Reise durch den Oman

Trutzige Wüstenburgen, tropische Oasengärten und moderner Alltag

Donnerstag, 13. November 2014

Stattliche Burgen zeugen von historisch bedeutender Vergangenheit

Der Sultanspalast Qasr al-Alam, die Residenz des Sultans Qabus von Oman

Oasenlandschaft mit wasserführendem Wadi: Wadi hat eine ähnliche Bedeutung wie das rumänische Wort vad (George Coşbuc: „In vaduri ape repezi curg…“/Mama/), Substantiv lateinisch: vadum. Fotos: der Verfasser

Von Abu Dhabi gelangen wir über die Wüstenstadt Al Ain auf der kaum befahrenen Autobahn an die Grenze zum Oman; rigorose Grenzkontrolle, unser Fahrer Youssuf ist uns bei der Formularfütterung behilflich, dann geht es weiter: Die endlose Sandwüste flankiert unseren Weg. Hin und wieder Blickfang-Dromedare, die nach verdörrten Sträuchern schnappen. Stundenlange endlose Einsamkeit.

Wir passieren Oasenstädte von beachtlichen Ausmaßen: 20 Kilometer Länge und 5-10 Kilometer  Breite: Das Land, etwas kleiner als Deutschland, blickt auf eine ruhmreiche Geschichte zurück: Wegen seiner geopolitisch strategischen Lage war es von europäischen Mächten (Portugal und England) stets begehrt, die Küsten wurden  je nach Interessen entsprechend „kontrolliert“…

Im Zentrum des Oman - Trockenheit; allein der Süden und Südosten des Landes in den Regionen Dhofar um Salala, Mirbat und Taqah wird vom Monsun direkt beeinflusst: ganzjährig warm und feucht, beinahe tropisch. Angenehme Wintertemperaturen zwischen 20 Grad Celsius in den Nächten und um 27 Grad °Celsius tagsüber; mit seltenen Niederschlägen bietet sich diese Region touristisch geradezu an. Der heiße Fallwind Gharbi aus dem Omangebirge lässt während der Sommermonate die Temperaturen mitunter unerträglich werden: Hohe Luftfeuchtigkeit verursacht Sprühregen und Nebelbildung. Ausgedehnte Sandstrände ermöglichen das ganze Jahr über Badevergnügen, in den Bergen des Südens ausgedehnte Wanderungen; für Höhlenforscher und Geologen ist der Oman ein wahres Paradies.

Von Nordwesten nach Südosten erstreckt sich die Hajar-Gebirgskette, die im Al Jabal al Akhdar bis auf 3000 Meter  ansteigt. Zahlreiche Wadis durchfurchen die kahlen Hänge und führen nach Regengüssen reichlich Wasser. Westlich davon in Richtung Grenzen zu den Emiraten und zu Saudi-Arabien sind ausgedehnte Wüstengebiete  dominant. Das Dhofar-Gebirge, von Ost nach West an der Grenze zum Jemen verlaufend, erreicht Höhen von 2500 Metern.
Wüstenschlösser

Das von Schlössern, Burgen und Forts übersäte Land führt den Besucher in die Vergangenheit, als der Oman in zahlreiche Klein- und Kleinststaaten zersplittert war. Besichtigungen dieser Anlagen geben dem Interessierten Aufschluss über die damalige Lebensweise der Menschen.

Die Schlossfestung Jabrin liegt auf unserer Route, ist eine Besichtigungsstätte der omanischen Geschichte: sehenswert. 1670 von Sultan bin Saif al-Ya’arubi erbaut, ist es ein als Fort bezeichnetes Wohnschloss in der Wüste etwa fünf Kilometer von Bahla und 180 Kilometer von Maskat in der Region ad-Dachiliyya. Die größte historische Errungenschaft der Festung, die beeindruckend ausgeführten und aufwändig restaurierten Holzschnitzereien, Deckenmalereien sowie die verzierten Stuckarbeiten, geben dem Besucher Aufschluss über das streng geregelte Innenleben des Schlosses - eine Art Paradigma arabischer Lebenskultur. Da ist zum Beispiel der Depot-Raum für Datteln, die, in Säcken aufeinander  geschichtet, den Dattelsirup auspressen, der wiederum auf vor der Pforte des Forts angreifende Feinde gegossen wird, ähnlich dem Pech in Europa.

Moderner Oman

Das seit 1970 „offene“ Land – bis dahin hermetisch abgeriegelt, doch vom neu an die Macht gekommenen Sultan Qabus, dem in England zum Militärpiloten Ausgebildeten, in der britischen Rheinarmee in Deutschland „dienend“ und der hernach Wirtschaftswissenschaften studiert hatte – , erlebt derzeit einen wahren sozialen und wirtschaftlichen Frühling: Zunächst wurden überall Schulen und Spitäler errichtet, Studenten auf Staatskosten zum Studium ins Ausland stipendiert. Autobahnen, Universitäten und Industriebetriebe - zum Beispiel für die Gasverflüssigung zwecks Exportliefererleichterung - wurden errichtet.

