Reiches Kunst- und Kulturangebot in Kronstadt

Museen locken immer öfter durch zeitweilige Sonderausstellungen

Sonntag, 28. September 2014

Der Kronstädter Marktplatz mit dem alten Rathausgebäude, in dem sich das Geschichtsmuseum befindet.

Die im selben Gebäude liegenden Museen für Kunst und Ethnografie am Rudolfsring bieten immer wieder neue Ausstellungen.

In das mittelalterliche Kronstadt wird man seit einigen Wochen durch eine Wandmalerei im Stadtmuseum „Casa Mure{enilor“ eingeführt.
Fotos: Dieter Drotleff

Kronstadt/Braşov ist reich an Museen. Das Angebot soll trotzdem noch vielfältiger werden – so ist die Einrichtung eines Raumfahrtmuseums geplant, aber auch die bestehenden Museen ergänzen ihre permanenten Schauen immer wieder durch zeitweilige, thematische, gelegentlich auch brisante Ausstellungen. Ein Anziehungspunkt nicht nur für Touristen, sondern auch für Kronstädter , selbst jene, die glauben, ihre Museenlandschaft eigentlich schon ganz gut zu kennen...

Retrospektive Käthe Kollwitz

Seit einigen Wochen schon werden Kunstliebhaber auf die Eröffnung einer aufsehen erregenden Ausstellung aufmerksam gemacht: Eine Retrospektive Käthe Kollwitz (1867–1945), vorbereitet vom Kronstädter Kunstmuseum in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturzentrum Kronstadt, das seine zehnjährige Existenz begeht, und dem Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart (ifa), mit Unterstützung  der hiesigen ausländischen  Unternehmen INA Schaeffler, Eurocopter, Aerotec und Fresenius Kabi. Die Ausstellung, die der deutschen Grafikerin und Bildhauerin gewidmet ist und eine Auslese ihrer Arbeiten bietet, wird in der Zeitspanne vom 2. Oktober bis 30. November zu besichtigen sein.

Es ist nur eine der in diesem Jahr gezeigten zeitweiligen Ausstellungen im Kronstädter Kunstmuseum, das immer wieder Einblicke in das Schaffen bekannter Künstler bietet. In dieser Ausstellungen sind oft auch Ortsfremde anzutreffen, die speziell dafür eine Fahrt in die Stadt unter der Zinne unternommen haben, oder durch Zufall dort weilen und die Gelegenheit zu einer Besichtigung wahrnehmen.

Ausstellungen in Kunst- und Stadtmuseum

Verbleiben wir in diesem am Rudolfsring/Eroilor-Boulevard befindlichen Museum und erinnern an einige der heuer dort organisierten Ausstellungen, unter anderem auch in Zusammenarbeit mit dem Hermannstädter Brukenthal-Museum: Bis Sonntag gibt es noch die Friedrich Mieß-Retrospektive(1854–1935), wo dieser nicht nur als Maler, sondern auch als Fotograf vorgestellt wurde. Anziehungspunkte bildeten auch die Retrospektive zu Katharina Zipser, sowie die Schau „Rumänische Grafik und Aquarelle aus der Zwischenkriegszeit“.

Zahlreiche Besucher verzeichnet das Museum der städtischen Wohnkultur am Marktplatz Nr. 15. Touristen ist dieses nur zu empfehlen, sowohl wegen der ständigen Ausstellung, die Einblicke in das Kronstädter Patriziat bietet, als auch der immer wieder organisierten Sonderausstellungen. In den Sommermonaten stellten Renate Mildner-Müller und ihre Schwester Edith Schlandt „Kalligrafie und figurative Malerei. Renaissance-Kostüme“ aus. Die Schau erfreute sich besonderen Interesses, wie auch die vorangegangenen zu den Themen „Kronstädter Schultraditionen“ und „Die ersten Kronstädter Fotografen und ihre Geräte“. Das Museum, das dem Ethnografie-Museum angehört, bietet zurzeit eine Aquarellsammlung der bildenden Künstlerin Veronica Bodea Tatulea, die Kronstädter Persönlichkeiten darstellt.

Sehenswert rund um den Marktplatz

Befindet man sich auf dem Marktplatz, sollte man sich das Geschichtsmuseum im alten Rathausgebäude nicht entgehen lassen. Die „Geburtsurkunde“ des Rathauses geht auf den 23. Dezember 1420 zurück und wurde von der Burzenländer Distriktversammlung ausgestellt.
Um 12 oder 18Uhr bietet sich zudem die Gelegenheit, die zu diesen Zeitpunkten auftretenden drei Turmbläser anzuhören und Zeuge des Aufmarsches der mittelalterlichen Garde zu werden. Die Kostüme wurden ebenfalls von Edith Schlandt entworfen. Bis dahin kann man einen Kaffee, Kuchen oder Speiseeis auf einer der zahlreichen Terrassenlokale im Umfeld oder in der Fußgängerzone genießen.

