Reise ins Innere des Bewusstseins

Mehr Selbstliebe, mehr Liebe, mehr Seele – auch im Management

Samstag, 18. Februar 2017

Seit 2011 begleitet Dr. Michael Schroeder als Berater und Coach über seine Agentur Linarson Topmanager auf deren beruflichen und privaten Entwicklungswegen. Das Programm zur persönlichen Meisterschaft verbindet klassische Unternehmensberatung mit transformierendem Persönlichkeitscoaching. Nun ist sein erstes Buch hierzu erschienen: „Persönliche Meisterschaft für Manager“, tao.de Verlag, ISBN 978-3-96051-399-5 (Hardcover) oder 978-3-96051-398-8 (Taschenbuch)

Im Hintergrund leise Meditationsmusik und ein sanft plätschernder Zimmerbrunnen. Helles Licht fällt in den großzügig angelegten Raum. Management-Berater und Coach Dr. Michael Schroeder quatscht einfach drauflos – der sorgfältig vorbereitete Fragenkatalog bleibt in der Tasche. Es ergibt sich schon, was sich ergeben soll. Wenn man dies zulässt, sprühen geistige Funken! Vor uns auf dem Tisch liegt sein neues Buch: „Persönliche Meisterschaft für Manager – Wie gezielte Selbsterforschung Ihr Führungsverhalten verändert“. Es lädt ein, Glaubenssätze zu hinterfragen, Denkrahmen zu sprengen, zwischenmenschliche Spiele zu durchschauen und die Komfortzone des Ego zu verlassen. Kurz: der selbstgestrickten Lebens-Geschichte ins Auge zu blicken, um sie bewusst weiter- und auch mal umzuschreiben...

„Selbsterfahrung ist Spaß, nicht Leiden!“ begeistert sich Michael Schroeder. Eine Abenteuerreise in die Untiefen des Bewusstseins, auf dem Weg zur persönlichen Meisterschaft. „Das Buch ist eine Anregung, sich mit sich selbst zu beschäftigen, auf konstruktive, spannende Weise“, erklärt er. Es fordert auf zu mehr Bewusstsein, zum Dialog zwischen Ego und Seele. Zu Selbstliebe und Liebe, auch im Management einer Firma. Wie, das klingt jetzt zu esoterisch? Und überhaupt: Wie passt so ein Thema zur nüchternen Unternehmenswelt? Was hat die Seele auf dem Spielfeld von Profitstreben und Gewinnpolitik, Verkaufsstrategien und Wettbewerb zu suchen?
„Flirten Sie doch einfach mal mit der Idee“, schlägt Michael Schroeder immer dann vor, wenn sich einer seiner Klienten gegen einen neuen Blickwinkel wehrt. Denn darum geht es bei ihm im Coaching: Festgefahrene Ansichten aufzulösen, indem man einen Schritt zurücktritt, die Situation von außen betrachtet. Lebenskrisen, Kündigung, Scheidung, Karriereknick. Sind das wirklich Probleme ohne Ausweg? Oder gibt es, wie er zu erkennen anregt, immer Wahlmöglichkeiten? „Ein Coach ist kein Therapeut, sondern nur jemand, der dem anderen den Spiegel vorhält: ‘Schau, das ist dein Programm!’“, erklärt Schroeder und fügt an: “Deshalb ist das Buch auch kein Ratgeber – sondern eine Einladung.“
 

Selbst inszenierte Rollenspiele erkennen

„Die erste Stufe zur persönlichen Meisterschaft ist, bewusst zu werden“, sagt Schroeder. Mit gespielt aufgeregter Stimme zirpt er: „Ich bin jetzt beleidigt, mit mir kann man tagelang nicht reden!“, und erklärt, „dies ist ein Programm. Wenn ich aber aus der Rolle heraustrete, das Gefühl von außen anschaue, es hinterfrage – ‘interessant, dass ich gerade jetzt so beleidigt bin’ – dann gibt es eine Wahlmöglichkeit. Dann kann ich auch mal nicht beleidigt sein. Dann kann ich das Gefühl zwar anerkennen, habe aber verstanden, dass ich mehr bin als dieses Gefühl“.

