Renaturierung – Verarmung oder Bereicherung?

Schlussfolgerungen des Vereins „Pro Banatul de Munte“ bezüglich der „Verwilderung“ des Ţarcu-Massivs

Donnerstag, 08. März 2018

Karansebesch – Zwölf Ortschaften rund ums Ţarcu-Massiv am südwestlichen Karpatenknie geraten ins Einflussfeld eines vom WWF mit Finanzierung aus der Schweiz initiierten Renaturierungsprojekts, das „Wohlstand für die betroffenen Gemeinschaften per Wiederverwilderung der Landschaft” verspricht (ADZ berichtete) – wenn das Projekt denn realisiert werden sollte. Dazu gab es im Dezember in der Organisation des Vereins „Pro Banatul de Munte” eine Bürgerberatung in Ferdinandsberg/Oţelu Roşu, bei der das WWF-Projekt „Wildheit in den Karpaten, Wohlstand für die Menschen” glatt durchfiel (auch darüber berichtete die ADZ).

Die Argumente der Bürgermeister und Bürger, die dort das Wort ergriffen: „Ohnehin haben wir schon ausreichend Restriktionen am Hals, dadurch, dass Teile unserer Ortschaften zum EU-Projekt „Natura 2000” gehören. Uns reicht´s damit, mehr wollen wir nicht dulden.” Seit 2014, seit die Nationalagentur für Geschützte Areale (eine Agentur, die dem Ministerium für Umweltschutz direkt unterstellt ist) die Verwaltung der „Natura 2000”-Gebiete übernommen hat, sei es nicht besser geworden für diejenigen, die auf geschützten Arealen etwas investieren wollen – oder leben. Mit dem Renaturierungsprojekt werde es bestimmt nur noch schlechter.

Das Renaturierungsprojekt sieht drei Zonen vor: eine Kernzone A, eine Pufferzone B und eine Einflusszone C. Darin liegen als wichtigste Ortschaften die Gemeinden Armeniş (mit 34 Prozent ihres Verwaltungsgebiets), Bolvaşniţa (63 Prozent), Slatina Timiş (25 Prozent), Teregova (43 Prozent), Turnu Ruieni (40 Prozent), Zăvoi (60 Prozent). Aber indirekt beeinflusst werden auch die beiden nächstgelegenen Städte Ferdinandsberg und Karansebesch.

Im Projektentwurf des WWF ist vorgesehen, dass eine Erklärung zum Renaturierungsgebiet (zonă de sălbăticie) voraussetzt, dass im Kerngebiet jedwede anthropogene Tätigkeit eingestellt wird, dass der Mensch dort praktisch nichts mehr zu suchen hat - es sei denn als gelegentlicher Besucher oder Beschützer. In der Pufferzone soll einer Renaturierung nachgeholfen werden, auch indem bereits Vorhandenes abgerissen oder andernorts transferiert wird.

Auf die Frage, ob eine Wiederverwilderung eines ausgedehnten Areals den versprochenen Wohlstand bringt, hatten in Ferdinandsberg alle mit Nein geantwortet und sich gar nicht viel angehört, was die Initiatoren als Argumente brachten.

Sollte die Initiative des WWF verwirklicht werden, so die sture Meinung der Teilnehmer an der Aussprache in Ferdinandsberg, dann wird jeder Motor der wirtschaftlichen Entwicklung ausgeschaltet, Tourismus, Infrastruktur, Erzeugung sauberer Energie werden unmöglich gemacht, sagten die aufgeregten (und meist nicht uninteressierten) Teilnehmer. Und auch die traditionellen bisherigen Beschäftigungen, die naturnahe Viehzucht als Weidewirtschaft, Sammeln von Waldfrüchten und Heilpflanzen etwa, wird schwieriger auszuüben sein, gab man zu bedenken.

Nach wie vor läuft die Gegenpropaganda zum WWF-Projekt auf www.lobbypentrubanatuldemunte.ro , der Seite des Vereins, der behauptet, die Sache der zwölf Gemeinden rund um den Ţarcu zu vertreten, die vom „Verwilderungsprojekt” betroffen sein könnten. Die Schlussfolgerung des dreiköpfigen „Wissenschaftlerausschusses”, den der Verein in Ferdinandsberg zwecks Auswertung der Bürgermeinungen zum Wiederverwilderungsprojekt eingesetzt hatte, war so knapp wie lakonisch, entsprach aber der dort gehörten Mehrheitsmeinung: die Bewohner der Ortschaften rund um das Ţarcu-Massiv sind dagegen.

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