Das ebenfalls am Marktplatz befindliche Gedenkmuseum „Casa Mureşenilor“ auf Nr. 25 wartet auch mit einer Neuheit auf. Seit einigen Monaten kann man im Innenhof eine großflächige Wandmalerei betrachten, die Stadtbürger im Laufe der Jahrhunderte in für die jeweilige Zeit spezifischer Kleidung darstellt. Auch gibt es dort eine zeitweilige Gedenkausstellung an den vor zwei Jahren verstorbenen Musiklehrer Ioan Sorin Apan zu sehen. Besonderen Anklang fand sowohl bei den Kleinen,  als auch bei den Erwachsenen, die in diesem Museum gezeigte Ausstellung „Spielzeug um die Jahrhundertwende“. Das Fachpersonal dieser Institution organisiert aber auch immer wieder praktische Kurse, sowohl für Kinder als auch Erwachsene,  beispielsweise in Keramikarbeiten, Stickerei und Malen. Neueste Initiative ist die Einrichtung einer Druckerei wie jene von 1837, als dort die erste rumänische Tageszeitung „Gazeta  de  Transilvania“ gedruckt wurde.

Natürlich wird jeder Tourist oder Stadtbesucher in die Schwarze Kirche eintreten. Die Erklärungen der Reiseführer bieten Einblick in die Geschichte dieses gotischen Domes, erbaut in den Jahren 1383 bis 1516. Doch sollte man nicht die im Sommer dieses Jahres eröffnete Dauerausstellung außer Acht lassen, in der man fachkundig über den Bau und die darin befindlichen Kunstwerke informiert wird.
Interessant ist auch die kürzlich eröffnete ständige Ausstellung im Museum der ersten rumänischen Schule in der Oberen Vorstadt/Schei „Constantin Brâncoveanu und Kronstadt“, in der Bilder, Urkunden und Bücher über den von den Türken vor 300 Jahren mit seinen vier Söhnen geköpften walachischen Fürsten ausgestellt sind.  

Zu empfehlen ist ein Abstecher in das Aldus-Antiquariat am Marktplatz, in dem man nicht nur alte Bücherausgaben in deutscher, rumänischer, englischer und ungarischer Sprache, sondern auch andere Antiquitäten  und neue Werke erwerben kann. Aufschlussreich ist auch ein Besuch in dem Einschenk-Musikinstrumenteladen in der Schwarzgasse, wo die Inhaber Arnulf und Gundel Einschenk ein reiches Angebot an Musikinstrumenten anbieten, sowie fachkundige Informationen.

Die Innere Stadt als Fußgängerzone

Der Großteil der Straßen der Inneren Stadt wurden  in den letzten Jahren zu Fußgängerzonen umgestaltet, sämtliche Oberleitungen wurden unterirdisch verlegt. Eine begrüßenswerte Initiative, die vor allem von Fotografen Anerkennung findet, da man die historischen Gebäude nun ohne „Hindernisse“ fotografieren kann. Und an Baudenkmälern mangelt es nicht. Die alte Stadtmauer und die Wehrtürme sind restauriert worden, können zum Teil besucht werden und beherbergen Informationstafeln oder kleine Austellungen zu den Bauten.

Die in der Weberbastei gelegentlich stattfindenden Konzerte oder Veranstaltungen, darunter der Bunte Abend des deutschen Forums, erfreuen sich immer großer Beteiligung. Die dort untergebrachte Abteilung des Geschichtsmuseums stellt  ein Kleinmodell der Innenstadt mit sämtlichen Wehranlagen zur Schau. Die Abteilung soll neu und anziehender gestaltet werden, wie Museumsdirektor Nicolae Pepene erklärt.

Zu einem weiteren Anziehungspunkt ist der Weiße Turm auf der Warthe geworden, in dem nun gelegentlich  Kunstausstellungen und Vorträge organisiert werden. Der Bau, der aus dem Jahre 1494 stammt, oder sogar von 1460, sowie auch der in der Nähe befindliche Schwarze Turm, gehörte ebenfalls zu den Verteidigungsanlagen der Stadt und zieht zahlreiche Touristen an. Nicht zu vergessen das Schloss am Schlossberg, ebenfalls eine Verteidigungsanlage aus dem Mittelalter, das heute eine im mittelalterlichen Stil eingerichtete Gaststätte beherbergt.

Ein weiterer Tipp ist der Besuch der Synagoge in der Waisenhausgasse. Seit ihrer Restaurierung erstrahlt sie innen und außen in neuem Glanz. Heuer wurde am Hof der Synagoge  ein Mahnmal für die jüdischen Holocaust-Opfer aus Nordsiebenbürgen eingeweiht.

Den Besuch der Bartholomäer Kirche, die allerdings nicht zur Inneren Stadt gehört, dem ältesten Sakralbau Kronstadts, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Kürzlich wurde ein Kunstführer in deutscher und rumänischer Sprache herausgebracht, der dem Besucher fachkundig Details über den Bau, die Orgel und die gesamte Anlage bietet.

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