Rosenau – Die Gesichter einer Stadt (II)

Eine Ortschaft und ihre vielen Facetten

Mittwoch, 12. November 2014

Campingplatz in der Nähe des Gasthauses „Acapulco“, von den Rosenauern nach einem Film mit Elvis Presley benannt

Rosenau ist eine Baustelle. Für die Zahnradbahn muss man noch bis Nikolaus warten.
Fotos: Elise Wilk

Das zweite Projekt ist der Bau einer Zahnradbahn, die Touristen vom Stadtzentrum bis auf die Burg befördern soll. Dieses Projekt geht voran - im Hof des Burg-Museums, dem zukünftigen Abfahrtsort der Bahn, wird fleißig gearbeitet. Von den 3,4 Millionen Euro für das Projekt beteiligt sich das Bürgermeisteramt mit 50 Prozent, die andere Hälfte wird aus europäischen Fördermitteln gedeckt. Der Weg, den die Bahn zurücklegen wird, ist 165 Meter lang, wobei der Neigungswinkel 34 Grad beträgt. Die Bahn wird 12 Fahrten pro Stunde mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde machen. Es wird geschätzt, dass sie täglich von 700 Personen benutzt werden wird. Obwohl der Liefertermin auf dem Plakat den Juli 2015 angibt, hofft das Bürgermeisteramt, dass die Arbeiten schon Anfang Dezember abgeschlossen werden. „Wir hoffen, dass am Abend des 6. Dezember, wenn die Weihnachtslichter in der Stadt aufgehen werden, der Nikolaus mit der Zahnradbahn kommen wird“, meint Bürgermeister Adrian Veştea.

Acapulco neben dem Wald

Der Fußweg  zur Bauernburg führt durch einen Wald neben der Straße, die in die Schulerau führt. Nach etwa 15 Minuten gelangt man zu einem Parkplatz mit Souvenirläden und einem verlassenen Fußball-Stadion. Daneben steht das Restaurant „Cetate“, das schon seit 1965 existiert und von den Bewohnern „Acapulco“ genannt wird, nach dem gleichnamigen Film, in dem  Elvis Presley von einem Felsen springt. Der Name kommt davon, dass es in der Nähe des Lokals einen ähnlichen Felsen gibt. Im Gebäude, das den Look der 60er Jahre bewahrt hat, konnte man früher gut essen. Nun ist am Tor ein großes Plakat angebracht, auf dem mit großen Buchstaben „Zu Verkaufen“ steht. Auf dem Parkplatz steht eine bunte Bummelbahn, die von einem Traktor gezogen wird und alle 15 Minuten Touristen zur Burg befördert. Ein Ticket kostet 4 Lei hin und zurück. Drinnen sitzen schon eine Gruppe erwartungsvoller Franzosen und zwei Japaner. Von Rosenau haben sie aus einem Reiseführer erfahren.

In weniger als fünf Minuten erreicht man die Bauernburg, die 1215 vom Deutschen Orden erbaut und 1331 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Vor der Burg kann man einkaufen: Kühlschrankmagneten mit dem Porträt von Vlad }epe{, Plastik-Skelette, rosa Pelzmützen oder Glühwein. Neben dem Eingang kann man versuchen, mit Pfeil und Bogen zu schießen. Seit 2010 renoviert, ist die Burg ein beliebter Ausflugsort. Dank des erweiterten Angebots an Veranstaltungen hinter den Mauern stieg die Besucherzahl von Jahr zu Jahr. 2013 waren es über 200.00 Touristen, die die Burg besuchten. Die Öffnungszeiten sind bis Ende Oktober täglich von 9 bis 19 Uhr und während der Winterzeit bis 17 Uhr,  wobei die Eintrittspreise 5 Lei für Kinder, Schüler und Studenten und 10 Lei für Erwachsene betragen. Kleinkinder bis 3 Jahre haben freien Eintritt.

