„Raum schaffen, neue Projekte im Club durchzuführen“

Gespräch mit Peter Hochmuth, dem Präsidenten des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs „Banat“

Mittwoch, 30. März 2016

Die deutschsprachigen Investoren aus dem Banat kommen regelmäßig zusammen, um über aktuelle Probleme und Herausforderungen zu diskutieren.

Peter Hochmuth leitet seit zwölf Jahren den DWC „Banat“ mit Sitz in Temeswar
Fotos: Zoltán Pázmány

Er ist der neue-alte Präsident des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs „Banat“: Peter Hochmuth hat seit kurzem einen neuen Vorstand an seiner Seite, der aus den Unternehmern Christian von Albrichsfeld (Continental), Ioana Haţegan (von der Anwaltskanzlei Haţegan), Andreea Kremm (Netex Consulting), Daniel Marcu (ecoplus Niederösterreich), Rolf Maruhn (Konsul Deutschlands in Temeswar) und Werner Wolff (Banat Car) gebildet ist. Wie sich der DWC seit seiner Gründung entwickelt hat bzw. was er sich für die Zukunft vornimmt, verrät Clubpräsident Peter Hochmuth in folgendem Interview.

 

Sie wurden vor Kurzem erneut zum Präsidenten des Deutschsprachigen Wirtschaftsclubs „Banat“ (DWC)  gewählt. Was nehmen Sie sich für dieses Mandat vor?

Dass sich der Wirschaftsclub, der sich seit seiner Gründung sehr gut entwickelt und sich einer sehr guten Reputation in der Region, im Land und in unseren Heimatländern erfreut hat, positiv weiterentwickelt. Dass wir den Kollegen Raum schaffen, neue Ideen zu entwickeln und neue Projekte im Club durchzuführen. Wir haben nun einige Neumitglieder im Vorstand.

Sie hatten in diesem Jahr erstmalig einen Gegenkandidaten, es gab auch eine sehr gute Wahlbeteiligung, denn 126 von den 159 zahlenden Mitgliedern waren bei der Voll- und Wahlversammlung dabei. Sie haben schließlich mit einer knappen Mehrheit gegen den IT-Unternehmer Michael Bullert die Wahl für sich entschieden. Inwiefern wird das einen Einfluss auf Ihr zukünftiges Wirken als Präsident haben?

Die Wahl ist jetzt vorbei. Ich habe mich gefreut, dass sich erstmalig mehrere Mitglieder um das Amt des Präsidenten bzw. um einen Platz im Vorstand beworben haben. In den vergangenen Jahren war das immer umgekehrt, wir mussten die Mitglieder ansprechen, sich zur Verfügung zu stellen, denn das ist ein ehrenamtliches und sehr zeitaufwändiges Amt. Jetzt wollen wir sehen, dass wir mit den neuen Ideen etwas anfangen.

Seit fast 15 Jahren gibt es den DWC in der Region. Sie selbst leiten den Club seit zwölf Jahren. Wie hat sich die Dynamik des Clubs im Laufe der Jahre geändert?

Wir hatten immer die gleiche Dynamik. Wir haben immer versucht, neue Ideen zu entwickeln, gerade aus der Mitgliederschaft -  Platz für neue Ideen zu schaffen. In den letzten Jahren hatten wir ein großes Projekt, das wir ausbauen wollen: Es geht um das Berufsschulwesen nach deutschem/österreichischem/Schweizer Vorbild. Dieses Projekt hat viele unserer Ressourcen, Zeit und Kräfte beansprucht, sodass wir vielleicht weniger andere Projekte gemacht haben. Auf der anderen Seite, wenn ich mir gerade die letzten zwei-drei Jahre anschaue, waren genug andere Projekte auch noch da. Frau Ramona Lambing hat die Arbeitsgruppe „Tourismus“ ins Leben gerufen und diese wunderschöne Broschüre geschaffen, die mittlerweile in der dritten Auflage ist. Frau Ioana Haţegan hat den Wiener Ball ins Leben gebracht. Herr Valerian Laval hat den Studiengang Wirtschaftsinformatik gegründet. Es hat sich eigentlich viel getan im Club. Wir haben auch das Oktoberfest nach Temeswar geholt. Es kommt immer darauf an, wie sehr sich die Mitglieder involvieren, und ich habe es schön gefunden, dass stets welche auf uns zugekommen sind.

Wie haben sich die Diskussionsthemen bei den regelmäßigen Treffen der Clubmitglieder im Laufe der Zeit verändert?

