bezeichnet wird. Laut Meinung der Antragsteller ist der Bau viel zu hoch und gliedert sich architektonisch nicht in das Umfeld ein, in dem es meist nur Familienhäuser gibt, die nicht höher sind als ein Stockwerk. Der Neubau wirkt sich auch negativ auf das Umfeld aus, da er Sicht- und Lichtverhältnisse beeinträchtigt. Doch ist dieses nicht der erste derartige Fall im Stadtgebiet, wo die Meinung der Anrainer nicht berücksichtigt worden ist.

Das Kronstädter Bürgermeisteramt hat im Januar 2016 die Baugenehmigung erteilt, laut der das Gebäude Erdgeschoss, zwei Stockwerke und Mansarde umfassen sollte, obwohl laut den Bestimmungen für die Altstadt nur Häuser mit Erdgeschoss und zwei Stockwerken errichtet werden dürfen. Laut Sorin Toarcea, dem Sprecher des Bürgermeisteramtes, wurde die Baugenehmigung erteilt, nachdem das Projekt eine positive Zusage seitens der Kreisdirektion für Kultur erhalten hatte. Nach den anfangs an das staatliche Bauamt gemachten Eingaben unternahm dieses eine Kontrolle im Rathaus, wobei festgestellt wurde, dass in der Baugenehmigung Nr. 57/2016 die gesetzlichen Bestimmungen nicht berücksichtigt worden sind. Das Bauinspektorat forderte, dass das Bürgermeisteramt die Genehmigung rückgängig macht. Laut bestehenden Regelungen können in dem Stadtteil Mansarden auf bestehenden Gebäuden errichtet werden, aber nicht eine bestimmte Höhe überschreiten. Im Fall der Neubauten dürfen diese die Höhe eines Gebäudes mit Erdgeschoss und zwei Stockwerken nicht überschreiten. Nach diesen Feststellungen seitens des Bauinspektorats und den eingelaufenen Beanstandungen wird das Bürgermeisteramt die entsprechenden Maßnahmen treffen. Doch welches diese sein werden, steht in den Sternen geschrieben. Die Initiativgruppe „Rettet das historische Gebiet Altstadt“ hat die diesbezüglichen Eingaben an das Bürgermeisteramt, die Kronstädter Kulturdirektion, das staatliche Bauamt schon im August des laufenden Jahres eingereicht, doch keine Antworten in gesetzlich festgelegter Frist erhalten, während der Bau sich seinem Abschluss nähert.

Nun hat sich die Initiativgruppe auch an das Rumänische Parlament bzw. die Abgeordnetenkammer, deren Kommission für die Aufklärung von Gesetzwidrigkeiten, Korruption und Petitionen gewendet, das Problem auch an das Ministerium für Entwicklung weiterzuleiten. Das Schreiben ging auch an Kronstädter Medien und an die Lokalpolizei. Gefordert wird, dass dem Bürgermeisteramt untersagt wird, das Zeugnis über die Fertigstellung und das Bestehen des neuen Gebäudes auszustellen. Die Initiativgruppe wendete sich nun auch an den Ombudsmann, der seinerseits die lokalen Behörden aufforderte, eine Lösung und Klärung zu finden. Eine eingehende Dokumentation mit allen Angaben hat die Initiativgruppe, deren Schreiben von 331 Personen unterzeichnet ist, auch ins Internet unter campaniamea.de-clic.ro und auf Facebook unter „Salvaţi Zona Istorică Braşovul Vechi“ gesetzt, wo diese eingesehen werden können.

Trotz Einwand der Anrainer hat es in der Stadt unter der Zinne noch ähnliche Vorfälle gegeben. Beispielsweise wurde das neue Gebäude der CEC-Bank direkt an den daneben befindlichen Wohnblock angebaut, wobei zahlreiche Wohnungen dadurch nur noch wenig Tageslicht haben. Auch wurden für ältere Wohnblocks Baugenehmigungen für die Errichtung von Mansarden erteilt, wobei es nicht bei diesen blieb, sondern es wurde mit einer Etage aufgestockt und auf diese kam die Mansarde. Ein diesbezügliches Beispiel steht in der Ştefan-Mironescu-Straße Block 27, wo ein Teil der auf diese Weise errichteten Wohnungen seit Jahren nicht fertiggestellt wurden, da es keine Käufer dafür gab. Die Bewohner dieser Plattenbauten, denen der Mund mit 300 bis 400 Euro wässrig gemacht wurde, gaben ihr Einvernehmen dafür, bereuten es aber danach wegen der entstandenen Unannehmlichkeiten wie mehr Lärm, viel mehr Bewohner. Versprechungen wie die Einführung eines Aufzugs, der Wechsel der alten Leitungen, die Modernisierung des Treppenhauses u. a. wurden nicht erfüllt. Dieser Bau ist ein Beispiel dafür, dass Seilschaften immer noch eine große Rolle in der Erteilung von Baugenehmigungen spielen.

Kommentare zu diesem Artikel

Rolf Joachim, 15.11 2016, 15:11
Ein sehr guter Bericht von Dieter Drotleff.
Sachlich, objektiv und nicht reißerisch, wie bei einem anderen Berichterstatter.....

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