Reden, Zitate, Statements

Teilnehmer am Heimattag der Banater Schwaben 2018 in Ulm kommen zu Wort

Mittwoch, 06. Juni 2018

Dr. Johann Fernbach, DFDB-Vorsitzender: Die Heimattage sind Feste der Begegnung mehrerer Generationen, sie dienen dem Austausch mit unseren Freunden und Partnern in Deutschland und Rumänien. Es ist aber auch ein Anlass zur Erinnerung, die farbenfrohen Volkstrachten anzulegen, uns in unserer Mundart auszutauschen, zu beten, aber auch Pläne für die Zukunft, hier und Deutschland, aber auch in der Heimat Rumänien zu schmieden und nicht zuletzt unseren Kindern zu erzählen, wie es einmal war.

Damit komme ich zu einem Aspekt, der mir sehr am Herzen liegt, nämlich die Weitergabe an die junge Generation des Wissens über unsere Gemeinschaft, über Ihre Geschichte und ihr Wirken im Banat.

Auch wenn sie nicht im Banat geboren wurden, oder bereits als Kinder mit ihren Eltern ausgewandert sind, sollen sie so viel wie möglich über ihre Wurzeln erfahren, und dieses Wissen - Sprache, Lieder, Tracht und Traditionen - weiter tragen. Das ist einerseits eine schöne Aufgabe, andererseits ist es aber auch eine Verantwortung im Hinblick auf die Zukunft unserer Gemeinschaft.

Die Geschichte der  Banater Schwaben ist eine wechselvolle, sie ist eingebettet in der Geschichte unseres Kontinents. Fast 300 Jahre ist es her, dass die ersten deutschen Siedler ins Banat kamen. Sie waren auf der Suche nach einem besseren Leben. Es sollte aber eine lange Zeit dauern, bis dieses bessere Leben eintreten sollte. Ein bekannter Spruch heißt in diesem Zusammenhang: „Zuerst der Tod, dann die Not und zuletzt das Brot“. Auch die Banater Deutschen gerieten später in den Strudel der Geschichte, mitgefangen in zwei mörderische Weltkriege und deren dramatische Konsequenzen: die Enteignungen und die Deportationen in die Sowjetunion sowie in die Baragan-Steppe.

Die Konsequenz der Wirren der Geschichte war die massive Auswanderung, die in den 1980er und Anfang der 1990er Jahre, im Zuge der Wende von 1989, ihren Höhepunkt erreichte.

Als Beleg ihrer Präsenz im Banat stehen heute in der alten Heimat zahlreiche Zeugnisse deutscher Kultur: Städte und Dörfer mit ihrem typischen Charakter, die Kirchen, und vor allem ein gewisser Geist, der die Landschaft entscheidend geprägt hat. Der Weggang der Deutschen wird heute in Rumänien als ein großer Verlust gesehen, was ein Zeichen der Anerkennung der Rolle unserer Gemeinschaft in der Heimat darstellt.

Auch wenn heute im Banat die Zahl der Deutschen stark zurückgegangen ist, tun wir, das Demokratische Forum der Deutschen im Banat, unser Möglichstes, um das reiche Kulturerbe, das von unseren Vorfahren geschaffen wurde, zu erhalten. Sie, die Banater Schwaben, die heute in Deutschland leben, leisten einen wichtigen Beitrag, um diese Arbeit zu unterstützen. Dafür sind wir dankbar und wissen es sehr zu schätzen.

Zur Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland pflegen wir enge und intensive Beziehungen, stehen im engen Austausch. Dafür sei dem Vorstand der Landsmannschaft und den vielen engagierten HOG-Vorsitzenden herzlich gedankt.

