Raubbau am Wald. Auch Naturschutzgebiete betroffen

Große Waldflächen fielen in den letzten Jahren dem Kahlschlag in Rumänien zum Opfer. Jeder weiß davon, doch meistens werden die Informationen darüber verschönert. In offiziellen Berichten heißt es oft, es ginge um „Auslichten von Baumkronen“, in Wahrheit ist es Raubbau pur. Zumindest in Naturschutzgebieten soll künftig eine unabhängige Agentur dem Treiben Einhalt gebieten.

Mittwoch, 22. April 2015

Umweltpolizei und Territorial-Inspektorat für Forstwirtschaft aus dem Verwaltungskreis Karasch-Severin sind nicht vorbeugend gegen die Hinweise von GEC-Nera vorgegangen, so die Meinung in der Umweltorganisation. Im Bild: Ein Blick auf die Gegend um die Naturschutzgebiete im Süden des Banats.

„Aggressionen“ aller Art nennen es Umweltschützer, was in den Naturschutzgebieten geschieht. Dabei ist illegales Abholzen keine Seltenheit. Unser Symbolfoto steht für eine „quasi landesweit übliche Gepflogenheit“, wie GEC Nera die Vergehen am Baumbestand nennt.
Fotos: Zoltán Pázmány

Die einen behaupten, das illegale Abholzen habe nie gänzlich aufgehört, an anderer Stelle wird die Sachlage verschönert dargestellt und den offiziellen Daten auf Ministerebene nach, soll es sich beim Fehlverhalten in Nationalparks zwar um Vergehen handeln, die Zahlen und Daten liegen jedoch im Bereich von Kleinig- und Kleinlichkeiten. Im Umweltverein GEC Nera in Reschitza ist man nämlich kaum im Einklang mit dem, was auf der offiziellen Schiene zum Besten gegeben wird. Da vermutet man, dass die Verwaltung der Naturschutzparks sich erwartungsgemäß an die Auflagen, der ihr übergeordneten Behörde hält, und das sei die Forstbehörde Romsilva mit ihren wirtschaftlichen Interessen, sagt Cornel Popovici Sturza der Banater Zeitung.

Grundsätzlich wird von unabhängigen Insidern vor Ort behauptet, dass das mit „Fehlverhalten“ abgetane Handeln in den Wäldern immer noch irgendwo zwischen massivem Abholzen und Kahlschlag liegt. Auf solche Hinweise reagierend, hatte der Abgeordnete des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Ovidiu Gant, eine Parlamentarische Anfrage zur Situation an die Ministerin für Umwelt, Wälder und Gewässer, Gratiela Leocadia Gavrilescu, gerichtet. Auch der Vorschlag zur Gründung einer unabhängigen Verwaltungsstruktur für geschützte Areale kommt vom Abgeordneten der deutschen Minderheit.

 

Belangloses in den Berichten

An der Grenze zum Nationalpark Semenic – Karasch-Klamm, seien zwar Bäume abgeholzt worden, doch seien diese sowohl unter Einhaltung der Gesetzgebung von Forstanlagen als auch der spezifischen Umweltauflagen erfolgt, so die Informationen an die Ministerin. Die Parkverwaltung behauptet, die getätigten Abholzungen erfolgten in der Zone der „Nachhaltigen Konservierung“ und in der Grenzzone zum Park, wo laut Gesetz von keiner illegalen Abholzung die Rede sein könne. „In diesem Sinne weisen wir auch darauf hin, dass der Managementplan, der die Zonenbegrenzung sichert, nicht genehmigt ist. Somit kann dieser auch nicht als Grundlage für die Reglements gelten“, heißt es unter anderen im Antwortschreiben der Ministerin an Ovidiu Gant.

Gemischte Kontrollen haben laut Ministerium ergeben, dass Forstanlagen in der Gegend gerade daran waren, ihre Umweltgenehmigungen einzuholen. Für die diesbezüglichen Verzögerungen wurden Sanktionen verhängt. In anderen Teilen haben regelkonforme Abholzungen stattgefunden. Was das vermerkte Waldschlagen im Naturschutzgebiet der Gârlistei-Klamm betrifft, sei auch hier kein regelwidriges Verhalten erkannt worden, sondern alle Tätigkeiten haben den Zulassungen entsprochen, heißt es. Im Gebiet nahe der Stadt Orawitza/ Oravita sei es um fünf Bäume gegangen, die jedoch außerhalb des Naturreservates standen.

Für Baumschlag in der Gegend Celnic – Marghitas hat das Ministerium auch genaue Daten auf Lager, doch diese grenzen wegen ihrer geringen Menge ans Unwahrscheinliche: Vermerkt wurden in den  Berichten 1,2 Kubikmeter Holz, die 14 Baumstümpfen und einem Wert von etwa 420 Lei gleichkommen.

