Rekordpreis für die begehrte Schwarzerde

Vor allem in der Banater Heide boomt der Bodenmarkt

Donnerstag, 25. Juni 2015

Fruchtbares Ackerland so weit das Auge reicht: Felder bei Sanktanna im Kreis Arad
Foto: Zoltán Pázmány

50.000 Euro pro Hektar Ackerland – das ist der bisherige Rekordpreis auf dem seit einiger Zeit boomenden rumänischen Bodenmarkt. Und er wurde kürzlich in Westrumänien bzw. im Kreis Arad geboten und auch bezahlt. Man stutzt heutzutage höchstens, die Verwunderung darüber ist längst nicht so groß, wie das noch vor einigen Jahren der Fall gewesen wäre. Der italienische Unternehmer Fabrizio Bruno, als Vertreter der Firma Corn Valley Est, kaufte 2,6 Hektar Ackerboden von zwei Privatpersonen aus der Kleinstadt Sanktanna, Kreis Arad, zum Hektarpreis von je 50.000 Euro, das heißt zum Gesamtpreis von 131.000 Euro. Der Rekordpreis liegt 15-mal höher als der derzeitige Durchschnittspreis im Landeskreis Arad. Die angekaufte Bodenfläche liegt neben der Eisenbahnlinie und 70 Kilometer von der Landesgrenze entfernt und verfügt auch über Gasanschluss. Die Firma plant hier den Bau eines Getreidesilos als Schlüsselstandort für ihre künftigen Geschäftspläne in dieser Region der EU. Es ist kein Einzelfall: Ende April schloss die Firma Grossmann Land des deutschen Investors Peter Grossmann ebenfalls mit italienischen Geschäftsleuten einen Kaufvertrag ab für 110 Hektar Ackerland bei Şimand, Kreis Arad, in der Nähe der rumänisch-ungarischen Staatsgrenze – zum Hektarpreis von 9400 Euro. Im Rahmen ihrer Expansion im Banat kaufte die Firma Grossmann Land im März weitere 3,36 Hektar zum durchschnittlichen Preis von 4600 Euro pro Hektar (15 Prozent höher als der landesweit durchschnittliche Hektarpreis).
Der Bodenmarkt floriert weiterhin im Banat, vor allem in den Kreisen Temesch und Arad.

Der größte Schatz dieses flachen Landstriches in der Donautiefebene, hieß es stets, und mit Recht, wäre schon immer der ertragreiche Ackerboden gewesen. Der ehemals versumpfte und kaum besiedelte Boden der Banater Heide und Hecke wurde bekanntlich von den deutschen Ansiedlern urbar gemacht. Ein gutes Gemisch, die ertragreiche Schwarzerde und der sprichwörtliche Fleiß und Aufopferungswillen der Banater Schwaben („Den Ersten der Tod, den Zweiten die Not, erst den Dritten das Brot“, sagten die Alten), begründeten den Wohlstand der Banater Bauern, den traditionellen guten Ruf des Banats als Kornkammer Rumäniens. Die Nachkommen der Gründer sind ausgewandert, doch die gute Schwarzerde ist da geblieben. Durch die Bodenrückgabegesetze nach der Wende zersplitterte der Staatsbesitz, auch die jahrelange Misswirtschaft der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften und der Staatlichen Landwirtschaftsbetriebe wurde eingestellt, und im Banat kehrte man wieder zu den alten Eigentumsstrukturen – Kleinbauern, Großbauern, Pächter und Großgrundbesitzer – zurück. Damit war auch der Boom des Bodenmarktes vorprogrammiert. Noch vor dem EU-Beitritt Rumäniens kauften die ersten ausländischen Investoren, darunter auch clevere Spekulanten, große Flächen Ackerland im Banat und überall in Rumänien an. Vor allem italienische Investoren kauften zum Spottpreis (100-200 DM) die Felder der zum Großteil armen und mittellosen Bauern. Kurz darauf, in einer neuen Welle, kauften Investoren aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden von den italienischen Geschäftsleuten immer mehr Bodenflächen zu einem Hektarpreis von 1200 bis 1500 Euro ab.

