Regierung mit restriktiven Regelungen

Rumänische Wirtschaft fühlt sich eingeengt

Mittwoch, 30. August 2017

Part-Time-Jobs galten in vielen Unternehmen bis vor kurzem als gute Lösung, um die Kosten im Zaum zu halten.
Symbolfoto: Zoltán Pázmány

Die Lohnanhebungen im öffentlichen Dienst und der Anstieg des Mindestlohnes seit Beginn dieses Jahres um 200 Lei beeinträchtige den Privatsektor, sagt Lucian Croitoru, Beirat der Nationalbank in Sachen Finanzpolitik. Um diese Auswirkungen abzufedern müsse im gleichen Rhythmus die Produktion steigen, so Croitoru, zitiert von Mediafax und unter Berufung von Bloomberg. Diese Aspekte würden sich nach Aussagen des Experten der Notenbank negativ auf die Inflationsrate und letztendlich auf das Wirtschaftswachstum auswirken.

Die Kritik von Lucian Croitoru geht klar in Richtung Regierung, die nur kurzfristig denke. Auch wenn das Wirtschaftswachstum die Fünf-Prozent-Marke überschritten habe, sei keinesfalls verfrühte  Euphorie angebracht, so Croitoru weiter. Die zusätzlich anfallenden Ausgaben für Gehälter würden sich negativ auf die verfügbaren Fonds für Investitionen auswirken und in Zukunft das Wirtschaftswachstum bremsen.

Der Nationalrat für KMU behauptet im gleichen Kontext, dass nahezu ein Viertel der Firmen, die er vertritt, seit Oktober 2015 ihre Tätigkeit eingeschränkt oder gar aufgegeben haben. Begonnen habe der Rückgang bei den Klein- und Mittelständlern in dem Augenblick, als die Initiativen zu Lohnerhöhungen angewandt wurden. Der Hauptgrund, warum die Firmen Einschnitte hinnehmen mussten, seien die zusätzlichen Personalkosten, gefolgt von einem Defizit an Arbeitskräften, Bürokratie, höheren Steuern und Korruption.

Die Regierung um Premierminister Mihai Tudose hat nun vielen Unternehmen eine weitere Steuerlast auferlegt. Seit dem 1. August bezahlen Unternehmen, die Teilzeitarbeiter beschäftigen, die Sozialabgaben im Umfang einer Vollzeitstelle entrichten. Dabei sind gerade viele Unternehmen darauf angewiesen, Teilzeitjobs zu vergeben, um den hohen Sozialabgaben zu entgehen.

Temeswarer Unternehmen versuchen nun Halbtagsstellen zusammenzulegen und nur einen Angestellten anstatt zwei zu behalten. So sind die zusätzlichen Sozialabgaben nicht mehr buchstäblich in den Wind gesetzt, heißt es vor allem bei mehreren Kleinunternehmern.

Der Chefinspektor des Temescher Arbeitsamtes, Pavel Kasai behauptet der Banater Zeitung gegenüber, die Maßnahme habe den Hintergrund, die Arbeit in der Grauzone aufzuheben. „Nach in Kraft treten der neuen Regelung macht es keinen Sinn mehr für den Arbeitgeber, Abgaben für zwei Stunden zu leisten, aber den Arbeitnehmer für restliche Arbeitszeit schwarz zu entlohnen“, sagt Kasai. Er gibt zu, dass es schwer sei, allen gerecht zu werden, denn bestimmt gibt es auch Situationen, wo verkürzte Arbeitszeiten gerechtfertigt sind. Noch könnten zusätzliche Details zu den Anwendungsnormen der Regierungsverordnung herausgegeben werden, glaubt der ITM-Direktor Kasai.

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