Repräsentation und Interessenvertretung

Statement von Prof. Dr. Paul Philippi bei der Podiumsdiskussion am Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl

Samstag, 27. Juni 2015

In Dinkelsbühl hat zum Abschluss des Sachsentreffens am Pfingstmontag eine Podiumsdiskussion stattgefunden, die gut besucht war und an der das Publikum regen Anteil genommen hat. Das Thema lautete „Repräsentation und Interessenvertretung“. Unter der Moderation von Volker Petri, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, diskutierten Dr. Bernd Fabritius, MdB, Vorsitzender der Föderation der Siebenbürger Sachsen, Hon.-Prof. Dr. Konrad Gündisch, Komm. Direktor des IKGS, Johann Werner Henning, Stadtrat in Nürnberg, und Prof. Dr. Paul Philippi, Ehrenvorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien. Im Folgenden veröffentlichen wir das Eingangsstatement von Prof. Dr. Paul Philippi.

Lassen Sie mich in diese Runde mit einer historischen Vorbemerkung einsteigen: Sachsen, lateinisch Saxones, hießen in Siebenbürgen jahrhundertelang nur Bürger des siebenbürgischen Sachsenbodens. Die wurden politisch durch die Sächsische Nationsuniversität vertreten und verwaltet. Der Name „Sachsen“ war also bodengebunden – Sachsenbodengebunden. Die sächsische Nation war eine juristische, eine völkerrechtliche Einheit. Die bestand aus den Bürgern der vier sächsischen Gebietskörperschaften: der Sieben Stühle, der Zwei Stühle, des Kronstädter und des Bistritzer Distriktes. „Sachsen“, in erweitertem Sinne, nannte man allerdings auch die Angehörigen der „Kirche Gottes sächsischer Nation“, die außerhalb jenes Territoriums der Nationsuniversität wohnten, sich aber kirchlich an das Recht und Gewohnheitsrecht dieser Kirche hielten. Als dann die Instanz der Nationsuniversität 1876 politisch aufgelöst wurde, trat die Evangelische Kirche weithin auch politisch an ihre Stelle. Aber auch der international geltende Pariser Minderheitenschutzvertrag von 1919 schützte die Sachsen in ihrem ethnisch-kirchlichen Verständnis als communauté.

Das können wir mit unserer heutigen Situation durchaus vergleichen: Die sächsischen Bürger Siebenbürgens – heute Bürger des rumänischen Staates – werden politisch vom Demokratischen Forum der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS) vertreten. Dieses „Siebenbürgenforum“ ist ein Teil des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR). Die Evangelische Kirche wieder hat die territoriale Eingrenzung auf das Territorium Rumänien ideell und gewohnheitsrechtlich zu relativieren versucht, indem sie auch ausgewanderten Gliedern unserer Kirche die Möglichkeit bietet, Mitglieder der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien zu bleiben oder es wieder zu werden. Wir wollen hoffen, dass sich aus diesem Integrations- bzw. Inclusions-Angebot Perspektiven für die Zukunft ergeben.

Allerdings halten wir fest: Politisch werden die Sachsen Siebenbürgens, die Siebenbürger Sachsen, vom DFDR vertreten. Auch sind nur diese Sachsen einigermaßen als korporative Gruppe politisch fassbar. Siebenbürger Sachsen im Ausland und ihre Zusammenschlüsse haben juristisch-politisch eine andere Position. Sie können wohl publizistisch auftreten und dadurch erhebliche politische Wirkungen erzielen. Das haben die Jahre vor und nach 1989 bewiesen. Aber als völkerrechtlich, bzw. minderheitenrechtlich relevante Bezugsgruppe können wohl nur die Sachsen gelten, die in Siebenbürgen/Rumänien leben – sodass ihnen und somit dem DFDR die Aufgabe zukommt, sich selbst, bzw. die Siebenbürger Sachsen zu vertreten. Das scheint mir für die Beziehungen zwischen der großen Zahl der Auslandssachsen und der kleinen Zahl der „Inlandsachsen“, dem DFDR, wichtig. Das DFDR vertritt wohl die kleinere Zahl, aber es vertritt sie am entscheidenden Ort. Das DFDR hat also die entscheidende Stimme in der Selbstvertretung der Siebenbürger Sachsen, selbst wenn die Ausland-Sachsen die kräftigere Stimme haben, sodass ihnen im Ergebnis die wirksamere Rolle zukommen könnte. Darum kommt es im Zusammenwirken der Siebenbürger Sachsen darauf an, dass die kräftigere Stimme der Auslandssachsen mit der entscheidenden Stimme der Inlandssachen in gegenseitigem Einverständnis sprechen und handeln: jedes Gremium nach seinen jeweiligen Möglichkeiten. Auf dieses Zusammenwirken sind die Siebenbürger Sachsen heute angewiesen.

Das Forum arbeitet innerhalb Siebenbürgens selbstverständlich in Verbundenheit mit der Kirche und es hat Anteil an deren gemeinschaftsbildendem Potenzial. Das gilt im Innern Siebenbürgens, betrifft aber auch die Einbinde-Kraft der Kirche, soweit diese über die Landesgrenzen hinausreicht. Was sich hier an Gemeinsamkeiten ergibt – etwa mit den Heimatortsgemeinschaften –müssen wir in nächster Zeit miteinander einüben.

Kommentare zu diesem Artikel

Robert, 28.06 2015, 08:15
Der Veranstaltungsbericht "Podiumsdiskussion in Dinkelsbühl: Vom Kern und den Grenzen der Legitimation" (Siebenbürgische Zeitung) ist hier nachzulesen:
http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/verband/15594-podiumsdiskussion-in-dinkelsbuehl-vom.html

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