Rendezvous der internationalen Reisebranche unter dem Berliner Funkturm

Über 50 Aussteller aus Rumänien präsentierten attraktive Reiseangebote

Donnerstag, 12. März 2015

Hermann und Katharina Kurmes am Messestand vom Rumänischen Verband für Ökotourismus auf der ITB 2015 freuen sich über den Besuch der Kurfürstin Luise Henriette von Brandenburg Foto: der Verfasser

Am Sonntag um 18 Uhr schloss das größte Reisebüro der Welt nach fünf ereignisreichen Messetagen, 4. bis 8. März, seine Pforten. Parallel zur Internationalen Tourismus Börse Berlin (ITB) lief der „ITB Berlin Kongress“ von Mittwoch bis Freitag. Er ist weltweit der größte Fachkongress der Branche. Die 26 Hallen unter dem Berliner Funkturm, markantes Wahr-zeichen der Hauptstadt, waren komplett ausgebucht. Zu den Trends zählen diesmal der Kulturtourismus, Abenteuerurlaub sowie ökologisch und sozial verantwortliches Reisen. Als offizielles Partnerland der ITB 2015 fungierte die Mongolei.

Großes Interesse von Medien und Politik

Von der ITB 2015 berichteten rund 5180 akkreditierte Journalisten aus 75 Ländern und rund 350 Blogger aus 29 Ländern. Die Messe war Treffpunkt von internationalen und deutschen Politikern sowie von Diplomaten. Neben 127 ausländischen Delegationen reisten drei königliche Hoheiten sowie 95 Botschafter aus der ganzen Welt an. 47 ausländische Minister, 12 stellvertretende ausländische Minister und eine Reihe ausländischer Staatssekretäre kamen zusammen. Frank-Walter Steinmeier, Bundesminister des Auswärtigen, Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz, sowie Berlins neuer Regierender Bürgermeister, Michael Müller, machten sich ein Bild von der Leistungsfähigkeit der Reisebranche.

Beachtliche Bilanz der ITB Berlin 2015 Die Bilanz der 49. Internationalen Tourismus Börse Berlin 2015 (ITB Berlin) kann sich sehen lassen. Dafür sprechen solche Fakten wie: Geschäftsabschlüsse der Aussteller von über 6 Milliarden Euro, Festigung der Position der ITB als internationale Leitmesse der globalen Reiseindustrie, 175.000 Besucher an fünf Tagen, Aussteller aus 186 Ländern, darunter zwei Drittel internationale Aussteller. Insgesamt reisten rund 115.000 Fachbesucher (2014: 114.000) nach Berlin. Der Anteil der Fachbesucher aus dem Ausland ist auf 43 Prozent gestiegen (2014: 40 Prozent).

Die ITB 2015, am 3. März abends in der neuerbauten multifunktionalen Kongresshalle CityCube feierlich eröffnet, war vom 4. - 6. März ausschließlich für Fachbesucher  wie Reiseveranstaltern reserviert. Doch am Wochenende, 7./8. März, stand die Messe auch für Reisehungrige offen, die das reichlich nutzten. Trotz des frühlingshaften Wetters am Sonntag zog die ITB 2015 am letzten Messetag nochmals einige Tausend Besucher in ihren Bann, darunter viele Berliner mit Kind und Kegel, die sich auf dieser weltgrößten Reisemesse informierten – und nicht nur das: Nicht wenige buchten gleich direkt am Messestand eine neue Reise für die Urlaubssaison 2015.

Digitalisierung krempelt Reisebranche um

Ungeachtet anhaltender internationaler Krisen und geopolitischer Risiken präsentierte sich die diesjährige ITB in Bestform. Im Abschlussbericht der Messeleitung heißt es zum Fazit der ITB 2015: „Stimuliert durch sinkende Energiepreise bei niedrigen Zinsen, eine geringe Inflation und positive Konjunkturaussichten für die Eurozone und Nordamerika, geht die Branche mit größten Erwartungen in das laufende Reisejahr. Insbesondere in Deutschland herrscht beim Verbraucher gegenwärtig eine ausgelassene Urlaubsstimmung“. Unterdessen manifestiert sich eine Erkenntnis fast schon zu einer Binsenweisheit in der Reisebranche: eTravel Technology als eine Art „Backpulver“, fungiert als Innovationstreiber, der die Reisebranche nachhaltig umkrempelt.