8,5 Prozent Ackerfläche  in fremder Hand

Zurzeit sind im Kreis Temesch schon 75.000 Hektar Ackerland, 15 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Kreises von 800.000 Hektar, in fremder Hand. Der EU-Beitritt Rumäniens, die am 1. Januar 2014 erfolgte Liberalisierung des Bodenmarktes haben dem Markt zusätzliche Impulse verliehen. Man bemerkt es auch am unaufhaltsamen rapiden Rückgang, Jahr für Jahr, der unbebauten Bodenflächen. Selbst die Wirtschaftskrise hat keine einschneidenden negativen Einflüsse gehabt, auch die hierzulande üblichen bürokratischen Hürden haben die Investoren nicht abgeschreckt. Trotz der steigenden Tendenz beim Hektarpreis ist der Banater Ackerboden auf dem Markt weiterhin heiß begehrt. Garantien für den landwirtschaftlichen Erfolg bieten die guten klimatischen Voraussetzungen, der erstklassige Boden, große Leistungsreserven, ein sicherer Ankauf durch das Vorhandensein von Grundbüchern, nicht zuletzt weiterhin nach EU-Maßstab niedrige Löhne und selbstverständlich die günstigen EU-Subventionen. Die zum Großteil kleinen inländischen Investoren können da gar nicht mehr mit den geldkräftigen Investoren aus dem Ausland mithalten. Viele der Kleinbauern haben längst die Flinte ins Korn geworfen, wenige konnten den verlockenden Angeboten lange standhalten. Unter den Ankäufern sind, außer den ausländischen Investoren, die drängende Nationale Gesellschaft für Autobahnen und allerorts in- und ausländische Immobilienentwickler. In manchen Ortschaften in einem Umkreis von 10 Kilometern um Temeswar (Neumoschnitza, Giroda, Girok, Sackelhausen, Sanktandres) haben die Einwohner fast ihren gesamten Boden preisgünstig an die Immobilienentwickler verkauft. Anstatt Weizen und Mais wachsen hier Jahr für Jahr neue Villen aus der Erde. Doch es gibt noch viel Land zu verkaufen, so heißt es: In den Banater Kleinanzeigen wird derzeit Ackerboden in verschiedenen Ortschaften des Banats weiterhin zu Preisen von 2000 bis 7000 Euro pro Hektar zum Kauf angeboten.

Die höchsten durchschnittlichen Hektarpreise für Ackerboden werden derzeit in den Landeskreisen C²l²ra{i, Ialomi]a, Giurgiu, Temesch, Konstanza und Arad (bis zu 4000 Euro) verzeichnet, im Kreis Karasch Severin liegt der Preis bei 2000-2500 Euro. Die kleinsten Hektarpreise werden in den Kreisen Hunedoara (1500-1800 Euro), Vaslui, Sathmar, Dolj, Olt, Vrancea, Harghita, Bacău, Galatz registriert. Trotzdem ist der durchschnittliche Wert des rumänischen Ackerbodens seit 2007 um 172 Prozent gestiegen. Weit billiger ist für Investoren aus der EU Ackerboden derzeit in Russland, der Ukraine, Litauen, Lettland, der Republik Moldau oder in der Slowakei zu haben – von 1100 bis 1700 US-Dollar pro Hektar. Manche EU-Länder, wie z. B. Ungarn, haben per Gesetz dem weiteren Verkauf des Ackerlandes an Ausländer einen kräftigen Riegel vorgeschoben. Es ist statistisch belegt: Nirgends in der EU ist der Anteil ausländischen Eigentums an Ackerboden so hoch wie in Rumänien – 800.000 Hektar bzw. 8,5 Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche. Führend, sagt die Statistik, sind da Investoren aus Italien (23 Prozent) vor den Deutschen (15), Arabern (10), Ungarn (8) und Spaniern (6). Was die scheinbar unaufhaltsame steigende Hektarpreis-Tendenz betrifft: Fachleute sehen es voraus, dass der Hektarpreis im Banat in den nächsten zehn Jahren bis 2025 auf 15.000-20.000 Euro klettern wird. Das entspricht jedoch noch längst nicht den für einheimische Bedingungen horrenden Summen von bis zu 50.000 Euro pro Hektar, die ein Käufer zuweilen für einen Hektar Ackerboden im Westen zu begleichen hat.

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 26.06 2015, 02:11
wenn nach ein paar Jahre den Maiszünsler alle diese Gründe gründlich verseucht hat, sinken die Hektarpreise wieder, da helfen auch kein gentechnisch verändertes und mit Neonicotinoiden gebaiztes Saatgut.

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