Protestwelle an Arader Staatsphilharmonie geht weiter

Entlassener Gewerkschaftsführer fordert Rauswurf des Direktors

Mittwoch, 25. Februar 2015

Der Direktor verdonnert die Musiker zum Proben auf dem Korridor, die Angestellten protestieren auf die verschiedensten Arten und nun wird dem Ensemble auch noch ein Konzertmeister von außen aufgedrängt – der Konflikt in der Arader Philharmonie dauert seit Monaten und ein Ende ist nicht abzusehen. Eines der Highlights der Musiker im Gerangel mit ihrem Direktor Alin V²cean war eine Protestpause während eines Konzertes. Die Gewerkschaft der Philharmonie-Angestellten fordert die Entmachtung von Einrichtungsleiter Vacean.

 

Etwa 40 Arbeitnehmer der Arader Staatsphilharmonie haben vor Kurzem die seit Monaten andauernde Serie von Protesten fortgesetzt. Diesmal äußerten sie ihren Unmut vor dem Gebäude der Einrichtung. Musikliebhaber und Passanten schlossen sich dem Protest an. Für die öffentliche Kundgebung hatten die Philharmoniker gar eine Genehmigung eingeholt. Mit Banneraufschriften wie „Raus mit Vacean“, „Stopp der Drohungen“ oder „Generalstreik“ versuchten sich die Protestierenden Gehör zu verschaffen. Generell hatten die Teilnehmenden ihr Vorgehen „SOS – Rettet die Philharmonie“ genannt. Symbolträchtig dazu waren auf jeden Fall die Rettungsringe, die an Musikinstrumenten hängten.

Die derzeitige spannungsgeladene Situation in der Arader Philharmonie gehe auf das Konto von Direktor Alin Vacean, so die Teilnehmer am Protest. Widerrechtliche Entscheidungen, wie die Beurlaubung des Gewerkschaftsführers Mihai Dogaru, sei nur ein Beispiel von vielen, für die derzeitige Situation. Vacean seinerseits wies des öfteren darauf hin, dass die Angestellten der Philharmonie viel Geld verdienen, aber im Gegenzug wenig arbeiten wollen.

Seit Beginn der Protestaktionen, im vergangenen Jahr, hat die Zahl der Arbeitnehmer in der Philharmonie der westrumänischen Großstadt stetig abgenommen. Manche haben ihren Dienst quittiert, weil sie dem Druck nicht gewachsen waren, andere wurden gekündigt, heißt es bei der Gewerkschaft. Die neue Protestwelle hat wohl die Tatsache ausgelöst, dass nun ein Konzertmeister verpflichtet wurde, obwohl diese Stelle acht Jahre gesperrt und nie zum Wettbewerb ausgeschrieben war. Kurios findet die Gewerkschaft, dass nun eine Person von außerhalb der Institution eingestellt wurde, um über die künstlerische Tätigkeit zu wachen. „Ich glaube, es ist das einzige Orchester weltweit, in dem so etwas vorkommen kann“, sagt Mihai Dogaru, der Gewerkschaftsführer geblieben ist, auch wenn er nicht mehr in der Arader Philharmonie beschäftigt ist. Mittlerweile hat er eine Zusammenarbeit mit der Philharmonie im 50 Kilometer entfernten Temeswar/ Timisoara begonnen. Dogaru fügte auch hinzu, dass das Orchester nur noch 35 Mitglieder zählt, also etwa die Hälfte der Musiker, die im Stellenplan vorgesehen sind. Auch der Chor sei unterbesetzt, so der Gewerkschaftsführer. Der stellvertretende Leader der Gewerkschaft aus der Arader Philharmonie, Tiberiu Varjasi, weist seinerseits darauf hin, dass auf ihn Druck ausgeübt wird.

Um ihren Forderungen Nachhaltigkeit zu gewähren, traten Ende November vergangenen Jahres die meisten Gewerkschaftsmitglieder in Streik. Diesen hoben sie später auf, um einem Untersuchungsausschuss der Stadtverwaltung die Gelegenheit zu bieten, sich ein Bild über die Situation zu machen und ein Urteil zu fällen.

Im Herbst vergangenen Jahres nahm das Zerwürfnis zwischen dem Arader Philharmoniedirektor Alin Vacean und einem Großteil seines Ensembles ungeahnte Formen an. Der Begriff „Graben“ erhielt eine ganz neue Dimension, als die Musiker bei einem Auftritt aus Protest gleich mehrere Minuten keinen Laut von sich gaben. Es war also mehr als der Orchestergraben, der sich in der Arader Philharmonie auftat - zwischen Leitung und Ensemble entstand eine regelrechte Kluft.

Nicht genug, dass es in der Arader Philharmonie seit drei Jahren keinen kollektiven Arbeitsvertrag gibt: Der Direktor der Einrichtung hatte in den letzten Monaten so einige böse Überraschungen parat. Alin V²cean hatte nämlich verfügt, dass die Musiker ihr individuelles Studium der Partituren an ihrem Arbeitsplatz absolvieren müssen. Die Gewerkschaft der Philharmonie fand ihrerseits solche Erwartungen fehl am Platz, ging vor Gericht, die Ensemblemitglieder warteten mit Protestschreiben auf. Bloß vier Räumlichkeiten stehen den 70 Instrumentalisten und Chormitgliedern für ihr Individual-Studium der Musikstücke zur Verfügung. Dabei stören sich die Künstler gegenseitig. Früher durften sie nach ihren gemeinsamen Proben zu Hause üben – so eine interne Regelung der Philharmonie. Diese hob der Leiter der Kultureinrichtung im vergangenen Herbst auf und die Begründung ist mehr als kurios: Er wolle der Lärmverschmutzung vorbeugen, die gegeben sei, wenn die Musiker zu Hause üben und dabei ihre Nachbarn stören.

Durch die neuen Vorgaben wurden die Arader Philharmoniker gezwungen, notgedrungen auch auf Korridoren und in Umkleideräumen der Philharmonie ihre Partituren abzuspielen. Tiberiu Varjasi, zeigte sich seinerseits entrüstet und behauptete, in 35 Jahren bei der Philharmonie habe er solche Entscheidungen nicht miterlebt.

Der Gewerkschaftsführer Mihai Dogaru sagte, schon aus Zeitgründen könne man für die vielen Musiker keine faire Raumaufteilung vornehmen. Dies sei nicht einmal dann möglich, wenn sich die Musiker entschließen würden, im Turnus ihr individuelles Repertoire durchzuproben.

 

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