Die Reiseinteressenten informieren sich im Vorfeld ihrer Reise mehr und mehr digital. Das Internet spielt eine zunehmende Rolle, wenn die Reisehungrigen ihre Recherchen machen, um zukünftige Reisen nach ihren Wünschen und finanziellen Möglichkeiten zu „backen“. Urlaubswillige informieren sich dabei nicht nur via Internet, sondern auch via Social Media über Reiseziele und Angebote. Allerdings vertrauen Reiseerfahrene nicht blindlings den schön aufgemachten Offerten. Also: Der kritische bzw. clevere Reisesuchende startet eine Gegen-Recherche im Internet. Unbedingt will der erfahren, wie andere Reisende das erträumte Urlaubsziel denn bewerten, bevor er es persönlich am Urlaubsort erlebt.

Also Vorbeugung, damit sich die nett im Internet anmutende Offerte dann vor Ort nicht gar als Pleite entpuppt …Die Messeleitung der ITB trug der rasanten Entwicklung der Digitalisierung der internationalen Reiseindustrie auch in diesem Jahr voll Rechnung. Im Rahmen der zahlreichen Veranstaltungen vom „ITB Berlin Kongress“ organisierte sie in Kooperation mit Experten der IT-Reisebranche herausragende Events wie eTravel World. Das sind innovative Veranstaltungsformate zur Nutzung von digitalen Technologien und Social Media in Marketing und Distribution.

Der Typus des deutschen Urlaubers und  Urlaubtrends 2015

Da die Aussteller Rumäniens auf der ITB Berlin in erster Linie ihre Angebote auf Urlauber aus Deutschland fokussieren, nenne ich nachfolgend einige diesbezügliche Trends: Laut einer Untersuchung vom Reiseportal HolidayCheck.de, das 250.000 Reisen ausgewertet hat, bucht der Deutsche im Schnitt 74 Tage im Voraus und hat sich vor der Buchung bis zu 18 Stunden im Internet informiert. Er berappt 520 Euro pro Reise und Person. Der deutsche Urlauber hat ein durchschnittliches Gehalt von 2000 - 3000 Euro und verreist bevorzugt mit dem Lebenspartner (52,7 Prozent) oder in der Familie mit durchschnittlich 1,5 Kindern (27,6Prozent). Das Hotel ist mit 47 Prozent das beliebteste Feriendomizil. Hat der deutsche Urlauber erst einmal ein gutes Hotel gefunden, kommt er gern bis zu fünf Mal wieder (40,1 Prozent). Ein treuer Stammgast wird er in 17 Prozent der Fälle. Laut einer Umfrage des renommierten Marktforschungsinstituts GfK nutzen 45 Prozent der Urlaubsplaner das Internet vorab für die Urlaubsplanung. Google und TUI hingegen gehen sogar von zirka 80 Prozent aus. Ganz persönlich auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten – so wollen immer mehr Deutsche urlauben, lautet ein weiteres Ergebnis der GfK-Umfrage.