Die Themen haben sich teilweise geändert. Als ich nach Rumänien kam, war ein großes Thema der Zoll. Mit dem Eintritt Rumäniens in die EU im Jahr 2007 ist das weggefallen. Die Themen mit dem Finanzministerium werden mittlerweile auch nicht mehr so viel besprochen. Die Mehrwertsteuerrückzahlung läuft noch nicht wie, zum Beispiel, in Deutschland, aber sie läuft deutlich besser als vor zehn Jahren. Ein neues, viel diskutiertes Thema ist aktuell der Mangel an Arbeitskräften. Ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen, ist die Möglichkeit, Arbeitskräfte aus Serbien hierher zu holen. Ein weiteres Thema ist der Mangel an Facharbeitern, das wir durch das Projekt „Berufsschule“ mittel- und langfristig beheben wollen.

Stichwort „Duale Berufsausbildung“: In Temeswar scheint es damit gut voranzugehen. Und trotzdem: Wo gibt es noch Nachholbedarf?

Wir sind immer noch in der Pilotphase. Wir haben jetzt drei verschiedene Berufsbilder, aber das ist herzlich wenig. Es gibt ungefähr 150 Schüler in den verschiedenen Klassen. Im Club haben wir an die 160 Mitglieder – der Bedarf an ausgebildeten Arbeitskräften ist also gewaltig. Dieser Bedarf ist nicht nur in der Industrie da, sondern, zum Beispiel, auch im Tourismusbereich, in der Gastronomie, im Handwerksbereich. Ich habe mit Bäckereibesitzern gesprochen – die sind verzweifelt, weil sie keine Bäcker haben. Mit unserem Projekt geht es in Richtung deutsches Berufsschulwesen, aber es ist noch ein weiter Weg bis dahin. Wir haben das Gefühl, wenn wir das nicht selbst vorantreiben, dann macht das niemand. Von der staatlichen Seite sind wir froh, wenn wir nicht behindert werden, denn DIE große Unterstützung haben wir nicht.

Sie haben die Zahl der Mitglieder erwähnt – es sind fast 160 zahlende Mitglieder im Club, das bedeutet also sehr viele Arbeitnehmer. Der DWC ist eigentlich auch eine politische Macht. Inwiefern wurde diese Macht bisher ausgenutzt?

Der DWC könnte eine Macht sein, wenn jemand auf uns hören würde. Die Politiker hier, die interessiert so etwas nicht. Wir haben das intern schon oft genug diskutiert. Ich habe es auch gesehen, wenn große Firmen, mit vielen Arbeitnehmern, Politiker einladen: Die kommen nicht oder machen einen kurzen Höflichkeitsbesuch und verschwinden wieder. Es interessiert sie einfach nicht. Es ist traurig, aber das ist unsere Erfahrung. Wenn wir dann mit Arbeitsplätzen argumentieren wollen, das interessiert sie doch gar nicht. Momentan sind sie ein bisschen vorsichtiger, denn die Antikorruptionsbehörde DNA ist aktiver geworden. Ich hoffe, es wird mit der Zeit besser. Sicher versuchen wir unser Gewicht bei der Politik, bei den Behörden darzustellen. Die wissen es auch genau. Aber, wie gesagt, es interessiert sie kaum. Das habe ich bei vielen persönlichen Gesprächen und Besuchen immer wieder beobachten müssen. Dieses Argument kommt bei der Politik immer noch nicht an.

Welches ist das Verhältnis zwischen den kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) und den Großbetrieben im Club? Inwiefern sind diese Seiten durch den neuen Vorstand vertreten?

Das ist so eine Definitionssache. Wenn man die rumänische Definition, die fürs Finanzamt zählt,  nimmt, dann haben wir sehr viele Großbetriebe im Club. Wenn wir aber die Definition hernehmen, die in unseren Heimatländern gebraucht wird - dort bezeichnen sich Betriebe mit 10-20.000 Mitarbeitern als mittelständische - dann haben wir nur eine Handvoll Großbetriebe. Ich persönlich gehe davon aus, dass wir nur eine Handvoll Großbetriebe haben und die große Masse aus KMU gebildet ist. Die KMU sind im jetzigen Vorstand gut vertreten und waren auch im vorigen gut vertreten. Wir haben versucht, im Vorstand immer eine Ausgewogenheit zu haben: dass Großbetriebe und KMU, dass die verschiedenen Branchen, unsere Herkunftsländer und Rumänien vertreten sind.

Inwiefern gibt es eine Zusammenarbeit bzw. einen Austausch zwischen den verschiedenen deutschsprachigen Wirtschaftsclubs in Rumänien?

Wir treffen uns mindestens ein Mal im Jahr. Das ist im Januar bei der Handelskammer in Bukarest. Dieses Jahr gibt es einen Vorschlag, dass wir ein zweites Treffen der Clubs in Temeswar organisieren. Die Zusammenarbeit ist gut, nur durch die Entfernungen treffen wir uns zu wenig. Wir kennen uns aber gut und unterstützen uns gegenseitig. An diese Zusammenarbeit müssten wir noch arbeiten. Es geht auch um das Thema der Datenbanken, um eben mit Hilfe des Instruments Internet besser zusammenzuarbeiten zu können.

 

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