Reschitza: Das muntere Anzeigespiel geht weiter

Hochschullehrer und -absolventen verpetzten sich gegenseitig

Mittwoch, 02. September 2015

Reschitza – Die Staatsanwälte des Obersten Justiz- und Kassationshofs (ÎCCJ) haben entschieden, in der Causa der verallgemeinerten Korruption an der Reschitzaer Universität „Eftimie Murgu“ (UEM) ein neues Strafdossier zu eröffnen. So peinlich es ist, die Zahl der Anzeigen der Hochschullehrer gegeneinander – Rekordhalterin ist die bereits vor Gericht stehende ehemalige Assistentin des Ex-Senats-Präsidenten Marian Mihăilă, Ruxana Ghiţă, die während ihrer Verhöre durch die Staatsanwaltschaft massiv „auspackte“ und Anzeigen erstattete, um sich ihre eigene Lage zu erleichtern – sowie der schriftlichen Anzeigen von Studenten, die Episoden des Erreichens ihrer eigenen Diplome durch Kauf von fertigen Diplomarbeiten schildern, reißt nicht ab.

Im Visier der Staatsanwälte sind mehrere Dutzend der rund 90 Hochschullehrkräfte der Reschitzaer Universität, aber auch einige der Sekretärinnen und Bürokräfte, die wohl, in guter Kenntnis der Vorgänge an der Hochschule, auch ihr Schäflein scheren wollten. Einstweilen und aufgrund der durch die Durchsuchungen vom Juli ausgelösten Untersuchungen stehen vier ehemalige Hochschullehrer und ein Student vor dem Reschitzaer Kreisgericht: Florin Franţ, der „Sexdekan“, Irina Oriol, Ruxna Ghiţă und Mihai Vişan sowie der Ex-Student Alexa Ilici. Zu ihrem Prozess sind als Zeugen zitiert die Rektorin Doina Frunzăverde, Pro-Rektor Gheorghe Popovici sowie die Hochschullehrkräfte Claudia Andriţoi, Dan Stan, Dumitru Batîr, Arpád Czika, Liliana Gagian, Gheorghe Pinteală, Viorel Bizău, Ana-Maria Pecioara, Sorin Trentea, Cristian Rudolf und Ion Imbrescu (das ist der Ex-Sekretär des Kreisrats Karasch-Severin, der dort längst in Rente ist).

Einige unter diesen figurieren im neuen Strafverfolgungsdossier der ÎCCJ-Staatsanwälte als Beschuldigte, was die Vermutung aufkommen lässt, dass während ihren Verhören weitere Hochschullehrkräfte auf die Beschuldigtenliste gesetzt werden, zumal die Staatsanwälte ausdrücklich das gegenseitige Anzeigen ermutigen, indem sie dafür Straferleichterungen versprechen. Bisher kamen die Staatsanwälte zu folgender Schlussfolgerung: „Aus den bisherigen Untersuchungen in der Causa wurde festgestellt, dass einige Lehrkräfte Geldsummen gefordert und kassiert haben, aber auch Güter und Wertsachen oder sexuelle „Dienstleistungen“, um Studenten bei Prüfungen bestehen zu lassen in den Fächern, wo sie Titularlehrer sind oder indem sie dafür bei Kollegen interveniert haben – Einflussnahme -, aber auch, dass ein Großteil der Hochschullehrkräfte die Studenten nicht entsprechend geprüft hat, ihnen während der Prüfungen das Abschreiben ermöglichte und ihnen sogar zum Abschreiben ihre eigenen Hochschulkurse vorgelegt oder fertige Arbeiten zur Verfügung gestellt haben.“

Alle Studenten oder Absolventen der Reschitzaer Hochschule, die in der Zeitspanne nach den Durchsuchungen vom Juli Anzeige erstattet haben gegen ihre Hochschullehrer, sind von der ÎCCJ-Staatsanwaltschaft vom Korruptionsvorwurf ausgenommen worden und gegen sie ist auch kein Vorwurf wegen Bestechung erhoben worden. Straffrei kann jeder ausgehen, der vor der offiziellen Aufdeckung eines Korruptionsfalls diesen anzeigt. Das hat eine Flut von Anzeigen ausgelöst, die jene Anzeigen „vervollständigt“ haben, welche die Verhörten erstattet haben, um sich die Lage zu erleichtern bzw. vor Gericht auf Fürsprache der Staatsanwaltschaft geringere Strafen zu bekommen. Von der Anzeigenflut betroffen sind Hochschullehrer aller Fakultäten der UEM. Eine Absolventin der Fakultät für Sozialwissenschaften beschreibt in ihrer Anzeige die Vorgangsweise von Irina Oriol, die ihr eine fertige Lizenzarbeit zu verkaufen versuchte, als die Studentin mit ihr ihre eigene Arbeit besprechen wollte: Oriol schob ihr einen Zettel mit der Ziffer „250“ über den Tisch und flüsterte „Euro“. Eine Kollegin habe sogar die Fakultät kurz vor Abschluss aufgeben müssen, weil sie sich weigerte, eine fertige Lizenzarbeit zu kaufen... Diese ging mit der Bemerkung: „Ich gebe kein Geld für eine Lizenz!“.

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