Rekascher Wein für chinesischen Tee?

Im Fokus: Chinesische Investitionen im Kreis Temesch

Donnerstag, 31. Oktober 2013

Stärker präsent ist China im rumänischen Handel: Dem Asia-Center in Temeswar (Gh.-Lazăr-Straße) fehlt es wahrlich nicht an Kunden.
Foto: Zoltán Pázmány

Ältere, gestandene Semester erinnern sich heute noch mit gewisser Melancholie an die guten bügelfreien Nylonhemden, an die ersten Blue jeans vom Flohmarkt, aber auch an ihre Jugend mit den guten chinesischen Tennisschuhen, an die parfümierten „Double Horse“. Und trotzdem blieb alles, was China bedeutete, für unsere Landsleute jahrzehntelang eine schöne und meist unverstandene Mär aus dem Fernen Osten. Daran sollte auch nach der Wende da und dort eine so geheimnisumwitterte Gaststätte wie „Die große chinesische Mauer“ in der Temeswarer Innenstadt nicht rütteln. Jahr um Jahr wurde der Markt, über Istanbul hieß es, mit immer mehr chinesischer Ware überwuchert – zum Großteil aus Hong Kong, vor allem Kleidung und Schuhwerk. Auch heute noch findet sich in kleinen städtischen Gemischtwarenläden oder am Flohmarkt allerhand Billigware. Wo sind in diesen zwei Jahrzehnten eigentlich die wirtschaftlichen Kontakte und Handelsbeziehungen, die ernsten Investitionen geblieben?

Yunnan und Temesch erinnern sich an ihre Kooperation

Was die wenigsten wissen, ja selbst die Temescher Kreisbehörden im turbulenten Lauf der Geschichte vergessen zu haben scheinen, ist die Tatsache, dass schon vor fast 20 Jahren ein komplexes Kooperationsprotokoll zwischen dem Kreis Temesch und der chinesischen Provinz Yunnan, eine der reichsten und entwickeltsten Provinzen Chinas, unterzeichnet worden war. Laut dem Temescher Präfekt Eugen Dogariu soll dieses Dokument – es wurde 1995 als Kooperationsprotokoll zwischen der Temescher Präfektur und dem Gouverneur der chinesischen Provinz Yunnan unterzeichnet – bisher leider nichts Konkretes gebracht haben, nun aber soll es endlich zur vollen Geltung kommen und Früchte zeitigen. Miteingeschlossen werden soll jetzt in die aufgewärmten, schlummernden, aber auch etliche neuen ehrgeizigen Pläne auch der Temescher Kreisrat.

Laut Titu Bojin, dem Vorsitzenden des Temescher Kreisrats, wurden bei den kürzlich abgehaltenen Gesprächen mit einer chinesischen Delegation, der auch zahlreiche chinesische Geschäftsleute angehörten, die Richtlinien und die wichtigsten Ansatzpunkte für die künftige, neu angekurbelte Zusammenarbeit festgelegt. Es handelt sich von Temescher Seite um sieben Großprojekte –  eigentlich solche, für die der Kreis Temesch keine eigenen Mittel aufbringen kann. So das Temescher Intermodale Zentrum, für das schon EU-Gelder beantragt wurden, der Sportkomplex „Dan Păltinişanu“ mit Mehrzweckhalle, die Entwicklung der Tourismus-Projekte Kurbad Busiasch und der Zone um den Surduk-Stausee sowie einige für den Kreis Temesch wichtige Infrastrukturprojekte wie die Banater Verbindungsstraßen Reschitza – Lippa, Großsanktnikolaus – Arad, Temeswar – Autobahn Temeswar-Arad, das Projekt des neuen Krebs-Instituts oder einer neuen Geburtenklinik.

Der Leiter der chinesischen Delegation, Yang Yingnan, wies darauf hin, dass die Provinz Yunnan einer der bedeutendsten chinesischen Produzenten von Kaffee, Tabak, Tee und Kautschuk wäre. Von chinesischer Sicht aus wäre also auch eine engere und beiderseitig günstige Zusammenarbeit im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion erstrebenswert und beiderseitig vorteilhaft: „Der Kreis Temesch könnte zum Beispiel Rekascher Weine nach China exportieren, wir könnten Tee und Kaffee dafür liefern.“ Um diese Absichten zu konkretisieren, wurde sogleich auch ein Kooperationsprotokoll zwischen der chinesischen und der Temeswarer Handelskammer unterzeichnet.

Interesse zeigte die chinesische Delegation jedoch auch für die in der Begastadt hergestellten modernen Erzeugnisse der Autoindustrie. Desgleichen ergaben sich bei dieser Gelegenheit auch erste, aber vielversprechende Gespräche mit Vertretern von drei führenden Temeswarer Universitäten, der West-Uni, der Politehnica-Universität und der Uni für Medizin und Pharmazeutik.

Kommt mit dem Smithfield-Deal der große Aufwind?

Unser Land hatte bis zur Wende, also vier Jahrzehnte lang, bevorzugte Wirtschaftsbeziehungen mit China. Leider wurden die Beziehungen mit China, heute die zweitgrößte wirtschaftliche Weltmacht nach den USA, in den Jahren nach der Wende nicht verbessert, sondern eher, hauptsächlich aus Verschulden der rumänischen Seite, abgeschwächt und verwässert. Die chinesischen Investitionen in Rumänien stehen heute weit hinter denen anderer Länder: 383 Millionen US-Dollar beträgt das chinesische Gesamtkapital in unserem Land (landesweit Platz 17 unter den Investoren). In allen Ländern Osteuropas, wie Ungarn, Bulgarien, Polen, Serbien, Tschechien oder der Ukraine, hat China weit mehr investiert.

Die neue USL-Regierung hofft jedoch, vor allem nach dem kürzlich erfolgten Besuch von Premier Victor Ponta in China und Hong Kong, auf einen Aufwind in allen Bereichen der Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Derzeit sind landesweit 9937 Handelsgesellschaften mit chinesischer Kapitalbeteiligung tätig (landesweit Platz 5). Zu den wichtigsten chinesischen Investitionen gehören China Tobacco (40 Millionen Euro), Golden Way BV (28 Millionen Euro), Eurosport DHS (20 Millionen Euro). Die größten Investitionen sind derzeit nur auf einige Landeskreise beschränkt, wie Ilfov, Konstanza, Buzău, Hunedoara, Ialomi]a. Im Banat und im Kreis Temesch war bisher keine einzige chinesische Großinvestition zu vermerken, was sich aus Banater Sicht jedoch baldigst ändern könnte: Anfang des Jahres wurde angekündigt, dass der chinesische Konzern Shuanghui International die amerikanische Gesellschaft Smithfield Foods, den weltgrößten Schweinefleischproduzenten, mittels einer Großtransaktion von über sieben Milliarden US-Dollar übernehmen wird. Die Transaktion muss noch von der US-Bundeskommission für Fremdinvestitionen analysiert und abgesegnet werden. Die Smithfield Ferme GmbH – das rumänische Landwirtschaftsministerium hat die Investition im Gesamtwert von über 500 Millionen US-Dollar 2009 zur bedeutendsten im rumänischen Landwirtschaftssektor gekürt – hat bekanntlich ihren Hauptstandort im Kreis Temesch.

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