 

Peter Dietmar Leber, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben: Es war eine Veranstaltung für jung und alt, mit sehr interessanten Begegnungen. Heute Morgen habe ich mich von Landsleuten verabschiedet, die in Dortmund leben und aus Glogowatz stammen. Sie waren zum ersten Mal bei einem Heimattag der Banater Schwaben dabei. Sie waren sehr angetan und haben gesagt, sie würden gerne in zwei Jahren wieder kommen. Ähnliche Aussagen habe ich von vielen anderen Gästen gehört und das hat mich mit großer Freude erfüllt. Wir haben bei diesen Heimattagen eine starke Präsenz der Jugendlichen gehabt, die aus allen Teilen Süddeutschlands angereist sind. Dazu kamen die Gruppen aus dem Banat, die ein sehr schönes Programm aufgeführt haben. Die Kinder und Jugendlichen haben dem Heimattag ein ganz besonderes Gepräge gegeben. Wir haben festgestellt, dass die vielen Seminare mittlerweile Früchte tragen und eine neue Generation heranwächst, die den Heimattag auch zu ihrem Heimattag macht. Es wurde auch viel geboten: Ausstellungen, ein Konzert, wir waren in der Öffentlichkeit stark vertreten. Das alles ist ein Fundament, auf das wir weiter aufbauen können. Die Würdenträger aus Rumänien und aus Deutschland haben sich positiv über unsere Arbeit geäußert; das alles hat uns mit Genugtuung erfüllt, weil wir dadurch wissen, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Noch wichtiger ist, dass der Heimattag von unsern Landsleuten angenommen und mitgetragen wird. Deshalb bin ich zuversichtlich, was die Zukunft dieser Heimattage betrifft. Die nationalen Minderheiten sind mittlerweile in den Mittelpunkt der europäischen Politik gerückt. Es wird zunehmend erkannt, dass Europa, europäische Vielfalt bedeutet. Diese Vielfalt wird als Wert erkannt. (…) Ich glaube nicht, dass die Minderheiten an den Rand gedrängt werden, sondern ich glaube, dass sie sich ganz bewusst artikulieren können und dass das auch geschätzt wird. Das hat der Heimattag in Ulm gezeigt. Wir müssen also selbstbewusst als Banater Schwaben wirken und auch auftreten. Vielleicht brauchen wir alle etwas mehr Selbstbewusstsein im Auftreten, aber solche großen Veranstaltungen bestärken uns eigentlich.

 

Ralf Krautkrämer, Deutschlands Konsul in Temeswar: Ich überbringe Ihnen heute als deutscher Konsul im Banat gerne auch herzliche Grüße und Wünsche aus der alten Heimat, mit der Sie in vielfältiger Weise in Verbindung stehen und deren Erinnerung sie nicht nur am heutigen Tag pflegen und bewahren. Diese Verbindung zur alten Heimat ist wichtig, denn in der Sprache, den Bräuchen, den Traditionen, der Kunst, der Musik und den Erzählungen des Banat verbirgt sich ein Teil ihrer Identität, etwas, das sie miteinander verbindet, stärkt, unverwechselbar und attraktiv macht.

Für mich war und ist es nicht nur eine berufliche Pflicht, sondern auch eine Herzensangelegenheit, die deutsche Minderheit in Rumänien auch und gerade in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien zu unterstützen, um Sprache, Kultur und damit die kulturelle Identität der Deutschen Minderheit in Rumänien lebendig und zukunftsfähig zu erhalten.

Ich bitte hier aber auch etwas um Nachsicht, denn ich bin noch ein Lernender, da ich erst seit August  meine neue Aufgabe übernommen habe, aber jede Gelegenheit gerne nutze, um meinen schönen Amtsbezirk kennen zu lernen. Wie einige Kolleginnen und Kollegen im Auswärtigen Amt  schon vermutet haben, einer der schönsten Amtsbezirke, die das Auswärtige Amt zu vergeben hat.

Historisch gilt für das Banat bis in die Gegenwart: die Multikulturalität, und Toleranz. Hier wird, wie auch auf Ihrem Fest, Vielfalt gelebt. Das Banat hatte stets eine Brückenfunktion in der Region, zwischen Sprachen und Kulturen. Insbesondere der Deutschen Minderheit im Banat kommt hierbei eine sehr wichtige Rolle zu: sie agiert als Katalysator mit interkultureller Kompetenz zwischen Ländern und Kulturen, speziell natürlich zwischen Deutschland und Rumänien.