Wir alle tragen solche Programme mit uns herum. Die meisten davon sind destruk-tiv, erklärt Schroeder: „Ich bin nicht gut genug“, „Ich armes Schwein“, „Das Leben ist so schwer“, „Wir Rumänen sind halt Südländer“ oder „So ist es eben, da kann man nichts machen“. Unbewusst angenommene Opferrollen, oder die Weigerung, sich selbst zu verändern. Selbst ein „Ich bin der Größte, ich mach euch alle platt“ ist nur ein Schrei nach Liebe. Wenn man sich dessen bewusst wird, platzt bei manchem schon der Knoten. Dann ist man frei, ein anderes Verhaltensmuster zu wählen.

Das Drehbuch unseres Lebens schreiben wir selbst, davon ist Michael Schroeder überzeugt. „Achten Sie mal auf die Geschichten, die Sie immer wieder erzählen. Der ätzende Chef, das mangelnde Geld, die enttäuschte Liebe... Hey – das ist ‘ne Story!“ ruft er dann als Coach und will damit sagen: Das bist nicht du. Hört man auf, diese Geschichten zu erzählen, treten sie in den Hintergrund. Dann kann sich etwas verändern.
 

Das Ego in die Schranken weisen

Wenn wir erkennen, dass wir mehr sind als das Ego, dann beginnt der Dialog mit der Seele. Doch wie sein Ego erkennen? „Man kann es malen“, überrascht Schroeder. „Die Grundüberzeugungen in ein Kästchen schreiben. Oder, was für mich ‘normal’ ist – denn jeder hat seine eigene Definition von ‘normal’.“ Das Ego erkennt man daran, dass es sich einen Orientierungsrahmen bastelt, in dem es sich zu Hause fühlt. Eine Komfortzone, der es anhaftet – und die es verteidigt! Feste Meinungen zu Politik, Gesellschaft oder Weltgeschehen. Das Ego sucht ständig, sich zu positionieren. Und weil es Kohärenz zu seiner Komfortzone sucht, reagieren Menschen oft sehr heftig auf Dinge, die damit nicht vereinbar sind. Das sind Schutzreaktionen des Egos. Dass all dies nur eine mentale Konstruktion ist, eine Illusion, wird einem erst bewusst, wenn man durch schwere Krisen geht oder kurz vor dem Tod steht. „Dann ist auf einmal nur noch die Essenz wichtig“, sagt der Coach leise.

Der Weg zur persönlichen Meisterschaft ist eher ein stiller. Denn auch Reden ist eine Waffe des Egos, warnt Schroeder. Je mehr man über seine Entwicklung spricht, desto mehr neigt das Ego dazu, sich aufzudrängen, sich zu positionieren. „Etwa so“, ruft er gespielt theatralisch: „Was der Schroeder da auf Seite 12 schreibt, gefällt mir – aber was auf Seite 35 steht, das geht ja gar nicht!“ Offen sein. Die Seele durchdringen zu lassen. Darauf kommt es bei den im Buch vorgeschlagenen Übungen an. Es gibt keine Musterlösung, was geschehen soll. Ohnehin wird alles höchst persönlich empfunden. „Mach’s einfach – und warte ab“, empfiehlt er, nun flüsternd. „Und staune, was passiert.“
 

Den Rahmen erweitern

„Letztlich spielen wir alle nur Spiele“, wiederholt der Coach immer wieder. Die Idee fasziniert ihn seit über 20 Jahren, seit der Lektüre von Eric Bernes „Spiele der Erwachsenen“ über die Psychologie zwischenmenschlicher Beziehungen. Wenn man den Rahmen erweitert – etwa um Elemente aus dem Buddhismus: Seelenwanderung, Reinkarnation – dann reduziert sich das ganze Leben auf ein Spiel. Man muss sich dann nicht mehr so ernst nehmen. Die Seele steht über dem Ego – und kann es auch mal liebevoll in den Arm nehmen: „Lass mal, brauchst nicht so viel Angst zu haben.“ Das ist pure Selbstliebe – sie ist wichtig für die Auflösung destruktiver Programme. „Wenn ich die Definition von Leben erweitere und sage, es ist unsere Aufgabe, uns von alten Rahmen zu befreien; wenn ich weiß, dass ich wiederkomme – dann muss ich es auch nicht immer allen recht machen“, fügt er an. Dann lässt sich auch das Programm „Es wäre so schön“ auflösen, das uns weismacht, Träume nicht leben zu können – wegen der Familie, dem Job, dem Haus...

