Reisebausteine und Selbstfahrer

Reky Travel & Events: maßgeschneiderte Reisen und Tourismusentwicklung im ländlichen Raum

Sonntag, 27. April 2014

Radfahren durch die siebenbürgische Hügellandschaft Foto: Cristian Cismaru

Reky Travel bietet auch Wandertouren durchs Gebirge an, wo man solche Idyllen genießen kann. Foto: Costin Voinescu

Das Wasser läuft einem im Mund zusammen, bevor man beim Transilvanian Brunch zugreifen kann. Foto: Daniel Secărescu

Hassen Sie  es, als Tourist zu all jenen Stätten und Orten geführt zu werden, die in allen Werbungen anempfohlen und von Hunderttausenden Touristen belagert werden? Sind Sie ein Gegner der Übernachtungen in Allerwelt-Hotels  und angeblich traditionellen Speisen, die von der Herkömmlichkeit ganz weit weg sind? Möchten Sie etwas Bescheidenes, Authentisches, Natur- und Menschennahes erleben? Haben Sie besondere Vorstellungen und Wünsche, wie Sie den Urlaub verbringen möchten und benötigen jemanden, der die Reise vorbereitet und Sie eventuell begleitet? Dann sind Sie bei Reky Travel & Events in Hermannstadt/Sibiu genau richtig.

Reky Travel besteht aus dem Ehepaar Iuliana Labo und Cristian Valentin Cismaru, beide Hermannstädter, sie Absolventin des Gheorghe-Lazăr-Lyzeums, er Absolvent des Brukenthalgymnasiums. Beide sprechen bestes Deutsch und Englisch und haben eigentlich Wirtschaft studiert. 2000 gründeten sie das Familiengeschäft, um weiter das tun zu können, was ihnen gefällt: einen nachhaltigen Tourismus zu fördern. Ihr Angebot als verantwortungsbewusster Reiseveranstalter haben sie seither ständig den Nachfragen angepasst und verbessert. Ihre Tätigkeiten widmen sich grob gesehen zwei großen Bereichen: Zum einen organisieren sie maßgeschneiderte Reisen durch Rumänien zu unterschiedlichen Themen, zum anderen bemühen sie sich um die Tourismusentwicklung im ländlichen Raum. Vom Erstgenannten leben sie, das Zweitgenannte genießen sie, so Cristian Cismaru. Und: „Klingt nach viel, ist aber leider zwischen November und März nicht immer ein voller Job. Dafür hat man zwischen April und Oktober keine Wochenenden oder freien Tage.“

Menschen und Geschichten

Die wahren Highlights sind die Menschen und ihre Geschichten, lautet das Motto von Reky Travel.
Zu ihnen bieten sie Ausflüge für Familien und Kleingruppen oder für größere Gruppen an. Da kann man dann zum Beispiel auf Hirtenpfaden einen Ausflug in den ethnografischen Raum der M²rginime unternehmen und bei einer Familie in Jina Lammspezialitäten futtern, aber auch Hirtenhäuser besichtigen, in Deutschkreuz/Criţ bei Familie Ghiţă einkehren und sich mit Wein und lokalen Spezialitäten bewirten lassen, sobald der Ort besichtigt worden ist. Oder bei der Fahrt durchs Harbachtal/Valea Hârtibaciului in Hundertbücheln/Movile halten, die Erdrutschhügel und Steppenpflanzen bewundern und sich im Garten der Kirchenburg deren Geschichte bei einem Imbiss anhören. Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, die dem UNESCO-Kulturgut angehörenden Kirchenburgen zu besuchen, im reichen Angebot aber steht u. a. auch ein Wandeln auf den Spuren der Heimatdichterin Maria Haydl in Arbegen/Agârbiciu oder ein Gespräch über Literatur und Geschichte mit dem Schriftsteller Eginald Schlattner in Rothberg/Roşia.

All das sind Reisebausteine, ein Standard-Angebot hat Reky Travel nicht. Begonnen haben die beiden Tourismus-Unternehmer auf diese flexible Art zu arbeiten, nachdem sie kurz nach 2007 die  ersten Anfragen von kleinen Gruppen erhielten, die zum Beispiel nur einen halben Tag in einer bestimmten Ortschaft verbringen wollten, d. h. eigene Schwerpunkte setzten. Man stellt sich also bei Reky Travel auf die Kunden ein und bastelt ihren Wünschen gemäß Reisen zusammen, erklärt Cismaru. Anfragen kommen auch von Leuten mit ganz speziellen Interessen. Manche wollen nur Orientteppiche oder Orgeln besichtigen. Eine solche Tour benötigt dann eine längere Vorbereitungszeit, bis alle Genehmigungen eingeholt und Termine festgezurrt werden können. Besonders in den letzten Jahren haben dergleichen Bildungs- und Kulturreisen nach Siebenbürgen zugenommen. 