Das friedliche Zusammenleben der Ethnien im Banat - und in ihrer Mitte der Deutschen des Banats - ist vorbildlich und wie mir der Historiker Neumann kürzlich erklärte,  etwas ganz Besonderes in der Geschichte des Banats. Die Beliebtheit der deutschen Minderheit und insbesondere der im Wirtschafts- und Kulturleben so aktiven Banater Schwaben  in Rumänien hat auch wesentlich dazu beigetragen, dass in Rumänien ein positives Bild Deutschlands und der Deutschen vorherrscht. Sie sind Mittler, Bindeglied und Katalysator zwischen unseren Ländern und Gesellschaften, und damit Teil unserer gemeinsamen Geschichte.

 

Gunter Czisch, Oberbürgermeister der Patenstadt der Landsmannschaft der Banater Schwaben Ulm: Vor zwei Jahren haben Sie anlässlich Ihren Heimattages auch an die 300 Jährige wechselvolle Geschichte der Banater Schwaben erinnert. Diese Geschichte ist zugleich Teil unserer europäischen Geschichte und unserer Identität als Europäer. Zu ihr gehören auch die schmerzhaften Brüche und Verwerfungen, die es auf unserm Kontinent immer wieder gab.  Vor allem aber ist die Geschichte Europas – wie auch die Geschichte der Banater Schwaben – eine Geschichte von Aufbrüchen, vom Mut, Neues zu wagen sich Niederlagen nicht zu ergeben. (…) Sich solcher Traditionen zu besinnen, ist ein gutes Fundament, auf dem sich die Herausforderungen der Zukunft meistern lassen.

 

Bernhard Krastl, Ehrenbundesvorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben: Seit Jahrzehnten kommen wir, die Spätaussiedler aus dem Banat, hierher an die Donau: Diese Stadt, dieses Ufer und das „Auswanderer-Denkmal“ sind für die Banater Schwaben zum zentralen Ort unseres Gedenkens geworden. Dieses Denkmal  wurde am 9. August 1958 zur Erinnerung an die Auswanderung im 18. Jahrhundert nach Südosteuropa sowie an Flucht und Vertreibung des Jahres 1945 aufgestellt und eingeweiht.  Seit dem Jahr 1962 heißt dieses Ufer vor dem Denkmal offiziell Donauschwabenufer.

Im historischen Rückblick sehen sehr viele Landsleute diesen Platz als den Sammelpunkt unserer Vorfahren für ihre große, schwere, aber hoffnungsvolle Fahrt ins Ungewisse.

Sie alle gingen nicht als Eroberer oder Besatzer nach Südosteuropa – das Haus Habsburg hatte gerufen um einen Landstrich urbar zu machen, ihn zu bewirtschaften und für den Unterhalt der hier stationierten Truppen zu sorgen. Sie hatten diese „neue“ Heimat im Banat gefunden.

300 Jahre später stehen wir hier, als Aussiedler oder Spätaussiedler, zurückgekommen. Die Folgen des zweiten Weltkriegs, die Russlanddeportation, Enteignung und Entrechtung im Banat und die Bărăgandeportation waren einschneidende Ereignisse, die das Weggehen aus dem Banat auslösten. Zurückgekommen in das Land der Väter, mit nicht viel mehr als diejenigen die damals von hier vor fast 300 Jahren weggingen. Alles was man mitnehmen durfte passte in Kisten und die wurden noch akribisch von rumänischen Zöllnern gefilzt.

Die Stadt Ulm und das Land Baden-Württemberg haben vor 20 Jahren (1998) die Patenschaft für die Landsmannschaft der Banater Schwaben übernommen.

Der damalige Ministerpräsident des Saarlandes, Oskar Lafontaine, hat bei der Feier, 30 Jahre Patenschaft des Saarlandes für die Banater Schwaben, dem damaligen Bundesvorsitzenden mitteilen lassen, dass er weiterhin kein Interesse an dieser Patenschaft habe.

Der damalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Erwin Teufel, und der damalige OB von Ulm, Ivo Gönner, haben diese übernommen und ich bin der Meinung – wir hätten keine besseren Paten finden können.

