Regierung: Biozid-Stichproben erweisen sich allesamt als verdünnt

HexiPharma entschuldigt sich und schließt seine Tore

Freitag, 13. Mai 2016

Bukarest (ADZ) - In der Affäre um gepanschte Antiseptika, die in rumänischen Krankenhäusern offenbar schon seit Jahren zum Einsatz kommen, hat die Regierung am Mittwoch nun das Fazit des Zentralinstituts für Chemie ICECHIM bekanntgegeben, das im Auftrag von Premier Dacian Cioloş die Konzentration etlicher Desinfektionsmittel des Unternehmens HexiPharma geprüft hatte. Der Befund der ICECHIM-Experten ist verheerend: Ob chirurgische Seife für präoperative Händedesinfektion, postoperative Desinfektionsmittel für Patienten oder Biozide für die Flächenreinigung – alle 14 untersuchten Stichproben hätten sich als „nicht konform“ bzw. stark verdünnt erwiesen, ein Antiseptika sogar um 2500 Mal, teilte der Staatssekretär im Gesundheitsministerium Victor Strâmbu mit.

Die Regierung handelte entsprechend: Binnen zehn Tagen müssen sämtliche Hexi-Produkte aus den Hospitälern und Kliniken des Landes zurückgezogen werden, so der Staatssekretär, der zusätzlich eine Ausweitung der Untersuchungen auf alle auf dem heimischen Markt vorhandenen Biozide ankündigte. Die Regierung verschärfte zudem die im Biozid-Bereich bestehenden Regelungen. Das umstrittene Unternehmen, das erst tags davor bei einem hauptstädtischen Gericht Insolvenz beantragt hatte, obwohl es de facto Gewinn schreibt, entschuldigte sich am Mittwoch nun erstmals seit Ausbruch des Desinfektionsmittel-Skandals bei seinen mutmaßlichen Opfern. Angesichts „der eben bekanntgegebenen Laborbefunde“ bitte man „alle Patienten und Ärzte, die durch diese Regelwidrigkeiten möglicherweise zu leiden hatten, um Entschuldigung“. Man habe die Produktion eingestellt und schließe ab sofort seine Tore, teilte HexiPharma in einer Pressemitteilung mit. Bei der Generalstaatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen gegen die Firma indes auf Hochtouren: Am Mittwoch wurde Managerin Flori Dinu verhört, nachdem Inhaber Dan Condrea tags davor vorgeladen worden war.

Kommentare zu diesem Artikel

Skeptikus, 15.05 2016, 14:28
Das sind wirklich Schwerverbrecher! Rumänien kommt leider nicht auf die Beine! Ich behaupte, dass 50% des rumänischen Budgets von Politikern, Beamten und öffentlichen Funktionären unter Komplizenschaft privater Betrüger gestohlen wird!
Sraffa, 14.05 2016, 02:09
Sehr wohl wissend um die Konsequenzen der Verdünnungen handelte das verantwortliche Management nicht nur fahrlässig sondern eher vorsätzlich. Es geht hier um Beihilfe zur schweren Körperverletzung mit Todesfolge in vermutlich tausenden Fällen.
Das Management der Firma inkl. einiger Angestellten dieser Firma gehören zuallererst in Untersuchungshaft und befragt
Kritiker, 13.05 2016, 09:35
"HexiPharma entschuldigt sich und schließt die Tore" - das kann doch nicht alles sein. Diese Verbrecher, die mit dem Leben der Menschen gespielt haben und sich immens bereichert haben, gehören vor Gericht und das ergaunerte Vermögen gehört sofort eingezogen! Dieses Geld sollte zur Sanierung des Gesundheitswesens herangezogen werden. Es kann und darf nicht sein, dass diese Gauner lediglich ein oder zwei Jahre eingesperrt werden und danach alle auslachen!
Was muss in Rumänien noch alles geschehen (Colectiv, Desinfektionsmittel, etc.), damit die Bürger endlich aufwachen und das komplette korrupte System zum Teufel jagen?

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