„Raubbau gibt es im Bergland keinen“

Romsilva verneint im Präfekturkollegium alle Beobachtungen der Umweltschützer

Mittwoch, 05. Oktober 2016

Unter Schutz stehende Wälder müssen quasi ihrem Schicksal überlassen werden, da ist auch elementarstes forstwirtschaftliches Eingreifen, etwa Säuberungsschläge oder Entfernen umgestürzter Bäume, untersagt.

Auf der jüngsten Tagung des Präfekturkollegiums Karasch-Severin erdreisteten sich die Vertreter der staatlichen Forstbehörde Romsilva, jedwelchen Raubbau in den Wäldern des Banater Berglands, vor allem aber in den geschützten Räumen, kategorisch zu verneinen. Sowohl die Massenmedien als auch die im Bereich Naturschutz tätigen NGO´s verbreiten laut Romsilva böswillige Falschnachrichten und besudeln dadurch Ruf und Namen der staatlichen Forstbehörde, wissentlich und absichtlich. So zumindest Dan Cîmpan, der Handelsdirektor der Forstdirektion Karasch-Severin in seiner Stellungnahme, als Präfektin Floren]a Albu, die sich als gut dokumentiert in diesem Fachbereich erwies, einige gezielte Fragen nach dem Raubbau in den Naturschutzgebieten des Verwaltungskreises Karasch-Severin stellte.

Die Antwort des Holzverkäufers Cîmpan, in etwa: „Die öffentliche Meinung hat das Recht, jedwelche Meinung zu äußern. Das heißt aber nicht, dass jedwelche Behauptung im öffentlichen Raum notwendigerweise auch wahr ist. Wir erlauben es uns nicht, illegale Holzeinschläge zu genehmigen oder zu tätigen, und die Holzunternehmer können nicht mit ihren Geräten in die Wälder, wenn sie dazu keine Genehmigung haben. Die Autorisierung folgt der jeweilige Forstamtsleiter aus. Hat er keine Genehmigung ausgefolgt, ist jedwelcher Holzeinschlag illegal. Und was in den Medien erschienen ist bezüglich Holzeinschlag - nichts davon kann bestätigt werden! Auch nicht, was GEC Nera behauptet. Im Naturschutzgebiet Nera-Schluchten – Beu{ni]a-Wasserfälle, eine konkrete Situation, kann kein illegaler Holzeinschlag bestätigt werden.“

László Kokovits, der Chef der Dienststelle für die Bewachung und den Schutz der Wälder bei Romsilva, schlug in die selbe Kerbe: „Da wird etwas verwechselt. Das Gesetz erlaubt nämlich, auch in geschützten Arealen Bäume zu fällen, unter gewissen Einschränkungen. Nämlich Bäume, die auf dem Gebiet der Naturschutzgebiete stehen, aber nicht innerhalb der streng geschützten Areale. Nur dort sind Holzernten streng verboten. Diese Areale zu unterscheiden, dazu bedarf es des Fachmanns. Und der klaren Abgrenzung. Die haben wir.“

Im Banater Bergland verwaltet die staatliche Forstbehörde 324.000 Hektar Wälder, von denen rund ein Drittel, 112.000 Hektar, auf die vier Naturschutzgebiete (Naturparks) des Südbanats entfallen. Die Ökologengruppe für Zusammenarbeit Nera (GEC Nera) hat wiederholt die Präfektur auf Fälle von Raubbau in diesen vier Naturparks aufmerksam gemacht und immer wieder auch die Medien über solche Fälle verständigt, die in der Regel per Video- und Fotodokumentation untermauert werden, sowie durch Augenzeugenberichte. Jedes Mal kommt von Romsilva postwendend die Verneinung der Illegalitäten.

Cornel Sturza-Popovici, ein Jurist und ehemaliger PN}CD-Abgeordneter (1996-2000), der GEC Nera als Geschäftsführer leitet, wies auf der Tagung des Präfekturkollegiums darauf hin, dass nach wie vor die staatliche Forstbehörde sich hinter der Schwammigkeit der Abgrenzungen der einzelnen Areale eines Naturparks versteckt, wenn sie illegale Genehmigungen zum Holzeinschlag vergibt, indem Romsilva systematisch die Verabschiedung eines Managementplans der Naturparks durch das Ministerium für Umweltschutz, Gewässer und Wälder hintertreibt. Die Ungewissheit und Unklarheit komme den reinen Wirtschafts- und Profitabsichten – zuungunsten der Nachhaltigkeit und des Schutzes erhaltenswerten genetischen Materials – der staatlichen Forstbehörde entgegen.

Cornel Sturza-Popovici: „Die Frau Ministerin Palmer war vor knapp einem Monat im Banater Bergland. Bis in den Naturpark Nera-Schluchten – Beu{ni]a-Wasserfälle ist sie aber nicht gelangt. Wollte wohl nicht bis da hin kommen. Und auch nach dem Besuch haben wir immer noch keinen Managementplan für den Naturpark. Romsilva mauert erfolgreich. Ihr Interesse besteht darin, je mehr Holz von dort zu schlagen, so lange alles unklar gehalten wird und bevor der Managementplan verabschiedet ist. Wir schützen momentan ja bloß zum strengen Schutz vorgeschlagene Parzellen. Es stimmt schon, dass sie noch nicht gesetzlich unter Vollschutz stehen, so lange kein Managementplan unterzeichnet ist. Aber wer hintertreibt das denn? Nicht doch Romsilva?! Und wenn man die Verwaltungen der Naturparks sich genau unter die Lupe nimmt: erst mal kommen alle in der Verwaltung Tätigen von Romsilva, zum zweiten sind sie die besten Anwälte der Holzschläger - ´Advokaten von Romsilva` sollten sie genannt werden. So werden eben weiterhin schützenswerte Wälder gefällt und keiner ist schuld daran!“

Kommentare zu diesem Artikel

Peter, 05.10 2016, 12:05
Mich verwundert immer wieder wie sich rumänische Organisationen anstellen. Dabei ist es doch so einfach: Hinfahren, prüfen und rechtssicher dokumentieren. Wenn sich der Holzeinschlag als illegal herausstellt muss Anzeige erstattet werden, das kann jeder Bürger machen. Da Frau Ministerin in dieser Sache nur Desinteresse zeigt, lässt es die Vermutung zu das hier eine illegale Beziehung oder ein Interessenkonflikt besteht.

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