Natur- und Kulturtourismus dominiert rumänischen Messekomplex

Unter dem markanten Logo „Romania – Entdecke den Garten der Karpaten“ präsentierten 53 Firmen und Verbände der Reisebranche Rumäniens ihre Angebote auf der 49. Internationalen Tourismus Börse Berlin. Natur- und Kulturtourismus dominierten die Angebote, zumeist anhand  attraktiver Werbematerialien präsentiert. Quasi als „Flaggschiff“ dieser Werbematerialien fungierte die exzellente Broschüre „NATURTOURISMUS“ von der Nationalen Behörde für Tourismus, eine Art Kompass zu den Schönheiten und Schätzen im Garten der Karpaten, beginnend mit dem Weltkulturerbe Biosphärenreservat Donaudelta. Konzeptionell ausgezeichnet passte dazu die Präsentation von Dr. Gabriela Costea vom Naturwissenschaftlichen Museumskomplex und Gabriela Cre]u von der Verwaltungsbehörde Biosphärenreservat Donaudelta zur Umweltschutz-Thematik. Der Tourismusverband Schwarzmeerküste-Donaudelta stellte in Berlin zum Beispiel Offerten vom „Hotel Esplanada Tulcea“ und vom „Hotel Wels“, idyllisch gelegen am Arm Sf. Gheorghe der Donau, vor. Kajaktouren und Birdwatching wurden als Highlights des Öko-Tourismus im Donaudelta offeriert.

Siebenbürgen besonders stark auf ITB präsent

Die meisten Urlaubsregionen und die Metropole Bukarest mit Messeständen wie von Tarom und Blu Hotels sowie die Reiseagentur „Romanian Travels“ waren auf der ITB präsent, gleichfalls Tourismusbüros von Rathäusern wie Kronstadt/Bra{ov, Hermannstadt/Sibiu, Klausenburg/Cluj und Temeswar/Timişoara. Siebenbürgen war besonders stark auf der ITB vertreten, den Fokus auf Kultur- und Individualreisen, maßgeschneidert nach den Bedürfnissen. Zur jungen Generation zählen dabei die Klausenburger Reisebüros „George Turism“ und „City Tours & Events“ sowie „Encycopedia Tours“, aber auch die Agenturen „Corone Tours“ aus Kronstadt und „GO EAST – Discover Romania“ aus Hermannstadt von Ionuţ Martin. Er und sein junges Team sind Experten für maßgeschneiderte Kultur- und Studienreisen, zugleich auch Vorbild bei der Digitalisierung der Reisebranche in Rumänien.

Diese Profis von GO EAST betreuten 2014 über 2500 Gäste! Ganz oben auf der aktuellen Agenda von Ionuţ Martin steht das Projekt „Gründung des Verbandes junger Reiseunternehmen Siebenbürgen“. Auf diese Weise sollen Synergieeffekte generiert sowie die Kooperation mit dem Öko-Tourismusverband Kronstadt noch enger gestaltet wer-den.Philipp Harfmann, Projektleiter der Leitstelle Kirchenburgen Hermannstadt im Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien und dort unter anderem verantwortlich für die sanfte Vermarktung der Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgen, zog am letzten Messetag das optimistische Fazit: „Die ITB bestätigt den Trend, dass für Siebenbürgen der Individualtourismus die größten Wachstumspotenziale bietet. Diese Entwicklung ist ein gutes Zeichen für die Region, weil so eine faire Teilhabe der ländlichen Bevölkerung besser ermöglicht wird, als beim Massentourismus“.

Kurfürstin Luise Henriette und Graf Dracula sorgten für Amüsement

Der rumänische Messekomplex war durch eine gute Atmosphäre geprägt, nicht zuletzt durch flotte Melodien der Truppe „The Nightlosers“ aus Klausenburg mit der temperamentvollen Sängerin Jezebel sowie dem virtuosen Blättchen-Spieler (Cantante a la foglia) Nucu Pandera. Für Extra-Spaß sorgten zwei historische Besucher: Die Brandenburger Kurfürstin Luise Henriette, die sich bei mehreren Reiseagenturen nach Urlaubsangeboten im Draculaland erkundigte. Als Höhepunkt ihres Auftritts hielt die korpulente Adelige im Reifrock aus dem 17. Jahrhundert elegant um die Hand von Phillip Harfmann an. Dieser lächelte milde. Für Furore und Neugier sorgte auch Dracula, genauer gesagt: ein Dracula-Reisegewinnspiel in Form einer drehbaren Scheibe. Mancher Besucher am Messestand vom Tourismusverband Kronstadt (APDT) gewann eine Reise ins Draculaland, so ein kanadischer Messebesucher aus Toronto. Die ITB Berlin 2016 wird vom 9. bis 13. März stattfinden.

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