Ratsherren gegen Parkunterführung

Vormachbarkeitsstudie konnte niemend überzeugen

Dienstag, 05. März 2013

Reschitza - Elf Millionen Euro sollte – in erster Lesung – eine Unterführung beim Dragalina-Park im Karansebescher Stadtzentrum kosten, die Ratsherr Ilie Buzescu (PDL) den Kollegen schmackhaft machen wollte, ohne selber allzu viel Ahnung zu haben, was er eigentlich hier durchzusetzen beabsichtigte. Denn laut Aussagen mehrerer Ratsherren hatte er auf Detailfragen unweigerlich die selbe Antwort: „Wenn euch die Sache interessiert, bringe ich die Planer, mit denen ich arbeite, vor den Stadtrat, die haben auf alle Fragen eine Antwort.“

Abstimmen sollten die Karansebescher Ratsherren auf ihrer Tagung vom letzten Wochenende über eine Unterführung, die den kleinen Stadtpark mit seinen gut 150jährigen Platanen und einem durch seine Geschichte bemerkenswerten Denkmal unterqueren sollte, an einer Kreuzung, wo es, seit die nördliche Umgehungsstraße von Karansebsch an der E70/DN6 fertig ist, außer dem spärlichen innerstädtischen Verkehr kaum noch Druck durch Verkehrsflüsse gibt. Trotzdem und trotz der für den städtischen Haushalt enormen Kosten und der zahlreichen vorhersehbaren Folgen hatte die Exekutive der Stadt die Vor-Machbarkeitsstudie den Ratsherren zur Abstimmung vorgelegt. Denn Umweltexperten hatten eine Gefahr für die unter Naturschutz stehenden Platanen erkannt und Experten der Kommunalwirtschaft hatten gewarnt, dass eine solche Unterführung eine Zwangs-verlegung aller Leitungsnetze – Wasser, Kanal, Strom, Gas, Telefonkabel, soweit noch in Betrieb – erfordern würde. Außerdem, sagten die Verkehrsexperten des Rathauses, wäre durch den Bau dieser Unterführung der Zugang der Bewohner von drei Wohnblocks in der Fußgängerzone zusätzlich erschwert, einschließlich zum orthodoxen Bischofsamt Karansebesch.

Bürgermeister Ion Marcel Vela, dessen Haltung zur Frage der Unterführung vor der Tagung des Stadtrats nicht ganz eindeutig war, sagte anschließend: „Die Ratsherren der Stadt sind zur selben Schlussfolgerung gekommen wie wir, die Exekutive des Rathauses: gegenwärtig fehlt einer solchen Investition die Opportunität. Technisch und baumäßig würde ein solches Vorhaben zu viele Probleme schaffen, außerdem sind die Kosten enorm. Ich hoffe, dass derjenige, der die Polemiken zu dieser Frage geschürt hat, nun Ruhe gibt, zumal er es immer vermieden hat, die Finanzierungsfrage zu klären. Schließlich sind wir nicht da, um den Steuerzahlern mittels wissenschaftlich-phantastischer Ideen das Geld aus den Taschen zu ziehen, bloß weil wir das einfach so wollen.“ Ratsherr Buzescu hatte auch während der Tagung des Stadtrats keine schlüssigen Antworten auf Fragen, die Aufklärung forderten und verschanzte sich immer wieder hinter den „Spezialisten, mit denen ich arbeite“, sodass letztendlich auch der Chef der PDL Karansebesch, Alexandru Stănescu, resignierte und meinte: „Eine Straßenunterführung beim Dragalina-Park ist nicht nötig.“

Ion/Ioan Dragalina (16.12.1860 - 9.11.1916) stammte aus einer alten Grenzerfamilie. Sein Vater, Alexandru Dragalina, hatte 1859 seinen Abschied aus der kaiserlichen Armee genommen und war in die Walachei gezogen, wo er zum Staroste (=Administrator) der nordwestlichen Grenzregionen ernannt wurde. Auf Wunsch der Mutter kam der spätere rumänische Brigadegeneral in Karansebesch in deren Elternhaus zur Welt, besuchte die Kadettenschule in Temeswar und die Militärakademie in Wiener Neustadt, wo er sich auch zum Geodäsie-Ingenieur ausbilden ließ. Drei Jahre nach Eintritt ins k.u.k.-Heer nahm er 1887 seinen Abschied und übersiedelte in die Donaufürstentümer, wo er nach der Wende zum 20. Jahrhundert eine steile Militärkarriere erlebte, die ihn über die Stationen des Kommandanten der Infanterieschule Bukarest (als Oberstleutnant, 1908-1911), Kommandant des 34. Regiments Konstanza (Oberst) und Kommandant des 3. Territorialkommandos (Brigadegeneral, 1915) sowie Kommandant der 1. Infanteriedivision (1916, Turnu Severin, Brigadegeneral) und Kommandant der 1. Armee (Craiova, 1916, Brigadegeneral) führte.

Als die Donaufürstentümer nach zweijähriger Neutralitätszeit 1916 an Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg eintraten, hatte Dragalina die Aufgabe, mit der 1. Infanteriedivision den nordwestlichen Grenzabschnitt zwischen dem Argeş-Fluss und dem Eisernen Tor zu sichern, nachdem er vorher die militärischen Befestigungsarbeiten im Prahova-Tal geleitet hatte. Während der deutsch-österreichischen Schiltal-Offensive unter General Paul von Kneussl im Sommer 1916 wird Dragalina in der Nähe des Lainici-Klosters zweifach verwundet. Ein Arm muss amputiert werden, er gelangt ins königliche Militärspital Bukarest, wo er an einer unterwegs, während der Zugfahrt, ausgebrochenen Blutvergiftung stirbt und auf dem militärischen Bellu-Friedhof beigesetzt wird. Nach der Gründung Großrumäniens als Folge der Friedensverhandlungen in den Pariser Vorstädten wird in seiner Geburtsstadt Karansebesch die im Stadtpark stehende bronzene Statue von Kaiser Franz Joseph I. eingeschmolzen und zu einer Dragalina-Statue umgegossen. Seither heißt der Stadtpark von Karansebesch Dragalina-Park. Die Platanen im Stadtpark waren nach den österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 gepflanzt worden.

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