Raed und László

Dienstag, 24. Januar 2012

Am 16. Dezember 1989 war es ein außerhalb seiner Glaubensgemeinschaft obskurer calvinistischer Pastor, von dem die Revolte in Temeswar ausging. Nachdem der Aufstand in der Temeswarer Innenstadt zur Massenbewegung wurde, vergaß man László Tökes, den Anlass. Jetzt ist es ein im syrischen Exil beborener Palästinenser, der nach seinem Medizinstudium in Klausenburg Rumänien zur Wahlheimat wählte.

Raed Arafats offene Opposition gegen das vom Staatspräsident favorisierte Gesundheitsgesetz, das dieser in rücksichtsloser Rammbockmanier durchsetzen wollte, hat die Bürger zu Sympathiekundgebungen für den Gründer und Profi des Notfalldienstes SMURD bewegt. Nun drohen die Sympathiekundgebungen für Arafat zu einer Manifestation der Unzufriedenheit breitester Bevölkerungsschichten auszuarten, verfälscht durch Chaoten, die Anlaß zu Zerstörungen im öffentlichen Raum haben. Und die ansetzende Protestbewegung kompromittieren.


Die Auslöser der Protestbewegungen sind in der Wahrnehmung der Rumänen Fremde („străin“ stimmt nicht mit „Fremde(r)“ überein, hat in seiner linguistischen Sphäre auch Konotationen, die an „feindlich“ grenzen), obzwar sie die rumänische Staatsbürgerschaft besitzen. Beide haben sich den Ruf erworben, tadelfreie Ausüber ihres Berufs zu sein. Und  - vielleicht auch aus diesem Grund – nicht ganz in Berufsausübungsschemata von Rumänen zu passen.


Als Raed Arafat zu Beginn der 90er Jahre den Rettungsdienst SMURD, aufbaute und bei vielen jungen Kommandanten der in Rumänien als Waffengattung staatlich finanzierten Feuerwehr Sympathie genoss, besuchte er auch die Reschitzaer Berufsfeuerwehr und hatte eine Begegnung mit den Vertretern des nordrhein-westfälischen Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB), der von der Staatskanzlei in Düsseldorf beauftragt war, im Banat Hilfsdienste zu organisieren.

Der charismatiosche Palästinenser schaffte es, dass schon zwei Monate später die Feuerwehr in Reschitza mit einer kompletten Rettungsausstattung für den rumänienweit zweiten SMURD-Dienst beschenkt wurde, nicht nur weil der damalige Chef der Staatskanzlei, Wolfgang Clement, ein besonderes Faible für die Feuerwehr hatte. Arafat verstand es, die gleichaltrigen Feuerwehrkommandanten von der Mission und Nützlichkeit eines Rettungs- und Einsatzdienstes zu überzeugen.

Inzwischen auch die Bevölkerung.

Jetzt ist zu erwarten, dass der tapsige Regierungschef Boc, der immer noch glaubt, dass die Protestbewegung nur wegen dem Gesundheitsgesetz startete, oder der bärbeißige Präsident B²sescu, die Proteste notfalls mit Gewalt stoppen, indem sie, wie immer in Fällen, wo sie keinen Ausweg wissen, die „nationale Sicherheit“ anrufen. Wie Ceau{escu seinerzeit, als er von den Temeswarer Hooligans und der Invasion der Fremden und Feinde sprach.

Arafat sagte 1991 das Gesundheitsministerium, es sei nicht normal, dass SMURD-Rettungswagen vor der „Salvare“ bei einem Unfall ankommen. Außerdem sei es inakzeptabel, dass ein Syrier Rumänen rette. So landete schließlich der Rettungsdienst SMURD bei der Feuerwehr.

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