 

Umweltorganisation: Situation gravierend

„Stop den Abholzungen“, heißt das Projekt von GEC Nera, um in den Wäldern des Südbanats im Bereich der Naturparks das unkontrollierte Holzschlagen zu unterbinden. Auf ihren Kontrollgängen haben die Mitglieder der Umweltorganisation GEC Nera am und im Nebenfluss Semenic im Weichbild der Gemeinde Franzdorf/ Valiug eine Menge Unregelmäßigkeiten feststellen können. Die Eingriffe der Umweltorganisation beginnen bei Vergehen von ausgelassenen Wanderern und enden bei fahrlässigen aber auch mutwilligen Eingriffen in den Baumbestand der Naturreservate. Nicht zuletzt lassen die Behörden oftmals die Zügel gehörig schleifen und scheinen eher mit den Verwaltern der Naturparks, mit Forstämtern und mit den Firmen, die Wald schlagen, gemeinsame Sache zu machen. So hält GEC Nera fest, dass zwischen der Sfânta Elena-Höhle und dem Kloster Calugara in die Baumrinden allerlei Slogans und sogar obszöne Ausdrücke eingeritzt sind. Die zum Teil blockierten Zufahrtswege am Semenic-Fluss, die wenig umsichtig angelegten Forstwege und Baumstämme im Flussbett gehören weitgehend zu den Mängeln allein in diesem Teil des Gebietes. Vor allem die sorglos deponierten Baumstämme im Wasserlauf gelten dem neuesten GEC-Bericht (von November 2014) nach als eine große Gefahr, denn die Stämme könnten weggeschwemmt in den Dörfern die Brücken verstopfen und für Überschwemmungen sorgen. An der Sachlage habe sich seit November nichts zum Guten gewendet, heißt es bei GEC Nera.

Im Bericht der Umweltorganisation um Cornel Popovici Sturza wird außerdem festgehalten, dass die Markierungen nicht mehr identifiziert werden, was vermuten lässt, dass Abholzungen auch bis in die geschützten Areale vorstoßen. Zwar habe GEC Nera auf all die Unzulänglichkeiten und Mängel in ihrem Bericht an die zuständigen Behörden hingewiesen, doch in vielen Aspekten seien offene Fragen im Raum stehen geblieben. In der Antwort an die Umweltorganisation heißt es, im Nationalpark würde nicht abgeholzt und das herumliegende Holz müsse letztendlich von den Waldarbeitern weggebracht werden. Trotzdem sieht GEC Nera Nachholbedarf, was die Antworten auf Fragen nach der Verletzung des Forstgesetzes und den umweltfreundlichen Umgang mit Gewässern betrifft. Um jedwelchen Spekulationen und Vermutungen entgegenzuwirken müssten die Randmarkierungen des Parks identifiziert und die Datenbanken aktualisiert werden. Weil dazu auch der Managementplan des Nationalparks Semenic nicht durch eine Ministerverordnung abgesegnet ist, „kann das Gesetz beliebig interpretiert werden“, so der Bericht der GEC Nera-Umweltorganisation.

 

DFDR-Abgeordneter mit Lösungsvorschlag

Oftmals würde eine Entschlossenheit fehlen, und die Behörden eruieren sich nicht selten in Anwälte der Parkverwalter, der Grundstückseigentümer und der Unternehmen mit Recht auf Abholzen. Nicht zuletzt habe die Weitergabe der Parkaufsicht von Romsilva an die Verwaltung der Parks zu Unterordnung der Parkverwaltungen geführt, was dazu führte, dass „sich auch die Parkaufsicht durch Presseerklärungen zu Anwälten der Forstbehörde im Falle der Vergehen am Baumbestand macht, so Cornel Popovici Sturza.

Trotz dieser Engpässe und Mängel sieht der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Gant – der damit den Stein neu angestoßen hatte – gute Perspektiven, die Situation zu ändern. Ministerin Gavrilescu hat nämlich in einem Schreiben an den Parlamentarier betont, dass eine unabhängige Agentur gegründet werden soll, die in Zukunft für Naturschutzgebiete zuständig zeichnet. „Dadurch wird der derzeit existierende Interessenkonflikt abgeschafft“, sagt Ovidiu Gant. Dies ist, seiner Meinung nach, der richtige Weg, das Problem unter Kontrolle zu bekommen. Man könne dabei das in Deutschland so ähnlich funktionierende Modell, übernehmen und „wir können dazu das notwendige Wissen vermitteln“.

 

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