Jedem Omaner wird seitens des Staates ein Grundgehalt gewährt, so dass es weder Bettler noch sozial Bedürftige gibt. Die Alten leben in der Großfamilie, von der sie versorgt werden: Ein Renten- bzw. Pensionswesen gibt es nicht.
Zwecks Landfluchteindämmung bot der Staat Landbewohnern villenartige Bauten zu 120 Quadratmetern  Wohnfläche und dem dazu gehörenden Garten zu 20-jähriger Bewohnung an; hernach geht die Anlage in den Privatbesitz der Familie über, wenn diese weiter auf dem Land wohnhaft bleibt. Das Projekt scheint zu greifen, zumal Stadtwohnungen – Eigentum oder Miete – fast unerschwinglich sind.

Im Zentrum der Oasenstadt Nizwa thront die von der frühen Yaruba-Dynastie in der Mitte des 17. Jahrhunderts errichtete Festung, ein architektonisches Juwel, das von der wirtschaftlichen und militärischen Macht jener Zeit Zeugnis ablegt. Über vom Atrium ausgehende Treppen gelangt man zu einer Art Plattform mit Balustrade, die dem Besucher einen atemberaubenden Rundblick auf die Stadt und deren Umgebung ermöglicht. Das Fort gehört zu den meistbesuchten baulichen Attraktionen des Landes.

Blühende Hauptstadt

Bei 39 Schattengraden erreichen wir die Hauptstadt: Maskat. Zusammen mit Matrah, Qurum, Ruwi und Sib bildet sie einen ca. 60 Kilometer langen Ballungsraum entlang der Ostküste; die Stadt weitet ihre Fläche in Richtung Landesinneres stetig aus und ringt der Wüste nach und nach Gebiete ab. Die grüne Stadt lässt nicht erahnen, dass sie am Rande der Wüste liegt; entsalztes Meerwasser sowie das aus den Bergen sprudelnde Quellwasser ermöglichen die Wasserversorgung. Ab Anfang Oktober sind 60.000 (!) Gärtner mit Pflanzungen von Blumen, Sträuchern und Bäumen beschäftigt. Auf der Hauptstraße wähnt man sich auf einer endlosen grünen Allee, keine Spur von Dürre trotz der beißenden Glut. Einen Besuch wert ist allemal das in Alt-Maskat liegende und 1998 eröffnete Bait Al Zubair Museum, in dem alte Haushaltsgegenstände, Kleidung, Juwelen, traditionelle Waffen, omanische Alltags-und Kunstgegenstände sowie Haushaltsgegenstände zu sehen sind.

Der Sultanspalast Qasr al-Alam, die Residenz des Sultans Qabus von Oman, erstreckt sich in der Altstadt von Maskat. Zwei im 16. Jahrhundert von den Portugiesen errichtete Forts, Mirani und Jalali, flankieren den Palast. In früheren Zeiten bewachten sie die Bucht und den Hafen von Maskat.  Ein Muss ist der Besuch der Großen Sultan-Qabus Moschee. Am 4. Mai 2001 nach sechsjähriger Bauzeit durch Sultan Qabus feierlich eingeweiht, wurde sie auf einem 416 Hektar großen Areal im Gemeindegebiet von al-Ghubra an der Hauptstraße zwischen Maskat und Sib - wegen der guten Verkehrsanbindung gewählt - unter Aufsicht österreichischer Architekten erbaut. Der imposante acht Tonnen schwere Luster aus vergoldetem Metall, reich mit Swarovski-Kristallen aus dem Tiroler Wattens behängt, ist, nebst anderen Sehenswürdigkeiten, mit seinen 1.122 Lampen eine Attraktion.

Sehenswert in jeder Stadt ist der Souk, ein überdachtes ebenerdiges kommerzielles Viertel, in dem die verschiedensten Waren angeboten werden. Im Oman erlebte ich keine aufdringlichen Händler; diese werben zwar vor ihren Geschäften, werden aber keinesfalls zudringlich, verhalten sich höflich und hilfsbereit, wenn sie mit Fragen konfrontiert werden. Als Käufer kann man bei entsprechender Verhandlung den Warenpreis bis zur Hälfte herunter handeln, nicht so in Goldgeschäften… Zwischen 12 und 16 Uhr ist Mittagspause; die Händler breiten nur ein Tuch quer über die Schwelle des Geschäftseingangs aus. Diebstahl und Raub sind nicht bekannt: Man schätzt die Mitmenschen und vertraut ihnen. Auch Gastarbeiter haben sich diesbezüglich angepasst… Diese kommen aus den Ländern Süd-und Südostasiens; wenn sie ihre Arbeit verlieren, werden sie in die Herkunftsländer abgeschoben.
Frauen genießen im Oman Gleichberechtigung, sieben Frauen sind Ministerinnen von insgesamt 30 Amtsträgern.

Frauenkleidung: Tschador, Burqa oder Abaya (schwarzer Umhang über den Kleidern ) sind „Stammestrachten“. Dazu die weite Sirwal-Hose und ein knielanges Kandoura-Hemd bzw. das Lahaf-Kopftuch in verschiedenen Variationen. Männerkleidung: Dishdasha, ein langes Gewand in verschiedenen Farben, darunter der Wizaar, ein Wickeltuch.  Der Krummdolch Khandjar wird nur bei offiziellen Feiern angelegt, dazu ein dunkler mantelartiger Überwurf - Bisht - mit einer verzierten Goldbordüre. Als Kopfbedeckung dient die Kumma, eine runde Kappe und der Massar - über die Kumma gewickelt.

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