Nicht jeder, der sich auf dem Weg zur persönlichen Meisterschaft macht, muss diesen spirituellen Rahmen annehmen. Es soll nichts erzwungen und vor allem nicht missioniert werden, betont Schroeder. Deshalb kommen diese Elemente erst im letzten Kapitel des Buches, erklärt er. Als Angebot. „Aber im Grunde streben wir alle nach Wahrheit, um zu verstehen, was hier eigentlich los ist. Wir wollen alles erfahren. Manche machen Bungee Jumping, um weiter zu gucken... Andere wiederum flüchten davor in Spaß-Haben oder Sich-Betrinken – bis irgendwann eine Situation kommt, die sie zwingt, näher hinzuschauen.“

Für ihn wird erst so alles stimmig: Die lineare Welt ist eine Spielwiese, ein Übungsfeld für die Seele. Das Mysterium, der Sinn, liegt in der nichtlinearen Welt. Diese Idee zuzulassen, verändert das Leben. Man wird Teil dieser nichtlinearen Welt: „Wirft man einen Stein ins Wasser, bilden sich Wellenkreise. So ist auch das Universum. Ich habe manchmal fast den Eindruck, es will spielen“, lächelt der Coach.

Denn mit dem Erklettern der vier Stufen der persönlichen Meisterschaft – 1. bewusst sein, 2. Selbstbeobachtung, 3. den inneren Dialog verstehen, 4. Selbstliebe üben und Wahlmöglichkeit nutzen – verändern sich auch die Spielwiesen. Sich selbst zu erforschen bedeutet, unglückliche synaptische Vernetzungen zu erkennen: „Dreimal in der Liebe auf die Schnauze gefallen, ergo: Liebe ist Leiden – das ist doch nur ein Softwareprogramm!“ ruft er. Und warnt: „Aufpassen, dass Emotionen nicht in Geschichten abdriften: Zuerst ist alles Liebe, solange ich glücklich bin – und dann, wenn sie mich verlässt, ist Liebe nur Leid. Da werden Gefühle als Knetmasse für eine Geschichte benutzt!“ Die ganze Musikindustrie lebt von diesem Spiel mit Emotionen.

Mit der persönlichen Meisterschaft kann man den Teppich hochnehmen und schauen, was darunter liegt, erklärt Schroeder. Man reinigt sich von einem als destruktiv erkannten Programm – und es kommt eine neue Schicht zum Vorschein. „Wie bei den russischen Puppen hier auf dem Schreibtisch“, lächelt der Coach und nimmt sie Stück für Stück auseinander. Bis die kleinste, die innerste, nicht mehr aufgeht. „Dann wird es spannend, weil die Frage auftaucht: Was ist die Essenz?“


Trotzdem mitspielen – aber anders

Michael Schroeder ist selbst durch all diese Stufen gegangen. Nach 20 Jahren beruflichem Höhenflug als Manager kam 2009 unerwartet der totale Absturz: Wirtschaftskrise, Einsparungen, Entlassung. Scheidung. „Zuerst hatte ich keine Ahnung, was ich machen will“, gesteht er.

Er reiste nach Indien. In der Palmblatt-Bibliothek von Bangalore traf er auf einen Nadi-Reader. „Der wusste alles über mich – auch wie oft ich im Angestelltenverhältnis war“, wunderte er sich. „Der Höhepunkt aber war, als er sagte“ – und er imitiert die Stimme des näselnden Inders – „‘Your purpose in life is, you want to be a personality trainer’.“ „Das wusste ich damals noch nicht“, versetzt er leise. „Das war so ergreifend! Ich bin nur dagesessen und hab gezittert.“

Die Schritte, die der Weise ihm vorausgesagt hatte, trafen alle ein. „Ich hab in dieser Zeit, in meinem Transformationsprozess, sehr viel aufgeschrieben“, erklärt Michael Schroeder. „Jeden Tag was reingehämmert, auch wenn’s noch so Schrott war. Meine Spielwiesen. Viele Diagramme sind rausgekommen, ich hab viele Charts gebastelt. Das ist der Grundstamm meiner Coaching-Tätigkeit geworden“.