Ein anderer Trend, dem Reky Travel Rechnung trägt, sind die Selbstfahrer-Reisen. Dieses Tourismusprodukt haben sie bereits 2004 als Erste in Rumänien angeboten, die Inspiration kam von Touren aus Südafrika, wo dergleichen einige Jahre davor getestet worden ist. Es handelt sich um Rundreisen, für die regionaltypische Unterkünfte geboten werden, sowie lokale Führungen vorgebucht;  neben einem Infopaket an Karten, Tipps und Routenvorschläge gibt es eine permanente Reiseassistenz, d. h. eine deutschsprachige Hotline für diverse Erklärungen, sonstige Reservierungen oder Umbuchungen und andere Standortleistungen wie Bahntickets oder Eintrittskarten für Events. Die Gäste sind etwa 80 Prozent des Programms ohne Begleitung und Übersetzung unterwegs, was schade sei, jedoch kostengünstiger, sagt Cismaru.

Slow travel und slow food

Von April bis Ende Oktober bietet Reky Travel achttägige geführte Reisen für Kleingruppen (6 bis max. 14 Teilnehmer, ab/an Hermannstadt, mit Kleinbus und deutschsprachiger Reiseleitung) in zwei Varianten: mit individueller Anmeldung zu festen Terminen oder für geschlossene Kleingruppen ab mindestens sechs Teilnehmern. Ersteren stehen Wandertouren durch die Südkarpaten oder Westkarpaten – mit Kennenlernen von Natur und Kultur – oder Radtouren zu Wildbeobachtungen zur Auswahl. Die Zweitgenannten können ebenfalls zwischen Wandertouren durch die Kirchenburgenlandschaft in Siebenbürgen, die Maramuresch oder auf den Spuren von Raubtieren in den Ostkarpaten, aber auch Rundreisen durch Siebenbürgen und die Bukowina, Siebenbürgen und die Westkarpaten, bzw. die Kulturlandschaft Siebenbürgens auswählen.

In der Saison können die beiden Reky Travel-Betreiber auf rund 30 Reiseleiter zurückgreifen, einige von Ihnen kompetente Fachleute, die sie zum Beispiel von NGO  anheuern. Wird eine Radtour mit Beobachtung der Störche in Großau/Cristian oder der Wasserbüffel in Kirchberg/Chirpăr organisiert, muss der Begleiter nicht bloß Radler, sondern auch Ornithologe bzw. Biologe sein. „Standardreisen in dem Sinn von Hermannstadt – Schäßburg – Kronstadt und eventuell Schloss Peleş oder Bran gibt es bei uns nicht“, sagt Cismaru.

Zu den Rundreise-Angeboten gehört auch eine Slow Food Tour durch Siebenbürgen. Neben dem Entdecken authentischer Kultur und dem Bemühen, die Natur in ihrer Artenvielfalt zu bewahren, trachtet Reky Travel danach, bei den Menüs soweit wie möglich Slow Food-Kriterien zu beachten. Die angebotene Verpflegung basiert größtenteils auf Vollwertkost, die mit Produkten aus traditioneller oder biologischer Landwirtschaft zubereitet wird.

Seit 2008 veranstalten Reky Travel und Familie Cotaru in Hozmengen/Hosman die mittlerweile bekannten und beliebten „Transilvanian Brunches“. Sie finden von April bis September für gewöhnlich am letzten Samstag des Monats an einem außergwöhnlichen Ort statt, neben dem reichen kulinarischen Angebot gibt es oftmals auch ein kulturelles. Mit Familie Cotaru und der NGO Hosman Durabil, dem Verein Mioritics und dem Kreistourismusverband wird seit vergangenem Jahr desgleichen das alternative „My Transylvania“- Tourismusprogramm veranstaltet, das neben dem Brunch vier neue gastronomische Angebote umfasst, die in der Umgebung von Hermannstadt, aber auch im Zekesch- oder Kokeltal durchgeführt werden.

