Radfahrer zu mehr Disziplin erzogen

Diebstahl: Kunden sichern ihre Räder mit sehr teuren Schlössern

Freitag, 10. Juli 2015

Bei der Radfahrerkonferenz in Temeswar (v.l.n.r.): Kalliope Silberberg, Gheorghe Niţă, Ionel Iacobescu, Paul Cojocariu und PR-Managerin Angela Drăghia
Foto: Zoltán Pázmány

Temeswar/Timişoara ist eine fahrradfreundliche Stadt. Das beweisen nicht nur die zahlreichen Radwege, die in den letzten fünf Jahren eingerichtet wurden, sondern auch die vielen Bürger, die das Rad als Fortbewegungsmittel im Alltag nutzen. „70 Prozent unserer Kunden kaufen sich ein Rad für den Alltag – die restlichen 30 Prozent nutzen es nur gelegentlich, zum Freizeitvertreib“, sagt Paul Cojocariu, Geschäftsführer von Supreme Bikes. Das Unternehmen, das Fahrräder und Fahrradteile verkauft, veranstaltete vor Kurzem eine Informationsveranstaltung, bei der Vertreter des Temescher Gesundheitsamtes und der Polizei vertreten waren. Im Mittelpunkt der Gespräche befanden sich unter anderem Themen wie „Sicherheit der Radfahrer im Verkehr“ und „Fahrraddiebstahl“. „Wir versuchen, den Radfahrern mehr Disziplin beizubringen“, sagte Kommissar Ionel Iacobescu von der Temescher Verkehrspolizei. Iacobescu betonte, dass zahlreiche Fahrradfahrer die Verkehrsregeln nicht beachten und zum Beispiel nicht vom Fahrrad absteigen, wenn sie über einen Zebrastreifen die Straße überqueren müssen. „Täglich gibt es mindestens einen Verkehrsunfall, in den Fahrradfahrer involviert sind“, sagte der Beamte.

Second-Hand-Räder ohne Herkunftspapiere

Die schlecht angelegten oder zu engen Fahrradwege in Temeswar treiben viele Fahrradfahrer dazu, entweder auf der Fahrbahn oder auf dem Gehsteig zu fahren. „Wir bestrafen sie natürlich nicht, wenn wir merken, dass sie sich auf der Straße der Gefahr aussetzen würden, überfahren zu werden. Wir sind nicht absurd“, sagte Iacobescu, der allerdings auch darauf hinwies, dass es viele Radfahrer gäbe, die durch die Temeswarer Parks fahren, als ob dort die Fahrbahn wäre, und dadurch die Spaziergänger in Gefahr bringen. Auch würden viele keine Lichter an ihren Rädern haben: vorne ein weißes Scheinwerferlicht und hinten ein rotes Rücklicht, wie es das Gesetz vorsieht. Reflektierende Elemente sollten die Radfahrer bei Nacht tragen. Das Tragen eines Helms ist in der rumänischen Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehen.
Ein weiteres Thema, das in den Fokus rückte, war der Fahrraddiebstahl, der laut Aussagen des Chefkommissars Gheorghe Niţă von der Temescher Polizei in den letzten Jahren zugenommen habe. Der Beamte findet, dass das Verkaufen von Gebrauchtfahrrädern auf dem Markt verboten sein sollte, wenn die Verkäufer keine Herkunftspapiere für ihre Fahrräder vorweisen können. „Auch wenn der Preis stimmen sollte: Der Kunde riskiert, ein gestohlenes Fahrrad zu kaufen“, warnte Gheorghe Niţă, der den Käufern rät, zumindest handschriftlich ein Papier mit dem Verkäufer zu unterzeichnen. Es sei nicht leicht für die Polizei, die gestohlenen Räder wieder ausfindig zu machen, denn die Verkäufer zerlegen sie oft in Teile. „Wir raten den Fahrradbesitzern, ihre Räder mit Markierungen zu kennzeichnen, die nur sie kennen. So ist es leichter für uns, die gestohlenen Fahrräder zu identifizieren“, sagte er. Eine landesweite Datenbank der gestohlenen Fahrräder, zu der jeder Beamte Zugang haben sollte, gibt es in Rumänien nicht.

Europäische Mobilitätswoche

„9 von 10 Personen, die bei uns einkaufen, beklagen sich, dass ihr Rad gestohlen wurde“, sagte Paul Cojocariu. „Wir verkaufen seit einiger Zeit Schlösser im Wert von 800-900 Lei“, fügte er hinzu. Cojocariu zeigte am Beispiel Deutschlands auf, wie Räder versichert werden können. „Dort gibt es beispielsweise drei Schlösser, die von den Versicherungsgesellschaften genehmigt sind“, sagte er. Dass trotz Fahrraddiebstahl und teilweise schlechten Radwegen sich immer mehr Temeswarer ein Fahrrad zulegen, ist nicht zu übersehen. Fürs Fahrradfahren werben auch zahlreiche Kampagnen, die in der Stadt an der Bega veranstaltet werden. Neben dem Verein „Verde pentru biciclete“, der sich für die Förderung des Radfahrens und die Einrichtung von Radwegen stark macht, gibt es auch internationale Initiativen, an denen sich die Stadt Temeswar beteiligt. „Eine davon ist die Europäische Mobilitätswoche“, sagte Kalliope Silberberg vom Temescher Gesundheitsamt. „Wir versuchen, einen gesunden Lebensstil zu fördern – und das bereits bei den Kindergartenkindern“, sagte die Ärztin. Die Europäische Mobilitätswoche findet in diesem Jahr vom 16. bis zum 22. September statt.

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