Er streckt die Hand aus, weist auf ein schmuckes hölzernes Treppchen, das auf den erhöhten Balkon führt. Vier Stufen. Vier Stufen – wie die zur persönlichen Meisterschaft. „Das hab ich damals gekauft, zur Zeit der Krise – nun ist es fast schon symbolisch.“ In seinem Buch gibt es noch eine fünfte, die sich gezielt an Manager richtet: bewusstes Führen.

Letztlich geht es im Leben darum, Themen miteinander auszuagieren, erklärt Schroe-der. Die Spielwiesen sind beliebig: Familie, Ehe, Beruf. In einer Firma lautet das vordergründige Spiel: Wir haben ein Produkt zu verkaufen. Doch auf einer tieferen Ebene geht es darum, welche Seele mit welcher zusammenkommt. „Je mehr man das erkennt, umso irrelevanter wird das Spiel unseres Egos“, betont Schroeder. „Und doch spielt man es mit. Denn man hat ja eine Aufgabe hier. Wenn ich das aber weiß, spiele ich in einer Firma ganz anders: Ah, interessant, dieser neue Kollege... Und woher diese Vertrautheit mit jenem? Oder, dass ich schon zum dritten Mal den gleichen Typ Chef habe – was muss ich da noch erkennen? Alles hat einen Sinn – und die Leute, die in mein Leben kommen, spiegeln mir etwas. Alles ist spirituell.“
 

Mit Liebe führen

Und was ist nun die Essenz? „Liebe,“ sagt er überraschend sanft. Das Wort schwebt eine Weile still im Raum. „Was wir als Geschäftsführer und Topmanager immer vergessen, ist, dass wir eine unheimliche Strahlkraft haben“, fährt er fort. Denn in einem Unternehmen mit einigen Tausend Mitarbeitern wirkt man nicht nur auf diese, sondern auch auf ihre Familien, erklärt er. „Man kann sagen, ‘Okay, die sollen die Knete bringen!’“ spottet er augenzwinkernd. „Oder man kann sie liebevoll betrachten.“
„Wenn man die Mechanismen mal verstanden hat, dann macht es auch Spaß“, setzt er erklärend fort. „Dann bist du aufmerksam und erkennst, was läuft. Man muss nicht den Weisen spielen. Man muss den anderen nicht belehren. Du liebst den Menschen – und erkennst ihn einfach nur. Oder schmeißt ihm einen Knochen zum Nachdenken hin: ‘Was wäre denn, wenn... dein Problem nur eine Geschichte wäre? Wie gehst du dann damit um?’“

„Wenn ich mich ändere, verändert sich auch die Spielwiese“ betont er immer wieder. Der eklige Chef wird vielleicht versetzt; man bekommt selbst ein neues Angebot. Oder man entwickelt neue Geschäftsmodelle: Waren wirklich nutzen – nicht erfinden und dann Bedürfnisse dazu schaffen und die Leute heiß darauf machen: „Was, du hast immer noch nicht iPhone 4?“ Je stärker man in sich ruht, desto weniger wird man beeinflussbar durch Gruppeneffekte und Gruppendruck. Und manchmal kann selbst eine Kündigung ein sinnvoller Tritt in den Hintern sein, weiß der Coach aus Erfahrung. Endlich frei, das zu tun, was man wirklich machen will! Oder gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. „Ich gehe dann durchs Leben mit dem Thema ‘Erfahrung’, statt dem Thema ‘Ego’ oder ‘Geld’“ erklärt Schroeder. Und lacht ent-waffnend:„Aber wie oft sagt das Ego: ‘So, jetzt haben wir genug gelernt! Jetzt erst mal stopp und – genießen.’ Und dann kommt wieder was daher...“

„Okay, jetzt kann man sagen, das ist aber esoterisch“, lenkt er ein und schmunzelt. „Deswegen steht’s auch im letzten Kapitel. Wie weit man liest, bleibt jedem selbst überlassen. Aber: Esoterik ist auch nur eine Schublade. Es ist eben alles spirituell.“

Und nun? Nun flirten wir doch einfach mal mit der Idee...

Kommentare zu diesem Artikel

Schneewittchen, 23.02 2017, 14:11
ich bin auch viel ausgeglichener, seit ich jeden abend dem rosa einhorn "gute nacht" sage.

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