Eine der Veranstaltungen trägt den Namen „Electric Camping“ und wird am 17. Mai im Obstgarten in Heltau/Cisnădie und danach am 14. Juni in der Alten Mühle in Holzmengen veranstaltet. Was das ist? Die Teilnehmer am Brunch, die mittags zusammenkommen und oft wegen der Rückfahrt keinen Alkohol trinken dürfen, bedauerten vielfach, dass es keine ähnliche Abendveranstaltung gibt. Für sie und andere besteht nun das Angebot eines Picknicks in einer Vollmond-Nacht als Camping bei guter Musik. Diese wird elektronisch gemixt von DJ Coralie de Gonzaga aus Frankreich, ihr Mann Silviu Naicu zeigt Visuals dazu, die er zum Beispiel beim Ausüben von Extremsportarten gefilmt hat.

Ein anderes Angebot heißt „Flavours and Sounds of Transilvania“ und wird nach dem Motto „kommt wir zeigen euch, was wir können bzw. wie es gemacht wird“, organisiert. Dabei gilt es, Obst oder Gemüse einzulegen oder Brot und Kuchen zu backen. Leute aus dem Ort werden eingebunden, um anderen vorzuführen, wie man zum Beispiel Zakuska macht. Und passend dazu gibt es Musik. Zum Himbeertag in Sărata spielt eine Zigeunerkapelle auf, beim Brot- und Kuchentag in Holzmengen wird Klezmer geboten usw. „Erfinden müssen wir nichts, es ist alles vorhanden, man muss es nur entdecken“, sagt Cristian Cismaru. Gestaltet werden desgleichen ein Picknick am Cindrel oder ein Abendessen in der Natur. Wer an solchen Veranstaltungen teilnimmt? Etwa zur Hälfte sind es junge Familie aus größeren Städten in Rumänien, die andere Hälfte ist sehr gemischt und besteht aus ausländischen Familien, die in verschiedenen Dörfern und Städten leben, Expats aus Bukarest, sowie Mitarbeitern ausländischer Unternehmen oder deren Besuchern. 

Tourismus anders, bei dem kein Raubbau an der Natur betrieben wird, sondern im Gegenteil die Gelegenheit besteht, eine Welt zu entdeckt, die es zu bewahren gilt – und dabei das unsägliche Vorurteil „ländlich ist gleich arm“ infrage stellt.

------------------------------------------------

Reisebaustein Meschen/Moşna, wo der Brunch am 26. April stattfindet:

Biokäse, Sagen und besondere Bauplastik

Der Name (sächsisch Mäschn) wird zurückgeführt auf das slawische musina, „Fliege“, „Mücke“. Eine Sage erzählt, dass die ehemaligen deutschen Einwanderer unschlüssig waren, in welche Richtung sie ziehen sollten. Sie schlossen sich einer „Mäsch“ (einem Spatzen) an, und wo dieser Halt machte, ließen sie sich nieder, bauten eine Kirche und gaben dem Ort den Namen des Vogels. Zum Programm gehört die Besichtigung der Kirchenburg, eine der schönsten in Siebenbürgen, mit Führung durch den Dachstuhl und das kleine Dorfmuseum. Anschließend Besichtigung eines Bauernhofes, der alten Dorfmühle, sowie eines Biokäse-Herstellers, der für seinen Quark, Joghurt und Käse bekannt ist. Zum Schluss Mittagessen im 1794 erbauten Pfarrhaus, wo Mitte des 19. Jahrhunderts Pfarrer Stephan Ludwig Roth (1796–1849), der berühmte siebenbürgisch-sächsische Schriftsteller, Schulreformer und Politiker lebte und wirkte.

Kommentare zu diesem Artikel

Eddi, 25.05 2014, 15:00
Ja, die Hunde sind eine echte Gefahr! Dazu kommen die sehr schlechten Straßen! Das dämpft gewaltig das Vergnügen am Fahrrad-Fahren in Rumänien!! Schade bei der tollen Landschaft!!
Tourist, 22.05 2014, 14:59
Radfahr-Tourismus könnte so schön sein hier in Rumänien, die weite Landschaft, die wenig befahrenen Nebenstraßen, die schönen Dörfer, würde nicht hinter jeder Ecke ein Rudel verwilderter Hunde lauern, die es ganz besonders auf Radfahrer abgesehen haben. Und am Land lauern die Hirtenhunde, die in jedem Mensch, den sie nicht kennen, einen Schafdieb zu erkennen glauben.

Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*