Rettet die Buchenurwälder Rumäniens

Internationale Naturschützer weisen auf den Wert des natürlichen Erbes hin

Mittwoch, 04. Juni 2014

Nicht nur in den Karpaten sondern auch im Banater Bergland findet man eine unangetastete Naturwelt

Der europäische Buchenurwald kämpft ums überleben. In vielen Ländern West- und Mitteleuropas gibt es ihn schon lange nicht mehr. Die ältesten Buchenwälder Deutschlands erreichen ein Alter von vielleicht 180 Jahren. Einer der letzten Orte in Europa, wo man ihn noch anfindet, ist Rumänien. Es müsste eine erfreuliche Nachricht für das Land seind. In Wahrheit ist es eine Haare raufende Angelegenheit für Naturschützer. Denn die Holzwirtschaft hat es auf die letzten Buchenurwälder Europas abgesehen und die Politik in Rumänien drückt gerne ein Auge zu, nicht nur sie: Korruption erschweren die Arbeit der Naturschützer und machen sie den Holzfällern mehr als leicht.

Die Lösung für das Problem kann nicht von innen kommen. Zumindest noch nicht, findet der deutsche Naturschützer Hubert Weiger. Zuerst muss Europa einschreiten, durch Regelungen Druck auf die Mitgliedsländer ausüben und gleichzeitig Organisationen mit Fördermitteln unterstützen. Nur so könnte sich auf lange Sicht etwas tun, nachdem man von außen den richtigen Schub gibt.

Besonders Rumänien braucht einen Klaps, weil es seit der Wende verantwortungslos mit ihrem natürlichen Erbe umgeht. Wälder werden ohne Rücksicht auf Verluste gerodet, es entstehen ganze Brachflächen über Nacht, sei es weil Förster ein Auge zudrücken oder eben Politiker.

Dabei ist Rumänien für den gesamten europäischen Naturschutz wichtig. Vor allem wegen dem Donaudelta, Europas größtes Schilfgebiet, wo zahlreiche Vogelarten hausen. Das Donaudelta ist in Europa einzigartig. Aber auch die letzten verbleibenden Buchenurwälder machen aus Rumänien ein wichtiges Zentrum.

In Deutschland kennt man diese Wälder nicht mehr. Man wusste nichts über ihre Vielfalt und wie die Natur letztendlich wirtschaftet. Rumänien sei darum ein Vorbild, weil sie noch über diese inzwischen seltenen Urwälder verfügt. Wie lange noch, fragt sich Weiger und schaut besorgt auf die Entwicklungen im postsowjetischen Raum. „Eines der wichtigsten Aufgaben des europäischen Naturschutzes ist es, den einmaligen Wert der Buchenurwälder für die Erhaltung unserer typischen Pflanzen- und Tierarten zu verdeutlichen“, so der Naturschützer.

Hubert Weiger ist seit 2002 Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern und seit 2007 Vorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die nichtstaatliche Umwelt- und Naturschutzorganisation ist itglied des internationalen Naturschutznetzwerkes Friends of the Earth. Der Zusammenschluss von Umweltschutzorganisationen ist inzwischen in 76 Ländern vertreten mit über 2 Millionen Mitgliedern und Unterstützern.

Seit 13 Jahren besucht Weiger regelmäßig Rumänien. Die Förderung von Tourismus könnte der Schlüssel sein, um die Zerstörung der Wälder einzudämmen. Darum veranstaltet auch der BUND regelmäßig Reisen, um so Menschen vom Fach aber auch Naturbegeisterte Rumänien sowie andere europäische Länder näherzubringen. „Europa wird nur dann als einmalige Vision bestehen, wenn auch diese Vielfalt der Natur erhalten bleibt“, findet Weiger.

Auf europäischer Ebene bräuchte man darum Fördermaßnahmen, einen Finanzierungstopf für die Erhaltung der Natur. So wie es die europäischen Infrastrukturgelder für die Eingriffe in die Natur gibt, so müsste sich auch eine Finanzierung finden für den Naturschutz. „Die Sicherung der grünen Infrastruktur muss in Zukunft genauso prioritär sein wie der Ausbau von Autobahnen.“

Der Besitz von Urwäldern sollte für Länder kein Zeichen des Rückschritts sein. Stattdessen müsste man damit werben und in Wert gesetzt werden. Für Weiger stellt sich erneut das Problem der Tourismusförderung. Auf internationalen Messen sollten Länder auch die Natur vorstellen.     

Doch man kann schwer Initiativen starten, wenn es keine starken Naturschutzorganisationen in Ländern wie Rumänien gibt, die auf nationaler Ebene aktiv sind. Der BUND kann nur mit kleinen, regionalen Organisationen zusammenarbeiten, weil es keine Verbände gibt. Das Problem besteht in den meisten postsowjetischen Ländern. „Darum ist es für uns wichtig, dass wir regionale Gruppen unterstützen“, sagt Weiger. „Es wäre natürlich auch wichtig, dass sich diese Gruppen zusammenschließen würden.“

Man würde es aus Deutschland kennen, wo die Gründung von Verbänden, Türen öffneten und einen starken Gegengewicht formten zu den Interessengruppen, die sich um die Ausbeutung der Natur bemühen. Je größer die Organisation mit wachsender Anzahl an Mitgliedern, desto einfacher kann es sein, unabhängig zu bleiben und sich aus Mitgliedsbeiträgen zu finanzieren, statt auf staatliche Hilfen angewiesen zu sein. Diesen Weg müssten rumänische Organisationen gehen. Doch bisher tut sich nichts.

Dabei hat man durchaus in der Vergangenheit Erfolge erzielen können und zwar durch Zusammenarbeit. Partnerschaften zwischen dem BUND und rumänischen Naturschutzorganisationen haben verhindert, dass Vergnügungsparks in Rumänien gebaut werden, für die man große Waldflächen in den Karpaten hätte roden müssen. „Ich glaube, es wäre in Rumänien an der Zeit für Initiativen zum Aufbau nationaler Natur- und Umweltschutzorganisationen“, so Weiger.

Und die Zeit drängt. Denn internationale Holzkonzerne siedeln sich in Rumänien an und können ungehindert arbeiten, weil ein starkes Gegengewicht fehlt. Nationalparks verlieren zunehmen ihre Altbestände. Es entstehen immer mehr Pufferzonen. „Wir wissen, dass der Holzhunger dieser Sägewerke riesig ist und er wird immer größer.“

Der Druck auf die Wälder nimmt zu. Es ist ein weltweites Phänomen. „Holz ist unsere wichtigste nachwachsende Ressource“, sagt der Naturschützer. „Er wird immer teurer und begehrter.“ Es liegt an Naturschutzorganisationen das Bewusstsein der Menschen zu verändern. Die Wälder sind intakt genauso wertvoll. 20 Prozent des Klimawandels gehen mit zurück auf das Zerstören der Wälder. Es gibt aber auch eine positive Entwicklung. Die Weltnaturerbe-Stätten der UNESCO können zum Schutz gefährdeter Regionen beitragen.

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