Das Hollywood in den Karpaten

Am Kiosk, wo man Tickets kaufen kann, ist angekündigt, dass die Burg am nächsten Tag, dem 28. Oktober, für Besucher wegen Dreharbeiten geschlossen sein wird. Es werden einige Szenen des Films „Vlad der Pfähler - das Imperium des Blutes” in der Regie von Keoni Waxman gedreht. Das amerikanische Filmteam wird bis zum 20. Dezember in Rosenau gastieren, aber nur ein Teil der Szenen werden im Inneren der Burg gedreht. Der Film über Vlad }epe{ besteht aus vier Mini-Serien und zeigt die Geschichte des legendären Herrschers, der den Mythos Dracula inspiriert hat. Hollywood-Fans können also die Autogramme-Jagd  beginnen. In den nächsten Wochen werden auf den Straßen um die Rosenauer Burg Scott Adkins („Das Bourne Ultimatum“, „Zero Dark Thirty“) und Dominic Purcell („Prison Break“, „Blade: Trinity“) spazieren gehen.

Rosenau diente bereits in den 60er Jahren als Drehort für den Film „Stern ohne Namen“ mit Marina Vlady und wurde in den 70ern auch von Sergiu Nicolaescu für seine populären Streifen mit historischem Hintergrund genutzt.

Aber erst 2002 gelang es Rosenau, sich als Filmkulisse richtig zu etablieren. In dem Jahr wurde hier der bekannte Oskar-gekrönte Hollywood-Film „Cold Mountain“ in der Regie von Anthony Minghella, mit Nicole Kidman und Jude Law gedreht. Es folgte die Mini-Serie  „Hatfields und McCoy“ mit Kevin Costner. Nun sind die Studios „Universal Pictures“ und „Miramax“ an Dreharbeiten in Rosenau an gleich mehreren Filmen interessiert.

Zu den schönen Landschaften kämen auch die geringeren Drehkosten hinzu, sagt Vlad Păunescu von „Castel Film“ – ein rumänisches Filmstudio, das bei den ausländischen Filmproduktionen in Rumänien sehr oft mitbeteiligt ist. Gefragt sind wilde Landschaften mit Felsen, Höhlen und dichten Wäldern. An solchen fehlt es Rosenau nicht. Auch die Einwohner wurden während der Dreharbeiten zu Stars. Viele spielten als Statisten in den großen Hollywood-Produktionen mit. Auch auf andere Weise haben sie ihr Geld verdient. Constantin Ducar, der eine Farm in der Nähe von Rosenau besitzt, hat für „Cold Mountain“ sieben Pferdekutschen gebaut, und seine Pferde haben im Film mitgespielt. „Castel Film“ hat anschließend alle Kutschen gekauft um sie auch in anderen Produktionen zu verwenden. Ein anderer Rosenauer, Ion Adămuţă, der früher auch für Sergiu Nicolaescu gearbeitet hat, baute für „Cold Mountain“ die Filmkulissen sowie die Hütte im Râşnoavei-Tal, wo einige Szenen gefilmt wurden. Die Hütte wurde im Stil eines amerikanischen Hauses in der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs gebaut. Nach Ende der Dreharbeiten wurde die Hütte verlassen und steht nun verwahrlost da. Trotzdem haben die Leute aus Rosenau nie vergessen, dass einst große Stars aus Hollywood bei ihnen zu Gast waren.  „Nicole Kidman hat ganz nahe von hier gewohnt“- mit diesem Text werben die Besitzer einer Pension auch 10 Jahre nach Ende der Dreharbeiten. Den Touristen gefällt das.

(Schluss folgt)

Kommentare zu diesem Artikel

Tourist, 14.11 2014, 12:59
der Kitsch-Ramsch, der da am Parkplatz verkauft wird, ist das aller letzte. Am Schluss glauben die Touristen wahrscheinlich, Vlad Tepes hätte die Burg erbaut. Dabei haben sich die sächsischen Bauern von Rosenau mit ihrer Burg genau GEGEN solche Typen, wie den walachischen Vojvoden, verteidigt.

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