„Romeo und Julia“ wortlos

Zur Premiere von Prokofjews Werk am Hermannstädter Balletttheater

Freitag, 28. Juni 2013

Julia in der Gruft nach Romeos Tod. Foto: Andrey Kolobov

Hermannstadt - Die Premiere des Balletts „Romeo und Julia“ zur Musik von Sergei Prokofjew zeigte am Mittwochabend das Hermannstädter Balletttheater im Gewerkschaftskulturhaus. Die im Vergleich zum Original stark gekürzte Vorstellung stand unter der choreografischen Leitung von Pavel Rotaru. Regie führte Ovidiu Dragoman. Die Handlung des aus drei Akten bestehenden Balletts folgt getreu jener des Theaterstücks. Das Libretto wurde von Adrian Piotrowski und Sergei Radlow geschrieben. Das Ballett gilt als der bedeutendste Beitrag Prokofjews zur Gattung.

Das Publikum hatte trotz der stummen Vorstellung gewiss keine Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen. Die im Tanz gestalteten Mono- und Dialoge waren auch ohne Worte leicht zu verstehen. Man darf die Bedeutung der Musik, die das Geschehen mal als kriegerischer Marsch, mal als zarte Melodie unterstreicht, dabei nicht unterschätzen. Die Hauptrollen bei der Premiere übernahmen Mircea Munteanu und Risa Mochizuki. Die graziöse Mochizuki tanzte sowohl die verliebte als auch die verzweifelte Julia perfekt. Auch der für seine Geliebte schwärmende oder um seinen Freund Mercutio trauernde Romeo erklärte seine Gefühle tadellos im Tanz. Die gewaltvolle Auseinandersetzung von Mercutio (Takahiro Tsubo) und Tybalt (Nicholas Gili) bedurfte keiner weiteren Erklärungen. Am gefühlsstärksten waren die Balkonszene sowie der Epilog, der in der Familiengruft der Capulet stattfindet.

Das Bühnenbild, das mit wenigen Handgriffen in Julias Schlafgemach, die Kapelle des Bruders Lorenzo, den Hauptplatz von Verona oder in die Familiengruft verwandelt werden konnte, gestaltete Alin Gavrilă. Die prachtvollen Kostüme kreierte Rodica Kabdebo.

Man könnte abschließend zweierlei Bemerkungen zur Ballettvorführungen machen: Erstens steigt die tänzerische Leistung der Tänzerinnen und Tänzer des Hermannstädter Balletttheaters mit jeder neuen Vorstellung. Das Ensemble beweist sich sowohl im klassischen als auch im zeitgenössischen Ballett. Zweitens sollte man die unverändert dürftig gebliebenen Lichteffekte im Gewerkschaftskulturhaus anmerken. Die Tanzauftritte der ausländischen Ensembles während des diesjährigen Theaterfestivals haben deutlich gezeigt, dass es auch anders gehen kann.

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