In der Charta der Heimatvertriebenen haben die Vertriebenen und Aussiedler schon 1950 auf Rache und Vergeltung verzichtet und zu Aufbau Deutschlands und eines geeinten Europa aufgerufen.

Die Beziehungen zum Banat und auch zu Rumänien sind vorbildhaft und besonders zu unseren in der alten Heimat verbliebenen Landsleuten sind die Kontakte intensiv und freundschaftlich. Ausdruck für diese Freundschaft ist nicht nur das Einbringen in die sozialen Einrichtungen des Hilfswerks der Banater Schwaben, es sind auch die Kirchweihfeste, Jubiläumsfeiern der Heimatsortsgemeinschaften, Wallfahrten nach Maria Radna, Klassentreffen.

 

Siegfried Mureșan, EU-Parlamentarier: Die Banater Schwaben haben eine sehr bewegende Geschichte – sowohl ihr Weg ins Banat, als auch ihr Weg zurück nach Deutschland. Wichtig ist, die alte Heimat nicht zu vergessen, genauso wie die Integration in der neuen Heimat von Bedeutung ist. Europa bietet da viele Möglichkeiten. Europa ist heute eine Antwort auf die großen Herausforderungen unserer Zeit. Über Sprachunterricht gibt es immer mehr die Gelegenheit, uns untereinander zu verstehen und zu verständigen. Ich glaube, Europa ist gut gerüstet, damit jeder seine eigene Kultur und Sprache pflegen kann.

 

Brigitte Abt, Chormitglied der donauschwäbischen Gemeinschaft aus Entre Rios, Brasilien: Meine Mutter ist noch im sogenannt serbischen Teil des Banats geboren, ich bin bereits in Brasilien auf die Welt gekommen. Wir haben auch hier unsere Sprache und unsere Bräuche erhalten. Bei den Kindern fangen wir damit immer wieder neu an; schon im Kindergarten, mit tanzen, natürlich mit Volkstänzen. Wir feiern auch das Maibaumfest und stellen einen Maibaum auf. Wir haben eine bilinguale Schule und daheim rede mir nor schwowisch. Die Jugendlichen schicken wir in die Großstädte zur Ausbildung und damit sie die Welt sehen. Viele kehren aber zurück in die Siedlung. Da leben heute etwa 3000 Leute deutscher Abstammung.

 

Ingeborg Block-Orso, als Kind aus dem Banat auf der Flucht nach Argentinien verschlagen: und Ich habe mich schon als Kind Schwowin gefühlt. Meine Mutti, die war mehr herrisch, und hat auch nicht die Tracht getragen. Sie war in der Notre Dame. Ich bin bis zum Alter von acht Jahren in einem Dorf mit mehreren Ethnien aufgewachsen. In konnte Rumänisch von den Rumänen. Ungarisch von den Knechten, und schwowisch von den deutschen Kindern. Meine Mutti wollte, dass ich hochdeutsch spreche. Da kam der Kreisleiter Huniar und gab mir Recht, danach hat meine Mutti kein herrisches Wort mehr gehört von mit. Meine Erinnerungen bleiben auch an den rumänischen Dorffesten hängen und nicht zuletzt am süßen Alawitschka, den ich besonders mochte. Als wir am 12. September 1944 wegen Partisanengefahr flüchten mussten – ich war da acht Jahre alt - wurde ich entwurzelt. Ich habe 1941/ 42 in Oberösterreich gelebt und bin da in eine Flüchtlingsschule gegangen. Dann haben uns Verwandte nach Argentinien gebracht. Es war die schlechteste Zeit meines Lebens. Aber es gab kein zurück. Das einzige war die Erinnerung und die Sehnsucht nach dem Banat an die schwowischi Verwandtschaft und an die Traditionen. Ich weiß, viele werden es nicht verstehen, aber ich konnte in fast 70 Jahren keine Wurzeln schlagen. Ich habe mich bloß angepasst. Meine vier Kinder und sieben Enkel verstehen es und akzeptieren mich, wie ich bin. Herzliche Grüße an mein Banat.

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