Reschitza will ein Stadthotel

Bürgermeister lässt sich von der Ex-Schwimmerin Camelia Potec inspirieren

Freitag, 22. Juli 2016

Reschitza – Auch Bürgermeister Ioan Popa (PNL) will, wie seine Vorgänger Mihai Stepanescu und Ioan Crina (beide PSD) das Hotel „Semenic“ im Stadtzentrum, genau gegenüber dem Rathaus, kaufen. Aber nicht, um dort die auf dem ganzen Stadtgebiet verstreuten Büros der Stadtverwaltung zu konzentrieren (was Absicht seiner Vorgänger, aber auch des Kreisrats unter Sorin Frunzăverde war), sondern um daraus ein profitables Hotel zu machen. Hämische Kommentatoren meinten zwar prompt, da denke wieder mal der Geschäftsmann Popa, nicht der kürzlich gewählte Stadtadministrator, aber so leicht von der Hand zu weisen ist seine Idee nicht, das Hotel zu kaufen und als Stadthotel zu nutzen.

Denn Popa hatte vorher eine Übersicht der Unterkunftsmöglichkeiten in Reschitza eruieren lassen: 420 Betten sind es insgesamt. Popa: „Allein Franzdorf und die angeschlossene Crivaia haben 1160 Betten in Hotels und Pensionen. Und man merke: 1994 waren dort 150 Unterkunftsmöglichkeiten!“ Dass Reschitza über verhältnismäßig wenig Unterbringungsmöglichkeiten verfügt, war Ioan Popa nach eigenen Aussagen in der Folge eines Gesprächs mit Camelia Potec aufgefallen, der ehemaligen Spitzenschwimmerin und gegenwärtigen Präsidentin des Rumänischen Schwimmverbands. Als er sie nämlich fragte, warum der Verband in Reschitza, einer ehemaligen Hochburg des Schwimmsports in Rumänien (unter Trainer Hansi Schuster), keine Wettbewerbe mehr veranstaltet, fragte Camelia Potec zurück, ob er überhaupt wisse, wie viele Unterkunftsmöglichkeiten Reschitza bietet, und wie es denn möglich sei, bei nur 420 Betten es sich zu leisten, ein Hotel wie „Semenic“ (mit 250 Betten) leerstehen und vergammeln zu lassen.

Damit waren die Instinkte des Geschäftsmanns Popa geweckt. Als er Bürgermeister wurde, gab er Anweisung, Kontakte mit dem wegen Steuerbetrug eine Gefängnisstrafe absitzenden Gruia Stoica zu suchen, dem Besitzer einer Warentransportgesellschaft der Rumänischen Eisenbahn (Grup Feroviar Român), der den „Semenik“-Komplex in Reschitza und auf dem Bergplateau gleichen Namens vom Staat um wenig Geld bloß gekauft hatte, um damit eine Bankanleihe zu garantieren. Gruia Stoica schuldet der Stadt Reschitza seit Jahren Grund- und Immobiliensteuer und alle sonstigen Abgaben für sein städtisches Besitztum, und Bürgermeister Popa ist der Meinung, dass die Stadt, durch Konversion dieser Schulden und durch Zuzahlung das Hotel kaufen könnte. Er weiß aber noch nicht, was Gruia Stoica für die Bauruine fordert, die als „Ergebnis einer der lamentabelsten Privatisierungen“ bezeichnet wird.

Im letzten Jahr, bevor das Hotel im Stadtzentrum von Reschitza vom Staat an Gruia Stoica verkauft wurde, hatte es noch einen Reingewinn von 99.000 Dollar abgeworfen (1999). 2001, bereits in voller „Regie“ des Möchtegern-Magnaten Gruia Stoica, schrieb es einen Verlust von 170.000 Dollar. Das blieb zehn Jahre lang unverändert so. Worauf es 2011 „für Renovierungsarbeiten geschlossen“ wurde. Renoviert wurde es nie. Geschlossen blieb es seitdem. Und verfällt, innen schlimmer als außen. Als einzige Möglichkeit, daraus noch etwas zu machen, sehen Architekten und Bauleute, die es kürzlich kurz in Augenschein nehmen konnten, „eine totale Entkernung und die komplette Neugestaltung“. Die Baustruktur sei noch nicht angegriffen von Wasser und Witterung.

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