Restaurierte Heltauer Kodizes

Vortragsabend in der Heltauer Kirchenburg lockte zahlreiche Zuhörer

Mittwoch, 29. Mai 2013

Nach der aufwändigen Restaurierung sollen die Handschriften auch wissenschaftlich erforscht werden. Foto: Holger Wermke

Heltau - Ein musikalisch-wissenschaftliches Intermezzo lockte am Montagabend rund 80 Besucher in die Heltauer Kirchenburg. Höhepunkt des Abends war die Präsentation von sieben restaurierten Handschriftensammlungen, die im Kultursalon im Torturm der Kirchenburg ausgestellt sind. Die Veranstaltung wurde im Rahmen der „Heltauer Tage“ organisiert.

Jahrzehntelang lang standen die mittelalterlichen Handschriften mehr oder weniger unbeachtet in der Heltauer Pfarrbibliothek, berichtete Dr. Adinel Dincă. Der Experte für die Geschichte des Mittelalters entdeckte die Dokumente auf seiner europaweiten Suche nach rumänischen Handschriften, um diese in der zentralen Datenbank des Zentrums für Handschriftenforschung an der Klausenburger Babeş-Bolyai-Universität zu verzeichnen. Der Zustand der Heltauer Handschriften, auch Kodizes genannt, sei „desolat“ gewesen und viel hätte nicht gefehlt, dass kulturhistorische Schätze von großem Wert  verloren gegangen wären.

Die Heltauer Kodizes gehören zu den „wichtigsten Handschriftensammlungen Siebenbürgens“, betonte Dincă. „Im siebenbürgischen Kontext ist es eine absolute Einzelerscheinung.“ Es handele sich um die einzige Pfarrbücherei, deren Reste am ursprünglichen Ort erhalten ist. Insgesamt zwölf Kodizes umfasst die Sammlung, die meisten aus dem 15. Jahrhundert sowie das berühmte „Missale Heltensis“ aus dem 13. Jahrhundert. Hinzu kommen drei Inkunabeln bzw. Wiegendrucke, also frühe gedruckte Bücher. Bei den Handschriften handelt es sich um Predigtsammlungen, „Schulmaterialien“ wie deutsch-lateinische Wörterbücher sowie Materialien zum Kirchenrecht.

Innerhalb der vergangenen 12 Monate konnten sieben der Handschriften aufwändig restauriert werden, berichtete Dincă. Die Heimatortgemeinschaft Heltau vermittelte die Ausarbeitung eines Projekts, das der Bundesbeauftragte für Kultur und Medien mit etwa 15.000 Euro förderte. Restauriert wurden die Handschriften von Alexandru Ştirban im Labor des Nationalmuseums in Karlsburg/Alba Iulia, der laut Dincă rumänienweit besten Restaurierungswerkstatt dieser Art.

„Wir sind Adinel Dincă zu großem Dank verpflichtet“, anerkannte der aus Heltau/Cisnădie stammende Historiker Dr. Konrad Gündisch. Der Forscher habe eine sehr große und sehr wichtige Bibliothek für die Öffentlichkeit wiederentdeckt, die sich eine kleine sächsische Gemeinde im 15. und 16. Jahrhundert angelegt hat. Dincă konnte nachweisen, dass die im deutschsprachigen Raum angefertigten und vermutlich von Heltauer Studenten angekauften Handschriften, in Heltau zu Kodizes zusammen gefügt wurden.

Vor der Ausstellungseröffnung sprachen Dincă sowie der Historiker Gündisch und Dr. Constantin Ittu vom Hermannstädter Brukenthalmuseum in der Kirche. Gündisch lud die Zuhörer auf eine Suche nach Heltauer Wurzeln im Raum Trier ein, musste aber zugeben, dass er bis heute keine unumstößliche Beweise für die Herkunft der einstigen Kolonisten gefunden habe, denn „es fehlen die Urkunden“. Ittu, seines Zeichens Spezialist für Wappenkunde, stellte seine Überlegungen zum Heltauer Stadtwappen vor. Umrahmt wurde der Abend von Organist Remus Henning und dem Heltauer Panflötisten Radu Nechifor.

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