Quo Vadis, Ökumene?

Zum Tod des Metropoliten Nicolae Corneanu

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Bei der Beisetzungsfeier des Metropoliten Nicolae Corneanu waren die Kathedrale sowie der Platz darum voll von Leuten Foto: Zoltán Pázmány

Alttemeswarer der heutigen Großelterngeneration erinnern sich liebevoll an ihre Kindheit, als die Orthodoxen an den katholischen Ostern immer eine Kerze auf dem Fensterbrett brannten, umgekehrt an den orthodoxen Ostern die Katholiken ein Licht für ihre Nachbarn brennen ließen. Ein Brauch, der irgendwann, irgendwie abriss. Zweiter Weltkrieg und Kommunismus waren sicherlich die Hauptfaktoren, dann die großen Änderungen in der Bevölkerungsstruktur der Stadt.

Ein Brauch, der andernorts unbekannt ist und für die Besonderheit des Banats spricht: gemeinsam und gemeinschaftlich erlebte Multikulturalität und Ökumene.

Diesen Begriffen muss man kontinuierlich Gehalt verleihen, damit das Zusammenleben auch so funktioniert.

Die Banater bemühen sich auch immer wieder darum. Der vor kurzem verstorbene Banater rumänisch-orthodoxe Metropolit Dr. Nicolae Corneanu galt als einer der Vorreiter der Ökumene, und ist mit seiner Aufgeschlossenheit nicht selten einen steinigen Weg gegangen: Nachdem er in einer katholischen Kirche das heilige Abendmahl empfangen hatte, wurde der bei den Banater rumänisch-orthodoxen Gläubigen beliebte Metropolit wenige Jahre vor seinem Tod von manchen Klerikern gerügt. Die meisten Laien standen allerdings noch hinter ihrem Metropoliten.

 

Hoffen auf die Zukunft

Im Volksmund heißt es, dass ein blauer Himmel am Beisetzungstag andeutet, dass die Seele des Verstorbenen zufrieden zu Gott emporsteigt. Als vor zwei Wochen der Banater Metropolit Nicolae Corneanu beigesetzt wurde, war der Himmel über Temeswar blau.

Wie sieht die Zukunft aus? Viele Laien und Kleriker, Orthodoxen und nicht nur, stellen sich diese Frage.

Der Kurs der Kirche wird auf Landesebene gestellt. Die rumänisch-orthodoxe Kirche erklärt sich offiziell für Ökumene. Allerdings könnte der neue Metropolit Akzente setzen und damit die Beziehungen erweitern und vertiefen. Wird der Nachfolger des Metropoliten Nicolae Corneanu dessen langjährige und schwierige Arbeit fortsetzen?

Eine offizielle Aussage hat man nicht gemacht, man wartet das Ergebnis ab; 40 Tage nach dem Tod des Metropoliten soll der neue Metropolit von der Synode in Bukarest gewählt werden.

Auch die anderen Kirchen im Banat schauen nun erwartungsvoll auf die rumänisch-orthodoxe Kirche: gerade für das Banat hofft man auf einen dialogoffenen Mann.

Wie der Generalvikar der römisch-katholischen Diözese Johann Dirschl das umriss: „Wir hoffen, dass ein Nachfolger mit derselben Einstellung zur Ökumene kommt. Es ist sehr wichtig, dass die beiden großen Kirchen brüderlich zueinander sind; nur zusammen kann man Antworten auf gemeinsame Probleme in der Welt geben.“

Und der Bischof der griechisch-katholischen Diözese Lugosch Alexandru Mesian erinnerte sich in schönen Worten des verstorbenen Metropoliten: „Metropolit Nicolae Corneanu war ein Modell, was die Ökumene betrifft und der Vorreiter in diesem Landesteil, nicht nur in Theorie, sondern auch in der Art des Treffens, des Dialogs, des Respekts vor dem Anderen. Ich hoffe und bete, dass Gott einen Metropoliten schickt, der dem Metropoliten Dr. Nicolae Corneanu ähnlich ist. Nicolae Corneanu war ein Prophet für die Zukunft der Einigkeit der Christen und der interkonfessionellen Beziehungen.“

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