Rentner, Laienspieler, Jungtalente

Casting für historischen Streifen

Donnerstag, 04. September 2014

Viele Studentinnen hatten sich der Herausforderung eines Castings gestellt. Aber auch Männer fanden sich ein.

Der Laientheaterspieler Ioan Frenţ (im Bild beim Casting) war sogar vom Land angereist. Fotos: Siegfried Thiel

Wenig erbaut und weit abseits steht die heranwachsende Tochter von Diana F., während letztere trotzdem den DIN A5-Einschreibebogen ausfüllt. Mit der Mutti also unterwegs, zu dem Film „Unterwegs mit Papa“. „Zum Film“, weil eben Casting angesagt ist, für eine Statistenrolle in dem künftigen Streifen von Regisseurin Anca Miruna Lăzărescu; eine Rolle, die Dianas Tochter – zum Unterschied von den vielen anderen – erst einmal gar nicht will. Auch das gibt es. „In Temeswar, Arad, Segedin und München werden wir drehen“, sagt Bogdan Nicola aus der Produktionsleitung des Films, für den Mitwirkende gesucht werden. Zwischen 11 und 19 Uhr nehmen die Vertreter der Produktionsleitung an diesem Samstag Daten und Maße der Anwärter in Temeswar/Timişoara auf, filmen und halten Ausschau nach Personen, die auch eine Fremdsprache sprechen. Deutsch ist eine der gefragtesten Sprachen, geht es doch im Streifen, der in das Jahr 1968 zurückführt, aus Rumänien bis in die ehemalige DDR.

„Überraschend groß“ ist das Interesse für das Casting und der Chef des auswählenden Teams, Cătălin Dordea, ist zwar begeistert vom Ehrgeiz der Banater, doch auch bald erschöpft: „Wir haben sie aufgefordert, zwischen 11 und 19 Uhr zu kommen, nun sind alle gleich in der ersten Stunde des Castings da“, sagt er und hätte sich nach etwa drei Stunden intensiver Arbeit gerne eine Kaffeepause gegönnt. Selbst für die Außendarstellung hat er kaum Zeit und will zusätzliche Fragen der „Banater Zeitung“ erst viel später am Telefon beantworten. 250 Drehtage wird es für die Statisten aus Arad und Temeswar geben. „Manche werden an mehreren Drehtagen teilnehmen, anderen wird vielleicht gar eine Replik zugeordnet“, zeigt Cătălin Dordea der ADZ gegenüber einige Aspekte auf.

Vorwiegend junge Mädchen hatten sich in die Schlange der Wartenden gestellt, aber auch Frauen im Rentenalter versuchten ihr Glück, um „mal was anderes zu machen“. In Schülertheatergruppen haben die meisten auf der Bühne gestanden, einige erst letztes Jahr, andere vor 50. „Gut aussehen ist eine relative Sache“, und ohnehin sei dies „wenig relevant“, sagt eine Teilnehmerin am Casting. „Aussagekräftige Gesichter und Figuren sucht man hier“, haben sich Maria und Patricia sagen lassen. Deshalb sind sie dabei. „Wie du dich beim Casting zeigst, ist entscheidend, ob du aufgenommen wirst oder draußen gelassen wirst“, glaubt Patricia. Die Chancen liegen „im Auftreten und in der Art des Sprechens“, ergänzt Maria. M²rioara, bereits im Rentenalter, sieht die Statistenrolle als eine Gelegenheit, „einmal auf die große Bühne zu gelangen“, obwohl „es auch ohne das geht“, und der ehemalige Laientheaterspieler Ioan Fren] erkennt die Gelegenheit, wieder mal zu spielen, „diesmal in einem Film“. Karre-Aimée träumt mit ihren zehn Jahren von einer Karriere auf der Leinwand. „Sehr natürlich“ müsse sie sich zeigen, wenn sie eine Chance bei diesem Casting haben will, sagt sie. Erfahrung auf der Bühne hat sie schon: Aus der Theaterklasse der Temeswarer Volkskunstschule.  

Diana F. hat dann ihre Tochter überzeugt. Endlich steht diese vor der Kamera. Trotz der reichhaltigen Auswahl, ist Cătălin auch von der Mutter als künftige Mitwirkende angetan. Lächeln oder ernsten Blick vor der Kamera, das bekommt sie alles ad-hoc hin, und sie darf sogar ihr Bewerbungsschreiben im Nachhinein aufsetzen. Ihre Chance, sich im Film zu sehen, sind auf jeden Fall gestiegen, unglücklich darüber scheint sie auf keinen Fall. Und das Lampenfieber? Natürlich hat sie welches, genauso wie die zum Casting eingeladenen Studenten der deutschen Schauspielklasse der West-Uni. Sollte es letztendlich nicht „Unterwegs mit Papa“ sein, dann bliebe eben dieser kleine Schritt zum großen Film.

Wer eine deutsche Mundart spricht, kommt höchstwahrscheinlich in die engere Auswahl der Koproduktion Rumänien-Deutschland-Ungarn-Schweden.

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