Rechtsstreit um E-Mail-Prüfung und Deutschlandkritik

Verweigerter Lehrauftrag: Professor gilt als diskriminiert

Donnerstag, 19. Juni 2014

Temeswar - Der Rechtsstreit um den Lehrauftrag von Radu Golban an der deutschen Abteilung für Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen an der Temeswarer West-Universität ist auch nach dem Urteil des Nationalrats zur Bekämpfung der Diskriminierung (CNCD) nicht beigelegt. Der ehemals auf Honorarbasis mit befristetem Vertrag eingestellte Golban wurde nämlich von der Behörde als diskriminiert eingestuft, da die Uni ihm ab Herbst 2012 die Zusammenarbeit gekündigt hatte. Dies sei die Antwort auf seine publizistische Tätigkeit gewesen, sagte Golban. Im Gegenzug reichte er im Juli vergangenen Jahres seine Diskriminierungsklage ein, erhielt von Kurzem recht und deutet an, dass er mit diesem Urteil vor Gericht gehen und auf Schadensersatz klagen könne. Eine Entscheidung, wie er weiter vorgehen werde, wolle er erst nach einem diesbezüglichen Gespräch mit seinem Anwalt treffen, so Golban. Die Uni selbst wurde nach dem Urteil vom Anti-Diskriminierungsausschuss mit einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Lei belegt. „Wir erwarten eine offizielle Benachrichtigung in dieser Hinsicht, um uns dann zum Urteil der CNCD zu äußern“, sagte Florin Jurcă, Sprecher der West-Universität Mediafax gegenüber.

Geklagt hatte der in St. Gallen lebende Golban, da seiner Ansicht nach  seine kritischen Artikel über Deutschland den Ausschlag gegeben haben, dass eine Zusammenarbeit mit der Temeswarer Uni unerwünscht war. Der Rektor der West-Universität, Marilen Pirtea, hingegen behauptet, die Beendung des Lehrauftrags habe didaktische und administrative Hintergründe und „gar keinen Bezug zur publizistischen Tätigkeit“ von Radu Golban. Die Uni habe einfach beschlossen, die freien Stunden an die angestellten Lehrkräfte zu vergeben und so auf Golban, der auf Honorarbasis beschäftigt war, zu verzichten. „Externe Mitarbeiter werden für je ein Jahr oder ein Semester verpflichtet“, erklärt Rektor Pirtea die Tatsache, dass die Uni die Zusammenarbeit mit Golban aufheben konnte. Aber auch gegen die didaktischen Methoden von Golban hat Pirtea einiges einzuwenden. Der Rektor wies darauf hin, dass der in Modulen und an Wochenenden vorgetragene Lehrstoff bei den Studenten nicht gut angekommen sei und schon gar nicht die Prüfungsmethoden von Golban, der seine Studenten über E-Mail aus der Ferne prüfen ließ. Pirtea dazu: „Die Fakultät wünscht sich keine Zusammenarbeit aus der Ferne“.

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